Erbrechen und Durchfälle als Symptome

Extrem ansteckend: Norovirus hat in Kassel und Umgebung Hochsaison

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An die Toilette gefesselt und von Krämpfen geplagt: Wer sich mit Noroviren angesteckt hat, leidet besonders unter Durchfall und Erbrechen. Bis heute gibt es keine Impfung gegen die Erkrankung. Im Landkreis Kassel musste nun eine Kita wegen Noroviren geschlossen werden.

Die Magen-Darm-Grippe kursiert in und um Kassel - eine Kita wurde wegen Noroviren geschlossen. Durchfall und Erbrechen sind allerdings extrem ansteckend. Hier erfahren Sie, wie Sie sich schützen.

Aktualisiert am 28. März 2019 - Man fühlt sich ganz schlagartig schwer krank und völlig kraftlos: Infektionen mit Noroviren kommen besonders in kalten Jahreszeiten häufig vor. Denn nun sind wir öfter und länger mit vielen Menschen in einem (warmen) Raum. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind Noroviren die wohl am weitesten verbreitete meldepflichtige Infektionskrankheit.

Das Virus steht demnach in der Rangliste noch vor der Grippe. Das RKI informiert unter anderem online mit einem speziellen Ratgeber für Betroffene und Kontaktpersonen über den Umgang mit Noroviren. Wir haben hier die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengefasst. Vorab listen wir zwei Fälle von größeren Ausbrüchen in der Region auf.

Norovirus in Kassel und Bad Zwesten

Im Landkreis Kassel brach Ende März 2019 die Durchfallerkrankung in Baunatal aus: Insgesamt 48 Kinder erkrankten in einer Kita. Die Einrichtung musste am Ende geschlossen werden. Auch Erzieher waren unter den Erkrankten.

Auch im Schwalm-Eder-Kreis gab es Anfang 2019 gehäuft Fälle: Mitte Januar wurde bekannt, dass plötzlich etliche Durchfallerkrankungen an der Bad Zwestener Hardtwaldklinik aufgetreten waren. Ein Laborergebnis bestätigte, dass es sich bei den Erregern um Noroviren handelte.

Woher kommt das Norovirus?

Noroviren gibt es überall auf der Welt - kein Kontinent ist vor dem Erreger sicher. Man kann sich also im Prinzip überall anstecken. Entdeckt wurde das Virus im Jahr 1972. Noroviren werden mit Erbrochenem und über den Kot ausgeschieden. 

Wie steckt man sich mit Noroviren an?

Die Viren sind extrem unempfindlich und hochinfektiös. Im Kot und im Erbrochenen von Betroffenen befindet sich eine extrem hohe Konzentration von Erregern. Infizierte, die auf der Toilette waren und sich nicht die Hände gewaschen haben, übertragen das Virus besonders schnell. Wenn es erst an die Hand eines Gesunden gelangt ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Erreger auch in den Mund kommt. Türgriffe, Telefonhörer und Armaturen können ebenfalls zur Übertragungsstelle werden. Schmierinfektion nennt man diesen Vorgang.

Doch es gibt noch einen Weg der Ansteckung: die Aufnahme virushaltiger Tröpfchen über den Mund. Die Tröpfchen entstehen oftmals im Rahmen des schwallartigen Erbrechens. Diese winzigen Tröpfchen können über die Luft zur Ansteckung führen.

Kann man von Lebensmitteln Noroviren bekommen?

Ja. Es gibt auch Lebensmittel, die mit Noroviren belastet sein können. Fast alles, was roh ist, kann am Ende zu einer Ansteckung führen. Muscheln, Obst, Krabben, Salate und schmutziges Wasser können Erregerquellen sein. Sogar Beeren können im tiefgefrorenen Zustand Überträger sein.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Welche Symptome können auftreten?

Ein besonderes Merkmal beim Norovirus: Das Virus bricht sehr und intensiv schnell aus, es klingt auch ziemlich rasch ab. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • starker Durchfall (kann teilweise wässrig sein)
  • Erbrechen (oft schwallartig)
  • Übelkeit
  • Fieber oder erhöhte Temperatur
  • starke Krämpfe im Magen- und Darmbereich
  • Bauchschmerzen
  • Frösteln / Schüttelfrost
  • In einigen Fällen kann es durch den Infekt auch zu Blut im Stuhl kommen. Sollte das der Fall sein, ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen - denn das Blut kann auch einen anderen (bedenklichen) Ursprung haben.

Meist ist das Schlimmste nach 12 bis 48 Stunden überstanden. Wer eine chronische Krankheit hat oder unter einer Autoimmunerkrankung leidet, kann länger mit der Infektion zu kämpfen haben. Wichtig ist, dass der Betroffene so viel wie möglich trinkt. Der Flüssigkeitsverlust muss unbedingt ausgeglichen werden.

Wie wird das Norovirus bei einem Patienten festgestellt?

Allein das Vorsprechen beim Arzt bringt keine Gewissheit. Auch wenn viele erfahrene Mediziner recht schnell die richtige Diagnose stellen: Nur eine Stuhlprobe gibt letztlich Sicherheit. Wenn das Ergebnis der Probe positiv ist, wird es innerhalb der Meldepflicht an die Behörden weitergegeben.

Warum ist das Norovirus meldepflichtig?

Noroviren sind sehr ansteckend und können auch größere Ausbruchsgeschehen verursachen. Das kann beispielsweise in Krankenhäusern und Altenheimen fatal sein. "Es gibt je nach Zahl der Erkrankungen durchaus auch mal 20 bis 30 Todesfälle in ganz Deutschland", berichtet Susanne Glasmacher aus der Pressestelle des RKI. Es handelt sich also um eine Infektion, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Seit dem Jahr 2011 besteht die Meldepflicht. Der Nachweis erfolgt durch eine Stuhlprobe. Die gesetzliche Grundlage lautet: "Dem Gesundheitsamt wird gemäß § 7 Abs. 1 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Norovirus, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet."

Wie kann ich mich vorm Norovirus schützen?

Die einfachste und effektivste Methode ist Händewaschen. Allerdings hilft das nur, wenn es gründlich gemacht wird. Eine schnelle Katzenwäsche ist unwirksam. Wichtig: Immer warmes Wasser und Seife benutzen. Die Hände sollten mindestens für ein Zeitfenster von 30 Sekunden unter laufendem Wasser gewaschen werden. Danach sorgfältig abtrocknen. 

Hände sauber halten: Damit sich die Erreger nicht ungehindert ausbreiten, ist Hand-Hygiene unerlässlich. Neben Händewaschen ist auch Desinfektion sinnvoll. In Apotheken gibt es beispielsweise wirksame Mittel zur Hand-Desinfektion.

Wer mit anderen in einer Wohnung lebt, der sollte dringen auf Folgendes achten:

  • eigenes Handtuch benutzen
  • Toilette nach Benutzung gründlich desinfizieren
  • Türklinken und Armaturen desinfizieren
  • keine Mahlzeiten für andere zubereiten
  • Bettwäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad in der Maschine waschen - die Anwendung eines Hygienespülers kann nicht schaden

Auch wenn man keine Beschwerden mehr hat, können noch zwei bis vier Wochen Erreger im Patienten vorhanden sein. Also kann man andere noch anstecken, obwohl man sich gesund fühlt. Hygiene ist also auch nach den Beschwerden noch unerlässlich.

In einem gesonderten Artikel haben wir alle Tipps für Hygiene mit einfachen und günstigen Mitteln für Sie zusammengefasst.

Bleibt man nach einer Infektion mit Noroviren immun?

Mit diesem Effekt sollte man eher nicht rechnen. Eine überstandenen Norovirus-Infektion bietet nämlich prinzipiell keinen Schutz gegenüber einer neuen Ansteckung. Es gibt einfach zu viele verschiedene Noroviren, die sich außerdem kontinuierlich verändern. Das ist auch der Grund, weshalb es keine Impfung gegen Noroviren gibt.

Was sollte man essen, wenn man Noroviren hat?

Gemüsebrühe, Haferflocken, Haferschleimsuppe und Zwieback sind unter anderem gut geeignet, weil sie recht leicht verdaulich sind. Den Zwieback kann man beispielsweise auch in lauwarmem Fenchel- oder Kamillentee einweichen und als Brei essen. Nicht empfehlenswert sind fettige Speisen, der Genuss von Alkohol sowie scharf oder stark gewürztes Essen. 

Man sollte eher einige kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, statt zwei bis drei große. Nach ein paar Tagen können die meisten Betroffenen wieder relativ problemlos normale Kost zu sich nehmen. 

Wie lang sollte man bei einer Infektion nicht arbeiten gehen?

Um sich zu schonen und andere Menschen zu schützen, sollte man frühestens zwei Tage nach dem Abklingen der Beschwerden wieder arbeiten gehen. Das sollte auch für den Verdachtsfall gelten.

Für wen sind Noroviren besonders gefährlich?

Es gibt bestimmte Gruppen von Menschen, für die Noroviren besonders gefährlich werden können. Als Risikopatienten gelten alte Menschen (ab etwa 70 Jahren) und kleine Kinder bis zum Alter von 5 Jahren. Für sie kann der Flüssigkeitsverlust besonders gefährlich werden. Außerdem ist auch der Verlust bestimmter Salze und Spurenelemente nicht ungefährlich. Deswegen sollte bei entsprechenden Symptomen immer ein Arzt aufgesucht werden. Auch schwangere Frauen sollten zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen, wenn der Verdacht auf Noroviren besteht.

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