Mit Nadeln Schmerzen beenden

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Bei der Akupunktur werden hauchdünne Nadeln verschiedener Länge in spezielle Punkte am Körper gesetzt. Sie sollen Störungen innerhalb des körpereigenen Energieflusses beseitigen.

Die Akupunktur kann begleitend bei vielen Krankheitsbildern, von Arthrose bis Kinderlosigkeit, helfen

Akupunktur ist eine ganzheitliche Heilmethode aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Dabei geht man davon aus, dass der ganze Körper von Energiebahnen, so genannten Meridianen, durchzogen wird. Diese sollen das gesamte Geschehen im Körper regeln.

Bei der Akupunktur werden Störungen innerhalb dieser Meridiane behandelt. Dazu werden bestimmte Akupunkturpunkte am Körper mit Hilfe von Nadeln oder auch durch Druck (Akupressur) stimuliert oder beruhigt. Die Nadeln haben, je nachdem wo sie eingesetzt werden, eine Länge von 1,5 bis sieben Zentimetern und sind sehr dünn. Durch die spezielle Anwendung der Nadeln können unter anderem körpereigene Morphine freigesetzt werden, es werden schmerzkontrollierende Nervenzellen aktiviert oder es wird eine Reflexwirkung auf ein Organ durch den Reiz ausgelöst. Der Vorteil an Akupunktur ist, dass es eine Therapie ohne jegliche Nebenwirkungen ist.

Akupunktur ist kein geschützter Begriff. Rein theoretisch kann jeder eine eigene Praxis zu dieser Heilmethode eröffnen. Schon deswegen wird diese Heilmethode oft sehr kritisch beäugt.

Dr. Heike Förster, Orthopädin aus Baunatal, hat bei der Deutschen Forschungsgruppe Akupunktur die Diplome A und B abgelegt und damit die von der Ärztekammer anerkannte Zusatzbezeichnung „Akupunktur“ erlangt. Diese Fachgesellschaft hat strenge Maßstäbe und verlangt von ihren Mitgliedern eine regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen.

„Wer eine seriöse Akupunktur-Behandlung wünscht, sollte sich bei der zuständigen Ärztekammer oder bei der kassenärztlichen Vereinigung nach vertrauenswürdigen Therapeuten erkundigen“, empfiehlt. Dr. Förster. Sie beantwortete in der jüngsten HNA-Telefonsprechstunde Fragen zur Akupunktur.

Ich habe eine Kniearthrose und immer wieder Schmerzen dadurch. Ich habe Anfang es Jahres eine Therapie mit Diclofenac und Cortison gemacht. Die Wirkung hat drei Wochen angehalten, jetzt habe ich wieder Schmerzen. Kann die Akupunktur da etwas bewirken?

Förster: Ja. Mit der Akupunktur hat man immer die Möglichkeit, schmerz- und entzündungshemmend für den Körper zu arbeiten. Die Abnutzungserscheinungen, also die Arthrose, in Ihrem Knie kann man nicht rückgängig machen. Was Ihnen Schmerzen bereitet, ist aber die dadurch verursachte Entzündung. Innerhalb von cirka zehn Sitzungen, die einmal wöchentlich erfolgen, kann man die Entzündung mit der Akupunktur bekämpfen. Studien haben übrigens gezeigt, dass die Akupunktur bei Beschwerden durch Kniearthrose den herkömmlichen Therapien ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen ist. Deswegen werden in diesem Fall die Sitzungen voll und ganz von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Ich habe ein Restless-Legs-Syndrom (RLS) und bin medikamentös eingestellt, leide aber trotzdem unter den Symptomen. Könnte ich zusätzlich Akupunktur machen?

Förster: Akupunktur lässt sich mit allen anderen Therapien kombinieren. Bei RLS ist sie nicht unbedingt das Mittel der ersten Wahl. Da ist der Neurologe zunächst Ihr Ansprechpartner. Da Sie aber schon Medikamente nehmen und in neurologischer Überwachung sind, wäre eventuell die Methode der Implantat-Akupunktur für Sie geeignet. In Studien hat man festgestellt, dass sie durchaus bei Ihrem Krankheitsbild positiv wirkt. Dazu werden winzige Partikelchen aus Titan, oder diamanthart gepressten Milchsäuren (Templantate) an Akupunkturpunkte ins Ohr implantiert. Sie üben eine Dauerwirkung aus und lösen sich nach 15 Monaten bis zu zwei Jahre auf.

Ich habe wahnsinnige Schmerzen, die von der Pobacke ins Bein schießen. Mein Arzt hat gesagt, das seien typische Ischiasbeschwerden und hat mir ein Medikament verordnet, das aber nicht wirkt. Könnte da Akupunktur helfen?

Förster: Da Sie noch nicht weiter untersucht wurden, sollte zunächst orthopädisch oder über eine Kernspintomographie abgeklärt werden, ob ein Bandscheibenvorfall oder etwas anderes, gravierendes hinter den Schmerzen steckt. Bei Ihren Symptomen kann Akupunktur Ihnen sicherlich Linderung verschaffen. Die Krankenkasse zahlt, wenn die Schmerzen von der Lendenwirbelsäule kommen.

Bei mir ist ganz aktuell eine Polyneuropathie an den Füßen diagnostiziert worden. Hilft Akupunktur in dem Fall gegen die Schmerzen?

Förster: Sie haben eine Nervenerkrankung, deren Behandlung in die Hände eines Neurologen gehört. Akupunktur kann hier unterstützend und erleichternd wirken. Man muss allerdings mindestens zehn bis fünfzehn Behandlungen einplanen, um zu sehen, ob Sie darauf ansprechen.

Ich hatte eine Gürtelrose und habe jetzt nach über einem Jahr noch Schmerzen. Ich habe gelesen, dass Akupunktur da sinnvoll sei.

Förster: Es gibt sehr viele Menschen, die nach einer Gürtelrose noch über lange Zeit eine Neuralgie, wie Sie sie haben, behalten. Die Akupunktur spricht hier oft gut an.

Ich bin in einer Kinderwunschbehandlung und bekomme Hormone, die den Eisprung auslösen sollen. Ich habe gehört, dass Akupunktur hier zusätzlich wirksam sein soll.

Förster: Es gibt eine Studie von Akupunktur-Fachgesellschaften, laut derer die Chancen schwanger zu werden bei einer Kombination von Hormonbehandlung und Akupunktur um bis zu 40 Prozent höher sind, als bei einer alleinigen Hormonbehandlung. Die Therapie erfolgt engmaschig sechs Tage lang um den Implantationstermin herum.

Von Susanne Seidenfaden

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