Um alle Optionen offen zu haben, sollte man sich über Betreuungsformen informieren

Planen gegen die Pflegefalle

Rechtzeitig planen, solange man fit ist – so heißt die Devise in Sachen Pflege. Dann hat man alle Optionen offen. Die richtige Betreuungsform zu finden und die Finanzierung sicherzustellen, stehen im Fokus der Überlegungen. Das ist eine Herausforderung. So meistern Sie sie:

• Pflegeheim: Wer nicht auf Angehörige zurückgreifen kann, die bei der Pflege unterstützen, ist in einem Pflegeheim gut aufgehoben. Diese Betreuungsvariante empfiehlt sich auch, wenn man rund um die Uhr Hilfe benötigt oder man eine fortschreitende Demenzerkrankung hat. Inzwischen gibt es auch innerhalb eines Heimes Alternativen: Sogenannte stationäre Hausgemeinschaften ermöglichen Leben in kleinen autonomen Gemeinschaften.

• Wohngruppen: „Für Menschen mit Demenzerkrankungen setzen sich Wohngruppen immer mehr durch“, sagt Heike Nordmann vom Kuratorium Deutsche Altershilfe. Hier verfügt jeder Bewohner über ein eigenes Zimmer, zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume. Meist leben acht bis zwölf Pflegebedürftige in einer Gruppe. Betreuungskräfte, Haushaltshilfen sowie ein ambulanter Pflegedienst unterstützen die Bewohner.

• Verträge: Im Pflegeheim greift das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG). Somit gibt es feste vertragliche Vorgaben für Kündigungsfristen und die Erhöhung des Heimentgelts. Doch es gibt strittige Punkte. „Einige Heimbetreiber verlangen die Übernahme von Renovierungskosten, was nicht zulässig ist“, sagt Nordmann. Auch sollten Angehörige nur dann Verträge unterschreiben, wenn sie Bevollmächtigter sind oder gerichtlich bestellter Betreuer, rät sie. Ambulant betreute Wohngruppen fallen meist nicht unter das Heimgesetz und unterliegen keiner besonderen Kontrolle. Verträge werden individuell gestaltet. Tipp: Eine Checkliste finden Sie hier: www.wg-qualitaet.de

• Finanzielle Zuschüsse: „Die gesetzliche Pflegekasse ist eine Teilkaskoversicherung“, sagt Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen. Bei einem Heimaufenthalt übernimmt sie nur die Kosten anteilig, die für die Pflege anfallen. Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten muss man aus eigener Tasche begleichen. Ein Heimplatz kostet ab 2500 Euro aufwärts in Pflegestufe I – 1023 Euro im Monat erhält man aus der Pflegekasse.

Wer als Demenzpatient in einer Wohngruppe lebt, kann Pflegegeld oder bei Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst auch Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es einen Wohngruppenzuschlag von 200 Euro im Monat, plus 1550 Euro im Jahr für die „Verhinderung der üblichen Pflegeperson.“ Zudem gibt es weitere 100 bis 200 Euro im Monat für Betreuungsleistungen.

• Private Vorsorge: Möchte man das private Vermögen nicht zur Finanzierung der Pflege verwenden, kann man stattdessen auch auf private Pflegetagegeld- oder Pflegerentenpolicen setzen. Die Rentenvariante kostet zwar satte Beiträge (ab 65 Euro im Monat bei Pflegestufe III)), dafür sind diese über die gesamte Laufzeit stabil. „In der Tagegeldversicherung muss man mit Preiserhöhungen rechnen“, betont Mayer. Dafür seien die Beiträge erst mal geringer (ab etwa 40 Euro im Monat für ein Tagegeld von 50 Euro in Stufe III). (bia)

Von Annette Jäger

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