Normales Zähneputzen reicht nicht aus – eine Parodontalbehandlung wird durch professionelle Zahnreinigung ergänzt

Parodontose wird oft unterschätzt

Veränderungen erkennen: Bei einer Parodontitis ist eine professionelle Reinigung und die Kontrolle wichtig.

Mehr als 65 Prozent der erwachsenen Deutschen leiden unter Parodontose, medizinisch korrekt Parodontitis. Das ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates.

Diese bakteriell verursachte Erkrankung wird im Anfangsstadium häufig übersehen und nicht ausreichend behandelt. Es kommt im weiteren Verlauf zum Abbau des Kieferknochens. Der Patient bemerkt, dass das Zahnfleisch zurückgeht. Irgendwann werden die Zähne locker und fallen aus.

Parodontitis-Patienten tragen dabei ein höheres Risiko für weitere Erkrankungen, die durch Entzündungszustände hervorgerufen werden. Hierzu gehören Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Außerdem gibt es gesicherte Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Atemwegserkrankungen sowie Diabetes. „Es geht bei dieser Krankheit nicht nur um die Zähne“, betont Joachim Kanzow, Leiter des Zahnzentrums am Theater in Göttingen.

Die Entstehung von Parodontitis beginnt typischerweise damit, dass sich bestimmte Bakterien an den Zähnen festsetzen. Diese vermehren sich in den schlechter zugänglichen Bereichen, insbesondere in den Zahnfleischtaschen. Das Zahnfleisch schwillt an und ist gerötet. Wenn die Entzündung anhält, werden die Taschen in Folge des Knochenabbaus immer tiefer.

„Es geht bei dieser Krankheit nicht nur um die Zähne.“

Joachim Kanzow

Ein Kreislauf beginnt: Die Bakterien finden jetzt noch bessere Bedingungen, der Knochenabbau schreitet in Richtung Wurzelspitze fort.

Hohes Risiko für Raucher

Raucher tragen ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko zur Entwicklung einer Parodontose. Bei dieser Patientengruppe ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Behandlung trotz korrekter Durchführung erfolglos bleibt, sehr groß.

Im Anfangsstadium ist das Hauptziel einer Behandlung die Beseitigung von Belägen, so genannter Plaque, und die Verbesserung der Mundhygiene. Hindernisse wie undichte Kronenränder oder Füllungen, die eine perfekte Zahnpflege verhindern, sollten beseitigt werden.

Zusätzlich zur konsequenten Zahnpflege zuhause sollten die Patienten regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung vornehmen lassen. Speziell ausgebildete zahnmedizinische Fachangestellte entfernen Beläge, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, ebenso Verfärbungen an den Zähnen. Die Patienten bekommen außerdem Tipps für die häusliche Zahnpflege. Das Fachpersonal erkennt eine mögliche Verschlechterung der Situation sofort. Bei fortgeschrittener Erkrankung muss der Zahnarzt mit örtlicher Betäubung auch die tiefen Bereiche der Zahnfleischtaschen reinigen.

Im Labor können die schädigenden Bakterien bestimmt werden, dementsprechend können gezielte Vorgehensweisen eingeleitet werden. „In manchen Fällen sind komplizierte parodontalchirurgische Maßnahmen nötig, um stark geschädigte Zähne noch zu retten,“ sagt Joachim Kanzow.

Manche Zähne sind nicht mehr zu erhalten, weil sie in den vom Knochen unbedeckten Wurzelbereichen nicht mehr gereinigt werden können. Sie müssen dann gezogen werden. „Dies sollte dann so rechtzeitig geschehen, dass noch ausreichend Knochen für die Verankerung von Implantaten vorhanden ist,“ sagt Joachim Kanzow. Der Spezialist betont, dass alle risikobehafteten Zähne konsequent entfernt werden sollten, um den Erfolg der Implantation nicht zu gefährden.

Gerade bei fortgeschrittenen Erkrankungsfällen sei es möglich, in nur einer chirurgischen Sitzung die Zähne zu entfernen, die Implantate zu setzen und noch am selben Tag mit einer festen Brücke zu versorgen. (nh)

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