Schwere Entzündungen

Pims-Syndrom bei Kindern nach Corona-Infektion: Schwere Organschäden möglich, wenn Therapie nicht einsetzt

Nicht nur Erwachsene müssen aufgrund schwerer Corona-Infektionen stationär behandelt werden. Auch Kinder können schwer erkranken.
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Nicht nur Erwachsene müssen aufgrund schwerer Corona-Infektionen stationär behandelt werden. Auch Kinder können schwer erkranken.

Eine Studie zeigt, dass Kinder nach einer Corona-Infektion das sogenannte Pims-Syndrom entwickeln können, das unter anderem das Herz schädigt.

PIms ist die Abkürzung für den Begriff „Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“. Damit gemeint sind heftige Entzündungsreaktionen in verschiedenen Organen wie dem Herz und der Haut. Ausgelöst werden diese Überreaktionen durch ein fehlgeleitetes Immunsystem. US-amerikanische Forscher hatten herausgefunden, dass vor allem Kinder gefährdet sind, die milde Corona-Infektionen hinter sich haben. Die Wissenschaftler analysierten die Gesundheitsdaten von 1.733 Kindern und Jugendlichen mit Pims-Syndrom (auch bezeichnet als „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“, kurz MIS-C). Dabei stellte sich heraus, dass die Kinder und Jugendlichen etwa zwei bis fünf Wochen nach einer Corona-Infektion erkrankten. „Wir nehmen an, dass die meisten Erkrankungen aus einer asymptomatischen oder milden Covid-19-Erkrankung heraus resultieren“, zitiert der Spiegel das Team um Ermias Belay vom Covid-19 Response Team des US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC).

90 Prozent der betroffenen Kinder litten laut Studie an Beschwerden, die mindestens vier Organe betrafen. Auffällig war, dass vor allem das Herz geschädigt wurde: Die Forscher berichten von Pims-Patienten mit Herzmuskelentzündungen und Störungen der Herzfunktion, durch die dessen Pumpleistung eingeschränkt wurde. Der Deutschen Gesellschaft Pädiatrische Infektiologie zufolge können aber auch Haut, Magen-Darm-Trakt, Schleimhäute, Lunge, Mund und Rachen von den Entzündungsreaktionen betroffen sein – mit fatalen Folgen, wenn keine Therapie einsetzt.

Auch Kinder können schwer erkranken und müssen auf Corona-Intensivstationen versorgt werden.

Mehr als die Hälfte der Pims-Patienten musste auf Intensivstation behandelt werden

So konnten die US-Forscher bei bis zu 67 Prozent der Pims-Patienten gastrointestinale Symptome, Hautausschlag und gerötete Augen ausmachen. Bei rund 54 Prozent der Patienten kam es in Folge zu niedrigen Blutdruckwerten bis hin zum Schock und rund 58 Prozent mussten infolge von Pims auf einer Intensivstation behandelt werden, so die Studienergebnisse. „Eine kardiale Dysfunktion wurde bei 484 Patienten (31,0%), ein Perikarderguss (Herzbeutelerguss) bei 365 (23,4%), eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) bei 300 (17,3%) und eine Koronararteriendilatation oder ein Aneurysma bei 258 (16,5%) festgestellt“, so die Forscher. Patienten im Alter von null bis vier Jahren wären am seltensten von schweren Verläufen betroffen. Patienten im Alter von 18 bis 20 Jahren dagegen waren häufiger von Herzmuskelentzündung, Lungenentzündung und akuter Atemnot betroffen. In dieser Gruppe berichteten die Patienten auch häufig über Corona-Symptome, die Pims vorangegangen waren.

Kinder dagegen zeigen öfter einen Corona-Verlauf ohne Symptome. So waren asymptomatische Kinder im Schnitt rund acht Jahre alt. Eine Erklärung könnte den Forschern zufolge sein, dass diese Altersgruppe sich nicht so häufig zu ihren Beschwerden äußert.

In Deutschland sind der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) derzeit 260 Pims-Fälle bei Kindern und Jugendlichen bekannt, wie der Spiegel berichtet. Kinder mit Pims seien meist älter und eher männlich, heißt es weiter.

Behandlung des Pims-Syndroms

Wenn das Pims-Syndrom frühzeitig und mit den richtigen Arzneimitteln behandelt wird, klingen die Beschwerden in der Regel folgenlos ab. Zum Einsatz kommen etwa Kortison-Präparate, um die Entzündungsreaktion einzudämmen. Auch die Behandlung mit Präparaten aus Spender-Blutplasma kommen infrage und Antibiotika gegen bakterielle Infektionen, die sich die Kinder zusätzlich zuziehen.

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