Moderne Schmerztherapie: Den Schmerzpatienten Lebensqualität zurückgeben

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Der medizinische Begriff „chronisch“ beschreibt langsam verlaufende, langwierige Krankheitsprozesse. Umgangssprachlich steht er schlicht für dauernd.

Dauernd Schmerzen? 13 Millionen Deutsche kämpfen damit. Über multimodale Behandlungskonzepte und moderne Therapieoptionen spricht Dr. med. Jan-Peter Jansen, ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des Schmerzzentrums Berlin.

Schmerzen gehen aufs Gemüt und beeinträchtigen die Lebensqualität. Sie zu verbessern ist das erste Ziel der Schmerztherapie. Wie kann das funktionieren?

Dr. Jansen: „Indem man den individuellen Schmerz des Einzelnen genauestens kennt. Was ist die Ursache des Schmerzes, seit wann besteht er, um was für einen Schmerz handelt es sich, wie ist seine Stärke? Nur, wer die Antworten darauf kennt, kann den Schmerz auch adäquat behandeln. Ziel einer mechanismen-orientierten Therapie ist es, den Schmerz auf ein akzeptables und stabiles Niveau zu senken und dem Patienten damit Lebensqualität zurück zu geben. In unserem Schmerzzentrum erhalten Patienten zum Beispiel einen Zufriedenheitskalender. Er dokumentiert den Therapieverlauf und wie gut sie damit zurechtkommen.“

Wie sieht heutzutage eine moderne medikamentöse Therapie aus?

Dr. Jansen: „Das große Problem bei chronischen Schmerzen ist, dass zumeist sowohl Gewebe- als auch Nervenschmerzen auftreten. Man spricht hier von einem gemischten Schmerz. Viele Wirkstoffe setzen aber nur bei einem der beiden Schmerzarten an. Mittlerweile gibt es jedoch Substanzen, die zeitgleich an beiden Stellen der Schmerzwahrnehmung ansetzen und sowohl bei Nerven- als auch bei Gewebeschmerzen wirksam sind. Therapieoptionen wie der Einsatz von nasalen Opioiden oder der Wirkstoffklasse MOR-NRI helfen Ärzten dabei, gezielt gegen chronische Schmerzen vorzugehen. Multimodale Behandlungsansätze runden dann die medikamentöse Therapie ab.

Stichwort „multimodale Schmerztherapie“. Was steckt dahinter?

Dr. Jansen: „Die medikamentöse Therapie ist nur eine Säule der Behandlung. Bei einer multimodalen Schmerztherapie werden unterschiedliche Behandlungsansätze aus verschiedenen Disziplinen der Medizin zusammen eingesetzt. Sie reichen von psychotherapeutischen Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie, über Physiotherapie bis hin zu diversen Entspannungstechniken sowie physikalischen Therapien.“ Auf der Internetseite change-pain.de erhalten Betroffene und Angehörige zahlreiche Infos – unter anderem Tipps und Hilfestellungen für den Alltag, zur Schmerzdiagnostik und zu entsprechenden Therapien. (akz)

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