Mikrowellen verkochen den Krebs

Kürzlich wurden am Klinikum Kassel die ersten Patienten mit einer neuen Methode zur Behandlung von Krebsgeschwulsten behandelt. Bei der Mikrowellenablation werden die Tumoren und Metastasen in verschiedenen Körperregionen durch Hitze zerstört.

Das Verfahren wird nach Angaben von Oberarzt Nael Abusalim vom Zentrum für Radiologie insbesondere bei Tumoren und Metastasen in Leber, Lunge und Niere angewandt. Sie komme insbesondere dann infrage, wenn das Tumorgewebe nicht mit einer Operation entfernt werden kann, wenn eine Operation wegen Begleiterkrankungen zu risikoreich wäre und auch alternative Behandlungsverfahren wie eine Lebertransplantation nicht möglich sind.

Die Hitze wird durch eine Sonde erzeugt, die unter Computertomografie-Kontrolle in den Tumor eingebracht wird. Durch einen Generator werden elektromagnetische Schwingungen (ca. 910 Megahertz) erzeugt, die über die Sonde zu einem starken Temperaturanstieg im Gewebe und so zu einem „Verkochen“ des Tumors führen. Der Tumor verändere sich während der Behandlung zu einem dunklen Fleck und sterbe ab, schildert der Facharzt. Die Tumorzerstörung werde mithilfe der Computertomografie kontrolliert. „Die Ränder des Tumors werden von dem Energiefeld überschritten, sodass ein Sicherheitssaum bis in das gesunde Gewebe entsteht“, erläutert Nael Abusalim.

Als Vorteile der Mikrowellenablation nennt der Oberarzt die geringen Nebenwirkungen und die niedrige Komplikationsrate. Der Eingriff werde unter Betäubung und Schmerzausschaltung, jedoch ohne Vollnarkose durchgeführt. Die Dauer des Eingriffs betrage je nach Größe und Zahl der behandelten Tumore zwischen zehn und 15 Minuten.

In der Regel ist für eine Mikrowellenablation ein stationärer Aufenthalt von wenigen Tagen ausreichend. Da der Eingriff mit einer Nadel durchgeführt wird, bleiben keine sichtbaren Narben oder Operationswunden.

Seit vielen Jahren etabliert ist bereits die Radiofrequenzablation, die ebenfalls am Klinikum angewandt wird. Dabei wird krankes Gewebe mithilfe von Radiowellen erhitzt. Als Vorteile der Mikrowellenablation nennt Abusalim: Sie sei sicherer, schneller und verursache deutlich weniger Schmerzen als die Radiofrequenzablation.

Die Entscheidung zur Anwendung der Mikrowellenablation werde im Klinikum Kassel ausschließlich interdisziplinär unter Einbeziehung der aktuellen medizinischen Leitlinien getroffen. So arbeite man eng mit der Allgemein- und Viszeralchirurgie, den Medizinischen Kliniken I und IV sowie der Urologie zusammen, um für jeden Patienten die am besten geeignete Therapie zusammenzustellen. (red/hei)

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