Mehr Pflegeplätze für Senioren als nötig (mit Kommentar)

Im Landkreis gibt es ein Überangebot an vollstationären Pflegeplätzen für Senioren. Trotzdem werden weitere Altenpflegeheime gebaut.

Gestern wurde in Sachsenhausen der Startschuss für den Bau eines vom Land geförderten Seniorenzentrums mit einem symbolischen Spatenstich gefeiert. Sieben Millionen Euro soll es kosten.

Die Einrichtung des DRK-Kreisverbandes Frankenberg soll nach der Eröffnung 60 Pflegeplätze, eine Tagespflegeeinrichtung mit acht Plätzen und eine Altenbegegnungsstätte bieten.

Der vom Land ermittelte planerische Bedarfswert für Waldeck-Frankenberg liegt bei 1080 Pflegeplätzen. „Wir haben bereits heute mit einem planerischen Bestand von 2073 Plätzen ein deutliches Überangebot“, sagt Kreis-Sozialdezernent Peter Niederstraßer auf Anfrage der HNA.

Er befürchtet in den kommenden Jahren einen „knallharten Wettbewerb unter den Anbietern“. Der Grund: Tatsächlich seien aktuell etwa nur 1770 stationäre Seniorenpflegeplätze belegt.

Geringer Bedarf

„Im Bereich Waldeck, Edertal und Vöhl bestand vor einigen Jahren noch ein geringer Bedarf an Pflegeplätzen. Darum wurden von dort entsprechende Anträge für den Bau von Seniorenpflegeheimen eingereicht“, sagt Niederstraßer.

Er geht davon aus, dass die Nachfrage und der Bedarf an Pflegeplätzen spezieller Heime nicht steigen werden. Auch angesichts des demografischen Wandels wird sich nach Einschätzung Niederstraßers bei den Belegungszahlen in den kommenden Jahrzehnten nicht viel ändern.

Schon heute zeichne sich eindeutig ein Trend zur häuslichen Pflege und Betreuung alter Menschen in vertrauter Umgebung ab. „Daran wird sich auch ganz sicher nichts ändern, denn der Staat fördert nachhaltig die häusliche Pflege“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete. (Von Uli Klein)

Komentar: Mehr ist besser (Von Eva D. Schwarz)

Einen knallharten Wettbewerb unter den Seniorenheimen befürchtet Kreis-Sozialdezernent Peter Niederstraßer angesichts des derzeit herrschenden Überangebots an vollstationären Pflegeplätzen für Senioren.

Na und? Ist Wettbewerb denn etwas Schlechtes? Ich finde das nicht. Allerdings kommt es darauf an, mit was die Heime in den Wettbewerb um neue Bewohner einsteigen. Passiert das nur über den Preis, und das ist leider zu befürchten, dann gebe ich Peter Niederstraßer Recht.

Doch es gibt eine Vielzahl anderer Kriterien für den Wettbewerb. Das fängt bei menschlicher Pflege mit einer wirklich guten Personaldecke und bestens ausgebildeten Mitarbeitern an und hört bei der Spezialisierung auf Palliativpflege noch lange nicht auf.

In vielen Fällen ist die häusliche Pflege nämlich keine Alternative zum Seniorenheim. Wer das glaubt, ist blauäugig. Denn solange häusliche Pflegeleistungen durch Sozialdienste im Minutentakt abgerechnet werden und kaum Raum für Menschlichkeit bleibt, wird es immer auch Seniorenheime geben müssen.

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