Wirksam ist nur die Vermeidung

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Prof. Adrian Gillissen vom Klinikum Kassel

Professor Adrian Gillissen vom Klinikum Kassel zum Umgangzu allergischen Reaktionen

Düfte sind schön und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Täglich kommen neue dazu. „Dies betrifft nicht nur Parfüms, sondern viele Alltagsprodukte wie Lösungsmittel in Farben, Düfte von Lebensmitteln, in Kosmetika, in Reinigungsmitteln, Gerbstoffe und Essentien“, sagt Prof. Adrian Gillissen, Direktor der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin im Klinikum Kassel.

Die höchsten Konzentrationen von Duftstoffen und übrigens auch Feinstäuben werden in Innenräumen gemessen. „Somit ergibt sich der erste Tipp, dass es sich gerade im akuten Allergiefall lohnt, die Räume zu lüften, um damit die Allergenkonzentration zu minimieren“, rät Gillissen. In der Heuschnupfensaison würde dies allerdings einem Grasspollenallergiker natürlich nicht helfen.

Symptome einer Unverträglichkeit

Die Unverträglichkeit auf Duftstoffe äußert sich als Kontaktallergie in Form eines allergischen Kontaktekzems auf der Haut oder bei einem Asthmatiker in Form einer plötzlich auftretenden Luftnotattacke. In Deutschland sind zirka 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. Duftstoffe sind nach Nickel (15 Prozent) die zweithäufigsten Auslöser von Kontaktallergien. „Im Einzelfall kann es wegen der unendlichen Fülle an Duftstoffen und deren Kombinationen sehr schwierig bis unmöglich sein, das auslösende Agens mittels eines Epikutantest herauszufiltern“, sagt Gillissen. Der überwiegende Anteil der positiven Befunde wird übrigens durch Isoeugenol  (kommt unter anderem in Muskatnussöl, Gewürznelken und Dill vor) und Eichenmoos (Basisduftstoff der Parfümerie) hervorgerufen.

Deklarationspflicht

Seit dem Frühjahr 2007 können auch alle 26 kennzeichnungspflichtigen, Allergie auslösenden Duftstoffe einzeln getestet werden. „Damit wird die Suche nach dem Auslöser zumindest etwas erleichtert“, sagt Gillissen. Oberstes Gebot bei einer Allergie und wirksamste Maßnahme ist deren Vermeidung, sofern dies geht und sofern man den Duftstoff einigermaßen eingrenzen kann oder im Idealfall kennt. Trotz der Deklarationspflicht für Kosmetika werden lediglich Sammelbezeichnungen „Parfum“, „Fragrance“, „Aroma“ oder „Flavour“ verwendet, die nur Hinweise auf den Zusatz von Duftstoffen sind. „Die Zusammensetzung und die Gehalte der Einzelbestandteile werden nicht deklariert“, erläutert Gillissen.

Ausnahme sind diejenigen mit hohem Allergiepotential. Diese werden mit ihrem INCI-Namen auf der Produktverpackung einzeln genannt. Die Kosmetikrichtlinie schreibt hier eine Deklarationspflicht vor, wenn die Konzentration der bedenklichen Duftstoffe in Produkten, die nicht auf der Haut verbleiben, wie zum Beispiel Duschgele und Shampoos, mehr als 0,01 Prozent beträgt beziehungsweise in Produkten, die auf der Haut verbleiben, wie zum Beispiel Lotionen, Make-up, Sonnencremes und Deos, über 0,001Prozent liegt.

Sensibilisierung bleibt ein Leben lang erhalten

Eine Sensibilisierung gegenüber Kontakt-Allergenen bleibt in der Regel lebenslang bestehen. Duftstoffallergiker sollten auf jeden Fall Duftkerzen, Räucherstäbchen, beduftetes Spielzeug oder Papier und für Raumbeduftungsprodukte meiden. Duftstoff-Allergiker und Verbraucher mit sensibler und problematischer Haut finden in Drogerien und Apotheken ein Sortiment duftstofffreier Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Weichspüler ohne Duft. Es gibt auch Expertenhilfe, zum Beispiel bei niedergelassenen Allergologen oder es bietet auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. durch sein Beraterteam konkrete Hilfe an. (nh)

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