Nicht jede Police taugt im Alter

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Die Haftpflichtversicherung sollte Aufgaben im Ehrenamt mit einschließen: Im Bild Helmut Glander, ehrenamtliche Mitarbeiter des Sächsischen Industriemuseums in Chemnitz. Er arbeitet an einer Flachkulierwirkmaschine zur Herstellung feinster Stoffe.

Neue Risiken, anderer Versicherungsschutz – das sollten Senioren beachten und ihre Policen überprüfen. „Nach wie vor gilt auch für Ruheständler, dass man existenzbedrohende Risiken absichern sollte“, sagt Andrea Heyer, Versicherungsexpertin von der Verbraucherzentrale Sachsen.

 Doch die Risiken verändern sich mit dem Rentenalter: Der Verlust des Einkommens ist nicht mehr die größte Gefahr. „Auf eine Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung kann man verzichten“, sagt Heyer.

Welche Policen brauchen Senioren?

Unfallversicherung:

Spezielle Senioren-Policen haben ihre Tücken. Oft ist genau das, worauf es ankommt, ausgeschlossen: Unfälle infolge von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch werden altersbedingte Gebrechen wie Osteoporose bei der Berechnung des Invaliditätsgrades meist mit einbezogen.

Einige Anbieter versichern den Oberschenkelhalsbruch. Assistenz-Leistungen – wie Menü- und Wäscheservice oder Haushaltshilfe – kann man zusätzlich versichern. „Das kann für Alleinstehende sinnvoll sein“, sagt Heyer. Die Versicherung sollte die Leistungen nicht nur organisieren, sondern auch bezahlen.

Reisekrankenversicherung:

Rentner sind oft reisefreudig – das Risiko, am Urlaubsort zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Da die gesetzliche Krankenkasse keinen ausreichenden Schutz gewährt, ist eine Auslandspolice sinnvoll. Sie garantiert im Notfall den Rücktransport in die Heimat sowie die komplette Kostenübernahme im Ausland.

„Chronische Erkrankungen sind vom Leistungsfall ausgeschlossen“, sagt Heyer. Trotzdem sollte die Police ins Gepäck, rät die Versicherungsexpertin. Gut ist, wenn die Police für den „medizinisch sinnvollen“ Rücktransport aufkommt und nicht nur für den „medizinisch notwendigen“. Eine Police gibt es ab acht Euro im Jahr.

Pflege- und Zahnpolice:

Policen für den Pflegefall und den Zahnersatz sind wünschenswert. Sie sollte man aber im Alter zwischen 40 und 50 Jahren abgeschlossen haben, denn im Rentenalter werden sie teuer.

Eine private Pflege-tagegeldpolice mit einem Tagegeld von 50 Euro in Pflegestufe III, kostet für einen 65 Jahre alten Mann ab 70 Euro aufwärts im Monat (Frau: ab 90 Euro).

Bei Zahnersatzpolicen wird der aktuelle Zahnstatus in die Tarifberechnung mit einbezogen. Bisweilen gelten Wartezeiten beziehungsweise Staffelungen der Leistungen in den ersten Jahren.

Haftpflichtversicherung:

Die private Haftpflichtversicherung bleibt in jedem Alter ein Muss. Man haftet unabhängig vom Alter für Personen- oder Sachgüterschäden in voller Höhe. Im Ernstfall kann die gesamte private Altersvorsorge draufgehen.

Die Versicherer bieten spezielle Senioren-Tarife an: Ein 65 Jahre altes Ehepaar zahlt ab 40 Euro im Jahr für eine Police. Die Police sollte Tätigkeiten wie ein Ehrenamt absichern.

Sterbegeld:

Sterbegeldversicherungen stehen auf der Beliebtheitsskala ganz oben, obwohl man auf sie verzichten kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Produkts, das die Bestattungskosten finanzieren soll, stimmt nicht. Zu hohe Beiträge stehen einer zu geringen Rendite gegenüber. „Eine klassische Geldanlage ist wesentlich rentabler“, rät Heyer.  (Von Anette Jäger)

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