Neurodermitis bei Kindern kann zu Asthma führen - Tipps zur Behandlung

Starker Juckreiz und eine entzündete, trockene Haut – dies sind unangenehme Symptome einer Neurodermitis. Vor allem Kinder sind betroffen: Wie eine  Untersuchung der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) zeigt, leiden 15 Prozent der Kinder in Deutschland zumindest zeitweilig an Neurodermitis.

Kristine Breuer

„Bei der überwiegenden Mehrzahl der Kinder heilt eine Neurodermitis bis zur Pubertät wieder ab“, erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Kristine Breuer, Leiterin der Allergieabteilung am Dermatologikum in Hamburg. „Eine Behandlung ist dennoch unverzichtbar: Durch die Störung der Hautbarriere steigt die Wahrscheinlichkeit, an Allergien und Asthma zu erkranken.“ Die genauen Ursachen für eine Neurodermitis sind noch nicht geklärt. Zu den möglichen Auslösern zählen vor allem im frühen Kindesalter Nahrungsmittel, später psychische Belastungssituationen wie Stress und Druck in der Schule. Der Erkrankung liegt eine genetische Veranlagung zugrunde. Wenn Eltern unter Neurodermitis leiden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ebenfalls davon betroffen ist. Von Cremes über die Ernährung bis hin zu Medikamenten stehen Betroffenen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. „Die Behandlung von Neurodermitis muss immer sehr individuell an das Krankheitsbild angepasst werden“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Kristine Breuer. „Wichtig ist, dass eine Behandlung erfolgt. Denn nur so kann man schweren Folgeerkrankungen vorbeugen.“

Drei Tipps von der Allergologin:

1) Unbedingt behandeln

Eine Behandlung ist notwendig, denn Neurodermitis kann durch die Störung der Hautbarriere Infektionen der Haut sowie die Entwicklung von Allergien und Asthma begünstigen. Zudem bedeutet Neurodermitis häufig eine starke psychische Belastung für Kinder aufgrund von Hänseleien in der Schule oder Nebenwirkungen wie Juckreiz, Schlafstörungen und Konzentrationsmangel. Bei der Behandlung gibt es keine allgemeingültigen Therapiemaßnahmen. Diese müssen individuell von einem Experten abgeklärt und in einem stadiengerechten Behandlungsschema umgesetzt werden. Um den Juckreiz zu lindern, ist Kortison ein Mittel, das heute seinen Schrecken vergangener Jahre verloren hat. Es ist sehr wirksam und weist nur wenige Nebenwirkungen auf. Kortison wird deshalb sehr häufig als Creme für den Körper verwendet. Für empfindlichere Hautpartien wie dem Gesicht und Dekolleté gibt es aber auch Alternativen wie zum Beispiel Tacrolimus oder Pimecrolimus. Dies sind entzündungshemmende Substanzen, die sich als Cremes zur lokalen Behandlung, bei Kindern erst ab dem dritten Lebensjahr, eignen. Zudem ist die regelmäßige Pflege der Haut mit rückfettenden Stoffen sehr wichtig, um die Hautbarriere zu stärken.

2) Der Ernährungsplan

Bei der richtigen Ernährung herrscht die irrige Annahme, dass man auf Milch, Milchprodukte, Zucker, Fleisch, Zitrusfrüchte oder scharfe Speisen generell verzichten soll. Diese pauschalen Ernährungsregeln machen keinen Sinn. Wichtig ist ein individuell angepasster Speiseplan. Dieser kann mit Hilfe eines Allergietests ermittelt und auf dessen Basis erstellt werden. Ein Drittel der an Neurodermitis erkrankten Kleinkinder haben Nahrungsmittelallergien, z. B. gegen Hühnerei oder Kuhmilch. Bei den meisten dieser Kinder werden die unverträglichen Nahrungsmittel später wieder vertragen.

3) Neurodermitis-Schulungen

 In speziellen Schulungen, die auch am Dermatologikum Hamburg angeboten werden, erlernen Eltern den richtigen Umgang mit der Neurodermitis des Kindes. Die betroffenen Familien erhalten Unterstützung bei der Entwicklung individueller Strategien für den Alltag. Dazu gehören auch Entspannungsübungen für Kinder, um besonders den Juckreiz in den Griff zu bekommen. Vor allem müssen Eltern und Kinder lernen, viel Geduld zu haben. Das Dermatologikum Hamburg zählt mit 300 Behandlungen täglich und 150 Mitarbeitern zu Europas größten Spezialeinrichtungen für die Diagnostik und Therapie von Hauterkrankungen. Die Praxis und Tagesklinik für Dermatologie, Allergologie, operative Dermatologie, Gefäßchirurgie und dermatologische Labordiagnostik wurde im Jahr 1997 von Professor Dr. Volker Steinkraus gegründet. Das Dermatologikum Hamburg wird heute von ihm, Professor Dr. Kristian Reich und seinen Partnern geleitet. Die Praxis verfügt über ein eigenes Labor für Histologie, Mykologie und Bakteriologie und betreibt eigene klinische Forschungen mit der Entwicklung neuer Therapieverfahren. (nh)

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