Von der Mucki-Bude zum Fitness-Discounter - eine Branche boomt

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Die Fitness-Branche hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Multimilliardenmarkt gemausert. Acht Prozent der deutschen Bevölkerung trainiert inzwischen in Fitness-Studios.

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Von der muffigen „Mucki-Bude“ zum großen Fitness-Discounter: Die deutsche Fitnesswirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren zu einem milliardenschweren Wachstumsmarkt gemausert. Mehr als sieben Millionen Menschen sind inzwischen in Deutschland in einem Fitness-Studio als Mitglied eingeschrieben - damit haben die Studios den Deutschen Fußball-Bund überholt. 3,8 Milliarden Euro setzte die Branche im vergangenen Jahr um - ein Plus von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz Jahren ungebremsten Wachstums hat die Branche noch „Luft nach oben“, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform und der Deutsche Industrieverband Fitness und Gesundheit (DIFG) am Dienstag in Düsseldorf bei der Vorstellung ihres ersten Branchenreports berichteten. Während sich die Mitgliederzahl binnen fünf Jahren von 4,75 auf mehr als sieben Millionen erhöht hat, halbierte sich in dieser Zeit die Zahl der Studio-Insolvenzen. Auch die Bonität der Unternehmen hat sich dem Report zufolge verbessert, mit Fitness First will eine der drei großen Ketten nun sogar an die Börse. Wie war ein solcher Boom in Zeiten schrumpfender Reallöhne und sinkender Jahrgangsstärken auf den deutschen Markt möglich? „Das Thema Gesundheit gibt diesen Auftrieb“, sagt Olaf Tomscheid, Vorsitzender des DIFG. Das Durchschnittsalter in den Studios sei auf über 40 Jahre gestiegen. Längst gehe es nicht mehr bloß um Bodybuilding, sondern um die Volksleiden rund um Diabetes, Kreislauf, Herz, Fettleibigkeit, Rücken. „Der demografische Wandel spielt der Branche in die Hände“, sagt Tomscheid. Mehr als 6000 Fitness-Studios gibt es inzwischen in Deutschland. In den Großstädten ist der Wettbewerb deutlich härter als in den Kleinstädten. Acht Prozent der Bevölkerung hat man in Deutschland bereits im Studio unter Vertrag - das ist noch europäisches Mittelmaß. In Marburg sind es dank eines enormen Studio-Angebots 19 Prozent - in Stockholm aber sogar 34 Prozent, berichtet Branchenexperte Volker Ebener.

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Probleme hat die Branche, ihre gewaltigen Anfangsinvestitionen für den Maschinenpark finanziert zu bekommen. Ein Großstadt-Studio auf 2000 Quadratmetern Fläche verschlingt etwa 1,2 Millionen Euro nur für die Ausstattung. Obwohl die Verschuldung der Branche abgenommen hat, bewegt sich der Schuldenstand daher relativ weit oben hinter Kfz-Gewerbe, der Bau- und der Verkehrsbranche. Das Kreditausfallrisiko ist trotz des Booms mit 3,5 Prozent deutlich größer als in der Gesamtwirtschaft mit 2,25 Prozent - und in Großstädten nahezu doppelt so hoch wie auf dem Land, ist dem Branchenreport zu entnehmen. Ob Edel-Fitness-Therme, Discounter, Frauen-Studio oder Hightech-Anbieter mit Elektro-Muskelstimulation - die Branche diversifiziert sich. Die drei Großen sind McFit, Health City und Fitness First. 40 Prozent der Mitglieder sind inzwischen bei einer der Fitness-Ketten - Tendenz steigend.

Mit der Gewichtszunahme wachsen auch die Ansprüche der Branche. Dass die deutsche Sportförderung an den Studios vorbeifließt, wollen einige nicht mehr hinnehmen. „Der Deutsche Olympische Sportbund lässt uns mit den Alten alleine“, kritisiert Ebener. Dabei trügen die Fitness-Studios inzwischen erheblich zur Volksgesundheit gerade der älteren Generation bei. (dpa)

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