Parodontitis entsteht in Teamarbeit

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Parodontitis entsteht aus dem Zusammenspiel einer Vielzahl von Mikroorganismen in der Mundhöhle.

Bielefeld - Im menschlichen Mund leben bis zu 700 verschiedene Bakterien. Parodontitis entsteht aus dem Zusammenspiel einer Vielzahl von Mikroorganismen in der Mundhöhle.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universitäten Münster und Bielefeld. Demnach sind nicht einzelne Bakterienstämme für die Entzündung des Zahnhalteapparates, die häufig mit Knochenabbau und Zahnausfall einhergeht, verantwortlich. Die detaillierten Studienergebnisse werden aktuell in der Online-Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht.

Die neue Erkenntnis könnte zu völlig neuen Therapieansätzen führen, sagen die Forscher voraus. Bisher würden nur einige wenige Bakterienarten untersucht. Zur Behandlung reinige der Zahnarzt dann üblicherweise die Zahntaschen, um bakterielle Beläge zu entfernen. Häufig würden zusätzlich Antibiotika verschrieben, obwohl unklar sei, wie effektiv diese wirkten.

Der Zahn: Von Krone bis Wurzel

Der Zahn: Von Krone bis Wurzel Das Gebiss eines Erwachsenen besteht aus 32 Zähnen. Jeder besteht aus der Krone, dem Hals und einer Wurzel, die fest im Knochen eingewachsen ist. Das Zahnfleisch wächst in den Zahn und bildet eine Bakterienbremse. © obs/blend-a-med
Von Mark bis Schmelz Von innen nach außen gibt es folgende Schichten: das von Gefäßen und Nerven durchzogene Mark, das Zahnbein und den Schmelz aus Hydroxylapatit und Fluorid als Schutzschild. © obs
Knochen Der Kieferknochen dient als Verankerung für die Zähne, er bleibt nur unter ständigem Druck stabil. Fehlt der Druck, weil ein Zahn ausgefallen ist, baut sich die Knochensubstanz ab. © obs
Jedes Jahr gehen in Deutschland 14 Millionen Zähne verloren. Zahnkiller Nummer eins ist die Paradontitis. Die Zahnfleischentzündung hat Karies vom ersten Platz verdrängt. © Obs/Oral B
Zahnerkrankungen: Karies ist die häufigste Infektionskrankheit des Menschen, nur ein Prozent der Erwachsenen ist kariesfrei. Die Beläge auf den Zähnen produzieren mit dem Zucker aus der Nahrung Säuren, die in den Zahnschmelz eindringen und ihn auflösen. © obs
Pardontitis Die Parodontitis ist eine schwere Entzündung des Zahnfleisches, bei der sich das Gewebe zurückbildet und den Zahnhals nicht mehr fest umschließt. Sie ist die Hauptursache für Zahnverlust. © obs
Plaque & Zahnstein Zahnbelag (Plaque) ist eine bakterielle Ablagerung auf den Zähnen. Bildet er als Kruste eine Verbindung mit dem Zahn, wird er zu Zahnstein. Dieser bakterielle Biofilm muss sorgfältig entfernt werden. © dpa
Implantat: Zahn sitzt auf einer Schraube im Knochen © obs/proDent e.V.

Im menschlichen Mund leben bis zu 700 verschiedene Bakterien. „Parodontitis wird nicht von einzelnen Bakterienarten ausgelöst. Es ist nötig, alle Mikroorganismen im Mundraum zu erfassen und zu beobachten, wie diese Lebensgemeinschaft auf die Behandlung reagiert“, sagt Professor Dag Harmsen von der Universität Münster.

Mit einem neuen automatisierten Analyseverfahren sei es nun möglich, das Erbgut aller im Mund vorkommenden Organismen durch eine DNA-Sequenzierung zu erfassen. „Die größte Schwierigkeit dabei ist es, die großen Datenmengen, die dabei entstehen, sinnvoll auszuwerten“, erklärt Sebastian Jünemann vom Institut für Bioinformatik der Universität Bielefeld.

dapd

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