Ohne Halt droht Zahnverlust

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In den Zwischenräumen tummeln sich Bakterien besonders gern: Eine gründliche Reinigung und die regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt helfen dabei, eine Parodontitis zu verhindern.

Einmal kraftvoll ins Körnerbrötchen gebissen und schon kann ein Zahn wackeln. Das kann passieren, wenn Knochen und Gewebe um den Zahn herum aufgrund einer Parodontitis so geschädigt sind, dass der Zahn seinen Halt verliert. Eine rechtzeitige Früherkennung kann den frühzeitigen Zahnverlust verhindern.

Dr. Dagmar Aden, Zahnärztin aus Kassel, hat sich auf Parodontologie spezialisiert und hat unsere Leser während der Telefonsprechstunde beraten.

Ich bin weiblich, 57 Jahre alt und leide unter Arthrose in den Gelenken. Mein Zahnarzt hat zudem eine Parodontitis festgestellt und die Zahnfleischtaschen gereinigt. Wie oft muss diese Behandlung wiederholt werden?  

DR. DAGMAR ADEN: Die Bakterienstreuung der Parodontitis kann sich über die Blutbahn überall im Körper absetzen und in einem Zusammenhang mit Entzündungskrankheiten stehen. Gelenkerkrankungen wie Arthrose und Rheuma können auch mit einer Parodontitis zusammenhängen. Daher ist es in Ihrem Fall besonders wichtig, die Parodontitis behandeln zu lassen. Die Zahnfleischtaschen werden dabei gereinigt und ausgespült. In solchen Fällen kommen unter anderem auch antibiotische Salben zum Einsatz. Patienten mit Erkrankungen in den Gelenken haben ein bis zu achtfach erhöhtes Parodontitis-Risiko.

Ich bin weiblich, 44 Jahre alt und bin schon seit langer Zeit an Rheuma erkrankt. Im Oberkiefer habe ich einen Zahn verloren. Die Brücke an dieser Stelle wird von zwei überkronten Zähnen gehalten. Seit einiger Zeit tritt an einem der überkronten Zähne eine eitrige, bitter schmeckende Flüssigkeit aus. Mit intensiver Reinigung und Spülung geht es einige Tage gut, aber die Abstände werden immer geringer. Was empfehlen Sie mir?

ADEN: Ihre Beschreibung spricht dafür, dass die Entzündung an ihrem Zahn bereits chronisch ist. Prinzipiell handeln Sie genau richtig, denn eine intensive Reinigung der Zähne ist noch immer die beste Vorsorge. In Ihrem Fall ist es auf jeden Fall angeraten, die Ursache für die Beschwerden zu finden. Mithilfe einer Röntgenuntersuchung lässt sich feststellen, ob eine Zahnfleischtasche oder eine andere Irritation vorliegt. Mit Ihrer Vorerkrankung sind Sie leider prädestiniert für Parodontitis. Sollten bei Ihnen Zahnfleischtaschen gefunden werden, rate ich zu einer Parodontitis-Behandlung beim Zahnarzt. Denn nur er hat die Möglichkeit, die Taschen vollständig zu reinigen. Bleibt eine Parodontitis unbehandelt wird der Zahnhalteapparat mit Knochen und Gewebe abgebaut und es kommt zum Zahnverlust. 

Ich bin männlich, 78 Jahre alt und bereits seit vielen Jahren Diabetiker. Mit meinen Zähnen hatte ich bisher keine Probleme, aber bei meiner letzten Untersuchung sagte mir mein Zahnarzt, dass ich Parodontitis habe. Was raten Sie mir? 

ADEN: Es ist gar nicht unüblich, dass Sie trotz der Parodontitis keine Beschwerden haben. Es handelt sich um einen schleichenden Prozess, bei dem Bakterien von der Zahnoberfläche in den Zahnhalteapparat gelangen und dort eine Abwehrreaktion hervorrufen. Diabetiker haben ein geschwächtes Abwehrsystem und sind daher besonders gefährdet. Denn zum einen kann Parodontitis zu einer Verschlechterung des Blutzuckerspiegels führen und zum anderen Diabetes die Entstehung einer Parodontitis begünstigen. In Ihrem Fall ist es also enorm wichtig, zwei- bis dreimal pro Jahr zur Kontrolle zum Zahnarzt zu gehen und bei Bedarf eine Parodontitis-Behandlung vornehmen zu lassen – nicht nur wegen des Zahnerhalts sondern auch wegen des Blutzuckerspiegels. 

Ich bin männlich, 47 Jahre alt und leide seit meiner Jugend an Asthma. Bisher hatte ich keine Beschwerden mit den Zähnen. Aufgrund eines Wohnortwechsels habe ich einen neuen Zahnarzt und dieser hat nun eine Parodontitis festgestellt und rät mir zu einer Parodontitisbehandlung. Ist das wirklich notwendig? 

ADEN: Zwischen Asthma und Parodontitis kann durchaus eine Wechselwirkung bestehen. Bei der Verwendung von Kortisonsprays oder -pulvern wird die Mundhöhle in ihrer Immunabwehr geschwächt. In der Folge haben es Bakterien leichter, sich zu vermehren. Daher wird Asthmapatienten dringend geraten, den Mund nach dem Gebrauch von Kortison gründlich auszuspülen. Zusätzlich sollten Asthmatiker ihre Zähne zwei- bis dreimal pro Jahr kontrollieren lassen.

Von Sandra Köhler

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