Auch kleine Veränderungen von Gewohnheiten haben Einfluss auf die Gesundheit

Gesund denken und handeln

Sich im eigenen Körper rundum wohl zu fühlen, ist eines jeden Wunsch. Der Sport- und Präventivmediziner Dr. Peter Kappes, niedergelassen als Arzt in Kronberg im Taunus, und der Autor, Coach und langjährige Zehnkampftrainer Dr. Stephen Wirth  belegen in ihrem Ratgeber „Sich wohl fühlen – gesund denken und handeln“ den Einfluss von Bewegung, Ernährung, Erholung, Kontrolle und Denken auf Gesundheit und Wohlbefinden und geben Tipps, wie jeder selbst hierfür aktiv werden kann - damit es vom bloßen Wunsch zum Streben kommt.

Wir sprachen mit den Gesellschaftern der Kappes & Wirth Gesundheitscoaching GbR über das Buch:

An Ratgebern zur Gesundheit fehlt es ja nun wahrlich nicht. Was ist das Neue an ihrem Buch?

Kappes und Wirth: In der Tat. Eben deshalb fehlt der Überblick. Unser Buch hat drei Anliegen: Erstens stellt es wesentliche Zusammenhänge zwischen den wichtigsten Themen unseres Wohlbefindens her. Bewegung, Ernährung, Er¬holung und die richtigen Kontrollmaßstäbe hängen nämlich sehr stark von unserem Denken und Bewerten ab. Diese Beziehungen arbeiten wir heraus. Zweitens – und dies ist das Neue – zielen wir auf die Wechsel- und Hebel¬wirkungen zwischen diesen Feldern ab. Organisiert man sie richtig, dann haben kleine Maßnahmen auf jedem dieser Felder nämlich eine große posi¬tive Gesamtwirkung. Und drittens möchten wir die Eintrittsschwelle für alle Gesundheitsinteressierten so niedrig und auch so preisgünstig wie möglich halten. Einer voll berufstätigen Mutter, die vielleicht noch dazu allein erzie¬hend ist und die ein schmales Gehalt hat, nutzen Ratschläge recht wenig, dass sie eine Wellness-Kur buchen oder regelmäßig ins Fitness¬studio gehen sollte. Sie hat schlicht und einfach weder die Zeit noch das Geld dazu. Auch mangelt es an Kenntnissen, wie dennoch Abhilfe zu schaffen wäre. Hier setzen wir an.

Könnten Sie ein Beispiel für eine solche Maßnahme geben?

K&W: Gerne, unser Buch führt ja zahlreiche an. Zum Beispiel dieses: Einer unserer Patienten hat durch den Verzicht auf sein abendliches Bier und den täglichen Liter Cola an Werktagen sowie durch drei ausgedehnte Abendspaziergänge in einem halben Jahr über 15 kg abgenommen und damit sein Diabetesproblem ohne Medikamente in den Griff bekommen. Seine gesamte Lebensqualität hat er aus eigener Kraft erheblich gesteigert. Aber selbstverständlich ist die Steigerung unseres Wohlbefindens nicht alleine vom Körpergewicht abhängig.

Wie kann man jemanden am besten motivieren, etwas für seine Gesundheit zu tun?

K&W: bei vielen Menschen besteht schon ein gehöriger Leidensdruck. Wir führen ja einige ebenso ernsthafte wie weit verbreitete Krankheitsbilder in unseren Fallstudien im Buch an. Erklärt man aber die Zusammenhänge zwischen den oben genannten Feldern und gibt Hilfestellung bei der Selbstdiagnose, dann sehen die Menschen plötzlich Möglichkeiten wie es ihnen besser gehen kann und ergreifen diese auch - wenn sie ihnen nicht zu viel abverlangen. Spüren sie dann, dass die Maßnahmen auch zeitnah erfolgreich sind, dann begreifen sie ihren Sinn und halten sich künftig an sie. Das Stichwort lautet also: Nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern Hilfe zur Selbsthilfe geben und Prävention betreiben. Das schafft jeder, der es halbwegs ernsthaft will.

Ihre eigenen Wurzeln liegen ja im Leistungssport, sodass sie eine Menge praktische Erfahrung in der Gestaltung von Trainings- und Betreuungsprozessen haben. Wie wichtig ist Sport in ihrem Konzept?

K&W: In der Tat: Wir sind seit nunmehr über 30 Jahren im „Geschäft“ in Sachen Leistungssport als Arzt wie als Trainer und Berater. Sinnvoll betriebener Sport ist heute einer der wichtigsten Schlüssel zur Gesundheit. Allerdings gilt auch, dass nicht jeder Sport automatisch gesund sein muss. Wenn eine stark übergewichtige Person beispielsweise anfängt zu joggen, schadet sie sich mehr als sie sich nutzt. Hier sollten zunächst andere Maßnahmen ergriffen werden. Da unser Konzept aber auch auf Menschen ausgerichtet ist, für die „Sport“ ein Unwort ist, sollten wir besser allgemein von „Bewegung“ sprechen. Wir bewegen uns heute schlicht zu wenig und häufig noch dazu falsch, obwohl uns die Natur zur Bewegung vorgesehen hat. Hier muss der Hebel ansetzen. Und dafür ist kein Sport und schon gar kein Leistungssport notwendig.

Wie wichtig ist es, dass bereits Kinder Bewegung zu einem selbstverständlichen Teil ihres Alltags ansehen?

K&W: Das ist entscheidend wichtig. Lässt man Kinder Kinder sein, dann laufen, hüpfen, springen, klettern und werfen sie aus purer Lust an der Freude. Sie steigern ihre Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Geschicklich¬keit ohne überhaupt darüber nachzudenken – alles Grundvoraussetzungen, um gesund zu bleiben und sich wohl zu fühlen. Und nun schauen Sie mal, was unter uns Erwachsenen los bzw. nicht los ist. Diese einfachen Dinge gehen immer mehr verloren. Wir sollten uns ihrer besinnen.

Welche Sportarten empfehlen Sie für Kinder? Und wie wichtig sind sportliche und aktive Eltern als Vorbilder?

K&W: Der Schlüssel heißt Vielfalt. Also alle Sportarten und Bewegungsformen, die den Erwerb der eben genannten konditionellen Fähigkeiten stützen. Das muss aber nicht immer organisierter Sport im Verein sein. Ein abenteuerlicher Pfad quer durch den Wald tut’s auch. Die Sache muss halt Spaß machen, interessant sein und ein Gemeinschaftserlebnis fördern. Dann ist die Frage, welcher Sport es sein sollte, zunächst einmal zweitrangig. Kinder finden „ihren“ Sport schon selbst. Natürlich sind sportliche Eltern ein Vorteil. Sie sind aber keine Bedingung, Kinder an den Sport heranzuführen. Wenn Eltern sich hier nur als Antreiber, Animateure oder anstrengende Vorbilder verstehen, erreichen sie rasch das Gegenteil. Also alles mit Augenmaß. Kinder und Jugendliche sollten auch unter sich bleiben können, wenn sie Sport treiben.

Worin liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen für Volkskrankheiten wie Diabetes, Rückenbeschwerden und psychische Erkrankungen?

K&W: Bestehen keine genetisch-organisch bedingten Ursachen für diese Befunde, dann sind die Auslöser zumeist Fehlernährung, Bewegungsmangel, Einseitigkeit und Fehlhaltungen, falsche Ziele - mit einem Wort: falsches Verhalten aus fehlleitendem Denken.

Wie werden diese Erkrankungen in den meisten Fällen behandelt?

K&W: Nur allzu oft leider nicht an der Wurzel des Übels, sondern es wird medikamentös an den Symptomen herumkuriert. Das hat systembedingte Ursachen, deren Darlegung aber hier zu weit führen würde. Wir haben sie ja im Buch beschrieben.

Wie sehen Ihre Empfehlungen für ein ausgewogenes Konzept aus Training, Ernährung- und Stressbewältigung aus?

K&W: Das werden wir im zweiten Band unseres Buches, dem Praxisband, ausführlich in einem 10-Wochenkurs darlegen. Er soll im nächsten Frühjahr erscheinen. Die einzelnen Maßnahmen sind dann exakt aufeinander abgestimmt und verstärken sich in ihrer positiven Wechselwirkung, obgleich sie überall und einfach durchzuführen sind. Wir hoffen hierdurch auch auf eine Anerkennung unseres Programms seitens der Krankenkassen. Individuell abgestimmt sind unsere Angebote an Firmen, die wir entsprechend der Ge¬gebenheiten und Erfordernisse maßschneidern.

Wie kann ich mich auch im hohen Alter noch fit halten?

K&W: Abhängig vom Gesundheitszustand gelten im Alter keine anderen Gesetzmäßigkeiten als für jüngere Menschen – nur eben dem Alter angemessene. Dies ist sehr individuell. Eine sinnvolle Regel lautet auch hier: Mäßig, aber regelmäßig! Sie trifft für die Bewegung ebenso zu wie für eine ausgewogene Ernährung, ebenso wie für die Erholung und Erhaltung der geistigen Frische. Der Kraftzuwachs eines über achtzigjährigen Menschen kann zum Beispiel mit geeigneten Maßnahmen noch um über 300 Prozent gesteigert werden. Von daher ist leicht zu ermessen, wieviel Selbstständigkeit im Alter erhalten werden könnte. Zugleich könnten viele Ängste vermieden werden – etwa vor den Folgen von Stürzen -, Sorgen also, die gerade ältere Menschen immer mehr in die Bewegungslosigkeit und damit auch in eine soziale Isolation drängen. Dies sind Potenziale, die zu selten genutzt werden. Pillen braucht es dafür keine.

Welche positiven Eigenschaften hat regelmäßige Bewegung?

K&W: Alle unsere motorischen Grundeigenschaften verbessern sich, die Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Die Fließeigenschaften unseres Blutes werden besser. Arteriosklerose und ihren gefährlichen Auswirkungen wird vorgebeugt, der Blutdruck sinkt, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenso. Die Blutfettwerte verbessern sich, Haltungsprobleme und deren Auswirkungen werden gemildert oder ganz beseitigt, unsere Abwehrkräfte werden gestärkt, wir schlafen und erholen uns besser – doch brechen wir hier ab, denn diese Positiv-Liste würde gar zu lange werden. Jede Menge Gründe also, um sich einen kleinen Ruck zu geben!

Wie lässt sich Bewegung in den Alltag integrieren?

K&W: Dies legen wir ausführlich in unserem Praxisband dar. Doch auch in Band 1 finden sich zahlreiche Beispiele, die noch dazu Spaß machen. Haben Sie schon einmal ihre morgendlichen Bad- und Frühstücksverrichtungen spiegelverkehrt oder abwechselnd auf einem Bein durchgeführt? Probieren Sie das mal. Sie werden überrascht sein. Es ist eigentlich sehr leicht, aber den meisten fehlt der Anstoß, sich und die Welt auf solche Weise wieder neu zu entdecken und so, ganz nebenbei, noch etwas für ihr Wohlbefinden zu tun.

Welche Erkenntnisse aus dem Leistungssport lassen sich auch auf Freizeitsportler übertragen, was Trainings- und Erholungsphasen angeht?

K&W: Belastungs- und Erholungsphasen müssen in jedem Fall aufeinander abgestimmt sein. Wer sich überfordert, wird krank. Auch die Wahl der Trai¬ningsmittel und –methoden sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben. Eine wichtige Rolle spielt das Erlernen korrekter Bewegungsabläufe – was natür¬lich für einen Freizeitsportler leichter ist als für einen Hochleistungsathleten, der bis zur Perfektion an sich feilen muss. Beide müssen ein Gespür für sich entwickeln, in sich hinein hören, sich intensiv wahrnehmen und auch ernst¬nehmen, was sie fühlen. Und beide sollten sich ihren Humor und ihre Le¬bensfreude bewahren. Was nützt die beste Fitness, wenn sie einen verbies¬terten Zeitgenossen aus uns macht, der sein Leben darüber verpasst, Zehntelsekunden oder Zentimetern hinterherzujagen?

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf unser Wohlbefinden?

K&W: Einen großen! Salopp gesagt: Unser Körper ist eine bewundernswerte Hochleistungs“maschine“. Kippen Sie schlechten Kraftstoff hinein, dann streikt er. Es ist also ratsam, sich ein wenig damit auseinanderzuset¬zen, was uns bekommt und in welcher Menge und Zusammensetzung wir es – natürlich belastungsabhängig - benötigen. Unser Buch gibt ja einige Hinweise zu diesem Thema.

Wie wichtig ist der Umgang mit Stresssituationen für die Gesundheit? Welchen Einfluss hat die seelische Balance auf das Wohlbefinden?

K&W: Positiver Stress, also Herausforderungen, die wir gerne annehmen und dann auch bewältigen können, stärken unser Selbstwertgefühl und Immunsystem. Negativer Stress hingegen verbraucht körperliche wie geistige Ressourcen, und zwar solange, bis wir buchstäblich ausgebrannt sind. Dieses sogenannte Burn-Out als Folge einer beständigen Überforderung, deren Sinn wir nicht akzeptieren, ist heute eine moderne Geißel. Den Wechsel von sinnvoller Beanspruchung zu notwendiger Erho¬lung ausgewogen zu gestalten, ist für die Frage unserer körperlichen wie seelischen Balance entscheidend. In unserer modernen Arbeitswelt wird dieses biologische Prinzip oft negiert, die Folgen sind nicht nur für Betroffene eine persönliche Tragödie, sondern kosten unsere Wirtschaft und Gesellschaft auch Milliarden von Euro durch Ausfall von Arbeitskraft sowie zur Bewältigung der schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Mitarbeiter zur aktiven Prävention zu bewegen, ist heute in den Firmen eine vordringliche Aufgabe und ein weitgehend ungehobenes wirtschaftliches Potential. Studien geben als Faustregel an: Wer einen Euro in präventive Maßnahmen investiert, bekommt wenigstens 2 Euro dafür zurück. Hier möchten wir mithelfen.

Von Sandra Köhler

Peter Kappes, Stephen Wirth: Sich wohl fühlen – gesund denken und handeln, Darmstadt 2014 (ISBN 978-3-00-046038-8, 24,90 €) Gesundheitsliteratur ist steuerlich absetzbar! (www.kw-gesundheitscoaching.de)

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