Die Nadel im Heuhaufen finden

Der 14-jährige Julian ist am so genannten Non Hodgkin Lymphom erkrankt, einer Form des Krebses. Die bisherige Behandlung konnte dem Jungen aus dem Waldecker Land nicht helfen – alle Hoffnung liegt jetzt auf einer Stammzellenspende.

Wir sprachen mit Bettina Steinbauer, Aktionsbetreuerin beider Deutsche Knochenmarkspenderdatei, die die Typisierungsaktion organisiert, bei der ein Spender für Julian gefunden werden soll.

Wer kommt als Spender in Frage, wer nicht?

Bettina Steinbauer: Jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren, der mindestens 50 Kilogramm wiegt, kann spenden. Ausschlussgründe sind beispielsweise schwere Erkrankungen des Herzens oder der Lunge, Diabetes, Krebserkrankungen, Hepatitis B, C oder D. Für Detailfragen steht am Aktionstag ein DKMS-Betreuer zur Verfügung.

Wie läuft die Registrierung am Aktionstag ab?

Steinbauer: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Für den Spender ist das eine Sache von fünf bis zehn Minuten und ein kleiner Pieks. Für den Patienten kann es neues Leben bedeuten.

Die Registrierung kostet 50 Euro. Wofür wird das Geld benötigt?

Steinbauer: Zwar übernehmen die Krankenkassen alle Kosten für die eigentliche Stammzellspende und die Datenpflege, können aber aus rechtlichen Gründen die Kosten für den weiteren Ausbau der Datei nicht tragen. Die Registrierung jedes neuen potenziellen Lebensspenders kostet die DKMS 50 Euro, die häufig von den Spendern selbst getragen werden. Mit einer Geldspende kann jeder helfen, da es nicht allen Spendern möglich ist, diese 50 Euro zu zahlen.

Wonach wird die Blutprobe untersucht?

Steinbauer: Das Blut wird im Labor nicht auf die Blutgruppe, sondern auf seine Gewebemerkmale, so genannte HLA-Merkmale, untersucht. Die Typisierungsergebnisse des Blutes, die so genannten Befunde, werden anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Wann kommt man als Stammzellenspender in Frage?

Steinbauer: Die weitgehende Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Patient und Spender ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Stammzelltransplantation. Anders als bei den verschiedenen Blutgruppen, ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zweier Menschen allerdings äußerst selten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass so viele Menschen wie möglich als Stammzellspender registriert sind.

Wie groß ist die Chance, einen passenden

Steinbauer: Einen passenden Spender zu finden, ist generell unglaublich schwierig, da die Gewebemerkmale von Patient und Spender nahezu vollständig übereinstimmen müssen. Aufgrund der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Gewebemerkmale liegt die Wahrscheinlichkeit in der Regel zwischen 1:20 000 und eins zu mehreren Millionen. Wir suchen demnach sprichwörtlich nach der Nadel im Heuhaufen.

Gesetzt den Fall, die Merkmale eines Spenders stimmen mit denen eines Patienten überein.

Was geschieht danach?

Steinbauer: Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich der potenzielle Spender endgültig entscheiden muss, ob er für den Patienten zur Verfügung stehen will. Wenn er Ja sagt, wird bei ihm ein gründlicher Gesundheits- Check-up durchgeführt. Die bloße Registrierung in die DKMS beinhaltet zunächst nicht die bindende Verpflichtung zu einer tatsächlichen Stammzellspende. Denn meist kommt es erst nach Jahren zu einer Anfrage nach Stammzellspende und in dieser Zeit können im Leben eines Spenders Umstände, zum Beispiel Krankheiten eingetreten sein, die eine Stammzellspende unmöglich machen.

Was passiert bei einer Knochenmark- oder Stammzellentnahme?

Steinbauer: Es gibt zwei verschiedene Entnahmeverfahren: Zum einen die Knochenmarkentnahme. Dazu bleibt der Spender für zwei bis Tage im Krankenhaus. Unter Vollnarkose werden ihm aus dem Beckenknochen etwa ein Liter Knochenmark – nicht Rückenmark – entnommen und dem Patienten übertragen. Beim Spender bildet sich das Knochenmark innerhalb von zwei Wochen nach.

Und die zweite Möglichkeit?

Steinbauer: Das ist die periphere Stammzellentnahme. Dem Spender wird über mehrere Tage ein körpereigener, hormonähnlicher Stoff verabreicht. Dieses Medikament regt die Produktion der Stammzellen an und bewirkt deren Ausschwemmung in das periphere Blut. Mit einem Zellseparator werden die Stammzellen, ähnlich einem Dialyseverfahren, aus dem Blut gesammelt.

Welche Risiken gibt es bei der Stammzellentnahme?

Steinbauer: Bei der Knochenmarkentnahme besteht für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz.Das Risiko beschränkt sich bei dieser Methode auf das übliche Narkoserisiko. Das Verfahren der peripheren Stammzellentnahme wird bei DKMS-Spendern seit 1996 angewandt. Während der Einnahme des Medikamentes können grippeähnliche Symptome auftreten. Seit Beginn der klinischen Anwendung sind bisher keine Spätfolgen beobachtet worden.

Spender zu finden?

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