Prüfen, Rufen, Drücken

Es kann überall und jederzeit passieren, auch im Krankenhaus: Ein Mensch sackt in sich zusammen, bleibt regungslos am Boden liegen. Routine im Umgang mit dieser Situation und der dann notwendigen Ersten Hilfe haben oft nur die Mitarbeiter der Notfallbereiche.

Damit jeder weiß, was in einer solchen Situation zu tun ist, werden am Helios Klinikum Warburg seit diesem Jahr alle Mitarbeiter, auch die aus den nicht-medizinischen Bereichen wie Verwaltung, Technik und Service regelmäßig im sogenannten „Basic Life Support“ – den lebensrettenden Sofortmaßnahmen im Notfall – verpflichtend geschult.

Kontakt mit einer Herzdruck-Massage hatte der Laie in der Regel zuletzt beim Erste-Hilfekurs für den Führerschein. Die Angst, im Notfall etwas falsch zu machen ist daher bei vielen sehr groß. „Statistiken zeigen, dass in Deutschland, das ist übrigens in den skandinavischen Ländern ganz anders, nur in 30 Prozent der Fälle bei einem plötzlichen Herzstillstandes Ersthelfer mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bevor der Notarzt und der Rettungsdienst eintreffen“, sagt Dr. Dietmar Hohmann, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am Helios Klinikum Warburg.

Für Betroffene entscheiden aber gerade diese ersten Minuten oft über mögliche und bleibende Folgeschäden, im schlimmsten Fall sogar über Leben und Tod. Wie einfach eine Reanimation sein kann und anzuwenden ist, zeigen die sogenannten „Basic-Life-Support“-Schulungen, die von jetzt an für alle Mitarbeiter des Helios Klinikums Warburg verpflichtend sind.

Egal, ob Schwestern und Pfleger der Station, Geschäftsführung, IT-Mitarbeiter, Stationssekretärinnen oder Personalleiter – sie alle lernen in dem Seminar, was im Notfall zu tun ist: "Prüfen", ob die Person ansprechbar ist und atmet. Wenn nicht, "Notruf wählen" und anschließend direkt mit der lebensrettenden "Herzdruck-Massage" beginnen. „Sie ist und bleibt das wirksamste Instrument bei einem Herzstillstand. Dazu drückt man schnell und fest zirka hundert Mal pro Minute auf das untere Drittel des Brustbeins, so lange, bis professionelle Hilfe eintrifft“, erläutert Dr. Hohmann. „Wer sich unsicher mit der Schnelligkeit der Druckmassage ist, kann während der Reanimation das Lied „Staying alive“ von den Bee Gees mitsummen“, empfiehlt Dr. Hohmann. „Das Lied hat den passenden Rhythmus für eine Wiederbelebung“, so Hohmann weiter.

Optimal ist es, wenn ergänzend zu der Herzdruckmassage auch eine Mund-zu-Mund Beatmung durchgeführt wird: 30-mal drücken und zwei Mal beatmen. Wer will und sich das zutraut kann das machen, die Beatmung ist aber nicht zwingend erforderlich. Wichtiger ist eine korrekt und ohne Unterbrechungen durchgeführte kräftige Druckmassage. Geübt wird das Ganze unter Anleitung praktisch an speziell hierfür beschafften Reanimationspuppen.

Die Rückmeldungen auf die Schulungsaktion sind ausnahmslos positiv. Viele der Mitarbeiter, gerade aus den nicht-medizinischen Bereichen, sehen die Teilnahme nicht als Plicht sondern eher als Chance, die häufig lang zurückliegenden Kenntnisse in Puncto Wiederbelebung auf diese Weise noch einmal aufzufrischen. (nh)

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