Projekt HaLT des Kreiskrankenhauses Frankenberg

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Engagieren sich gegen Komatrinken bei Jugendlichen: Nicole Merle, Dr. Joachim Sander, Martin Ochse, Diplom-Sozialpädagogin und HaLT-Fachkraft Silvia Radke, Gabriele Fock, Dr. Elisabeth Pryss und Dr. Katharina Haas (v.l.n.r.).

Immer wieder werden junge Menschen mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Mit dem Präventionsprogramm „Hart am Limit“ (HaLT) möchte die Kreisklinik in Frankenberg  dem Alkoholmissbrauch Jugendlicher aktiv entgegen wirken – und auch die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren.

Dies geschieht im Kreiskrankenhaus Frankenberg Eder  bereits am Krankenbett. Wenn Jugendliche nach übermäßigem Alkoholkonsum wieder nüchtern und ansprechbar sind, wird Ihnen – nach Einwilligung der Eltern – ein Beratungsgespräch mit speziell geschulten HaLT-Fachkräften des Diakonischen Werkes Waldeck-Frankenberg angeboten. Diese sprechen noch vor Ort mit den Betroffenen und versuchen die Ursachen für den Alkoholmissbrauch zu ergründen.

Das Projekt basiert auf zwei Säulen: im Rahmen des „proaktiven“ Bausteins soll der riskante Alkoholkonsum Jugendlicher durch Präventionsarbeit bereits im Vorfeld verhindert werden. Der „reaktive“ Baustein hingegen bietet Betroffenen und Eltern konkrete Hilfe und Beratung an. Insbesondere im zweiten Baustein spielt die Kreisklinik eine zentrale Rolle.

„Denn oft werden die jugendlichen Patienten nach übermäßigem Konsum mit einer Alkoholvergiftung bei uns eingeliefert und behandelt“, erklärt Dr. Thomas Ludolph, Chefarzt der Inneren Medizin am Kreiskrankenhauses Frankenberg. „Die Gefahren einer Alkoholvergiftung werden von den Jugendlichen unterschätzt; die Folgen können tödlich sein“, ergänzt Chefärztin Dr. Elisabeth Pryss. „Deswegen werden betroffene Jugendliche auf der Intensivstation engmaschig überwacht“, so Dr. Pryss, die für alle Überwachungsstationen zuständig ist.

Die Ärzte haben somit den ersten Kontakt zu den Jugendlichen – und so die Möglichkeit sofort zu reagieren, um die jungen Komatrinker vor einer möglichen Suchtkarriere zu bewahren. Dies sind am Kreiskrankenhaus gleichermaßen Jungen und Mädchen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren – wobei eine leichte Tendenz zu männlichen Komatrinkern zu erkennen sei.

Im gesamten Landkreis wurden im vergangenen Jahr 17 so genannte Brückengespräche im Rahmen des HaLT-Projekts geführt; vier davon am Kreiskrankenhaus Frankenberg. „Mit einer Alkoholvergiftung bei uns eingeliefert werden jedoch deutlich mehr Jugendliche“, so Dr. Pryss. „Leider ist nicht bei allen die Bereitschaft für ein Gespräch vorhanden.“ Gerade aus diesem Grund sei die Präventionsarbeit durch HaLT essentiell wichtig.

„Wir möchten den Jugendlichen und ihren Freunden, mit denen in der Regel gemeinsam der Alkohol konsumiert wurde, signalisieren, dass es wichtig ist, einen vernünftigen Umgang mit Alkohol zu erlernen. Das Kreiskrankenhaus ist dabei eine zentrale Schnittstelle“, sagt die Leiterin der Suchtberatung des Diakonischen Werkes Waldeck-Frankenberg, Gabriele Fock. Denn nur indem man die Jugendlichen in der Klinik gezielt anspreche, könne man ergründen, wie es zu einer Alkoholvergiftung kommen konnte und mit den Betroffenen konkrete Handlungsstrategien erarbeiten. „Die Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus ist uns daher sehr wichtig.“

Damit eine Beratung langfristig Erfolg hat, gibt es nach dem ersten Gespräch in der Klinik ein weiteres Treffen zwischen den Betroffenen und den HaLT-Fachkräften. Dort werden nochmals die Ursachen für den Alkoholmissbrauch aufgearbeitet. „Manchmal stellt sich heraus, dass es sich dabei um einen einmaligen Vorfall handelt“, erklärt die Diplompsychologin. „Manchmal ist der Alkoholmissbrauch aber auch „nur“ die Spitze des Eisbergs, sodass wir für die Jugendlichen weitere Hilfsmöglichkeiten anregen müssen.“ Das Bewusstsein in der Öffentlichkeit muss jedoch noch stärker für dieses Thema sensibilisiert werden, sind sich alle Akteure einig.

Initiiert wurde das Projekt vom Landkreis und dem Diakonischen Werk gemeinsam mit den Krankenhäusern in Waldeck-Frankenberg. Es läuft bereits seit 2011 und wurde im vergangenen Jahr noch einmal um zwei Jahre verlängert. Finanziert wird es vom Kreis, den beteiligten Krankenkassen sowie vom Land Hessen. (nh)

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