Die Parkinson-Krankheit verstehen

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Friederike Sixel-Döring

Bei der Pflege können Bewegungsstörungen eine Herausforderung sein - Fixierungen nur in Ausnahmefällen

In jüngster Zeit haben wir mehrfach darüber berichtet, dass vor allem ältere und an Demenz erkrankte Menschen zum Schutz vor Verletzungen mitunter zum Beispiel durch Bettgitter fixiert werden. Betreuungsrichter und Pflege-Einrichtungen suchen aber auch nach Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen. Häufig geht es in solchen Fällen um Patienten mit einer Parkinsonerkrankung. Wir sprachen darüber mit Dr. Friederike Sixel-Döring, von der Paracelsus-Elena Klinik in Kassel.

Parkinsonerkrankte sind von Bewegungsstörungen betroffen, kann dies in der Pflege ein Problem sein?

Friederike Sixel-Döring: Parkinson-Patienten in fortgeschritteneren Krankheitsphasen erleben oft einen nicht mehr vorhersehbaren Wechsel zwischen Phasen der schlechten und guten Beweglichkeit. Das heißt, die motorische Verfügbarkeit wird unzuverlässig. Manchmal sind die Patienten in den Phasen der guten Beweglichkeit durch unkontrollierte Bewegungen behindert. Eine Neuanpassung der Medikation kann hier entscheidend weiterhelfen, für geeignete Patienten auch eine Tiefe Hirnstimulation.

Wie können Pflegekräfte diesem Problem begegnen?

Sixel-Döring: Wichtig für pflegende Angehörige oder professionelle Pflegekräfte ist es, überhaupt zu wissen, dass die Bewegungsfähigkeit so stark schwanken kann und dass es nicht die Bockigkeit des Betroffenen ist, die ihn mit quasi festgeklebten Füßen im Türrahmen hängen blieben lässt. Auch das selbständige Essen kann bedroht sein, sowohl durch unkontrollierte Überbewegungen als auch durch starke Unbeweglichkeit. Gefahr droht dann, wenn diese schlechten Phasen sehr rasch kommen und die Betroffenen überraschen, sodass sie dann zum Beispiel von einem Spaziergang nicht mehr aus eigener Kraft zurückkommen können. Insofern erfordert die Pflege von Parkinson-Patienten ein Grundverständnis für das Krankheitsbild und die Wirkweise der Medikamente, um Gefährdungen für den Betroffenen zu vermeiden.

Was kann passieren, wenn eine Demenz dazu kommt?

Sixel-Döring: Die Entwicklung einer Demenz ist für alle Betroffenen und die Pflegenden ein gravierender Einschnitt. Oft werden die Medikamente dann nicht mehr gut vertragen, der Betroffene bekommt Halluzinationen davon, sodass nur noch eine eingeschränkte Medikation möglich ist. Die Bewegungsfähigkeit leidet dann zwar, aber manchmal muss das in Kauf genommen werden, beziehungsweise ist das sogar sinnvoll, um den Betroffenen vor unkontrolliertem Weglaufen im Zustand der Orientierungslosigkeit zu schützen.

Sind in bestimmten Fällen auch Fixierungen nötig?

Sixel-Döring: Pflegekräfte können diesen Problemen begegnen, indem sie die Dosis der Medikamente in Absprache mit dem behandelnden Arzt individuell und situationsgerecht anpassen. Fixierungen sollten nur dann in Betracht gezogen werden, wenn der Betroffene zum Beispiel eine schwere Haltungsstörung infolge der Parkinson-Erkrankung hat, die ihn so zu einer Seite zieht, dass der Sturz aus dem Rollstuhl oder vom Stuhl droht. Das Einverständnis des Betroffenen muss gegeben sein.

Fixierungen im Bett sind zu vermeiden und nach unserer Erfahrung außerhalb einer psychiatrischen Notfallsituation auch nicht angezeigt. Alternativen können neben intensiver Betreuung die Verwendung von Lagerungshilfen, gepolsterte Betten oder das Abpolstern des Fußbodens bei Bettsturzgefahr sein.

 (hei)

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