Den Tod nicht ausklammern

Wenn jemand stirbt, sind es in der Regel die nächsten Angehörigen, die sich um die Beisetzung des Toten kümmern. Im Idealfall haben sie von ihm zu Lebzeiten erfahren, wie er bestattet werden möchte. Doch den meisten Menschen fällt es schwer, sich mit dem eigenen Tod zu befassen.

 „Weil es sehr viel mit der eigenen Endlichkeit zu tun hat“, sagt die Diplompsychologin Inga Bucolo-Trappen. Sie versuchten, das Thema zu verdrängen, weil sie keine Übung im Umgang damit haben.

Mit den Themen Tod und Sterben werden wir in unserer Gesellschaft wenig konfrontiert. Die Folge: „Wir reden oft nicht darüber, was uns am Lebensende existenziell wichtig ist“, sagt Oliver Wirthmann vom Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. Es sei wichtig, über das eigene Ableben nachzudenken und zu Lebzeiten darüber zu sprechen – davon ist auch Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas überzeugt. Sonst sei im Trauerfall die Ratlosigkeit manchmal groß, sagt er: Wollte der Tote eingeäschert werden oder nicht? Wenn es ein Familiengrab gibt, soll er dort beigesetzt werden? Oder vielleicht doch lieber in einem Ruheforst unter einem Baum?

Grundsätzlich gibt es zwei Formen der Bestattung: die Erd- oder die Feuerbestattung. Ihr Anteil ist in etwa gleich groß, doch die Tendenz zur Einäscherung steige, sagt Wirthmann. Helbach sieht mehrere Gründe dafür: „Zum einen ist es meist billiger, weil die Hinterbliebenen keinen Aufwand mit der Grabpflege haben.“ Zum anderen würden Traditionen unwichtiger. So spielen religiöse Bedenken gegen das Verbrennen immer weniger eine Rolle. Und schließlich fehlten vielen Menschen auch die familiären Bindungen.

In diesen Zusammenhang ordnen die Fachleute in gewisser Weise auch den zunehmenden Wunsch nach anonymer Bestattung ein. „Das resultiert aus der Angst, dass sich später keiner mehr kümmert, so nach dem Motto: ‘Es besucht mich doch eh keiner’’“, analysiert Wirthmann. Es handele sich um eine Art Entsorgungsmentalität, kritisiert er. Inga Bucolo-Trappen erkennt in dem Wunsch nach Anonymität die Furcht, selbst nach dem Tod anderen noch zur Last zu fallen – und das Bedürfnis, darunter einen Schlussstrich zu ziehen.

Häufig sei der Wunsch nach anonymer Bestattung aber ein indirekter Appell an die Verwandten, sich eben doch zu kümmern. Wer sich zum Beispiel unbedingt wünscht, dass seine Asche verstreut oder die Urne auf See und nicht in einem Urnengrab oder einer Urnenwand beigesetzt wird, bereitet seinen Angehörigen damit oft ein Problem: „Trauer braucht einen Ort“, sagt Wirthmann. (tmn)

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