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Studie zu Rente: Später Eintritt in Ruhestand schadet geistiger Gesundheit

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Von: Judith Braun

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Wer früher in Rente geht, hat meist eine bessere geistige Fitness. Das geht aus einer Studie des RWI Leibniz-Institut hervor.

Mehr Zeit für die Familie haben, endlich den persönlichen Hobbys nachgehen können und etwas für seine Gesundheit tun: So wollen viele Menschen ihren Ruhestand am liebsten verbringen. Schließlich entfallen endlich Stress und manch körperliche Belastung, die einige Berufe zuvor mit sich brachten.

Die jüngste Diskussion über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf beispielsweise 70 Jahre sorgte deshalb für Unmut unter Wirtschaftswissenschaftlern. Forscher haben allerdings festgestellt, dass der Ruhestand selbst der Gesundheit nicht immer zuträglich ist, sondern ihr sogar schaden kann. Besonders die geistige Fitness soll darunter leiden.

Rente: Ruhestand lässt geistig schneller altern

Ein junger Mann und eine ältere Frau sitzen auf einem Sofa und halten ein Tablet in der Hand.
Ob Menschen geistig schneller altern, hängt laut einer Studie des RWI Leibniz-Instituts vom Renteneintrittsalter ab. (Symbolfoto) © Maskot/IMAGO

Die Vorstellung, im Ruhestand das Leben endlich genießen zu können – dieser Traum erfüllt sich für viele Menschen nicht. Für sie bedeutet der Eintritt ins Rentnerleben „einen herben Einschnitt und für ihre Gesundheit ein echtes Risiko“, erklärt Biochemikerin und Wissenschaftsjournalistin Dr. Christine Berndt in einer Videokolumne der Süddeutschen Zeitung. Manche Rentner fühlen sich im Ruhestand plötzlich nutzlos und sehen sich mit dem Gefühl von Einsamkeit, welches seinen Ursprung auch in der Kindheit haben kann, konfrontiert. Denn es fallen nicht nur die Aufgaben des Jobs und die Strukturen im Alltag weg, sondern oftmals auch die sozialen Kontakte.

Laut einer Studie des RWI – Leibniz-Institut wirkt sich der Ruhestand dabei unterschiedlich auf die Gesundheit von Menschen aus. Die Forscher werteten Befragungen von knapp 100.000 Personen aus 18 Industriestaaten aus. Dabei zeigten die Ergebnisse eines Worterinnerungstests jedoch, dass sich der Ruhestand im Schnitt negativ auf die kognitiven Fähigkeiten im Alter auswirkt. Demnach verdoppelt sich der normale kognitive Abbau, der Menschen zwischen 60 und 70 Jahren widerfährt, im Ruhestand noch einmal. Unterschiede zeigten sich allerdings hinsichtlich des Zeitpunkts des Einstiegs in das Rentenleben, also dem Renteneintrittsalter, welches aufgrund von Krankheiten oder einer Behinderung heruntergesetzt werden kann.

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Ruhestand wirkt sich negativ auf Gesundheit aus, wenn später Menschen in Rente gehen

Bei Menschen, die frühmöglichst in Rente gingen, konnten die Wissenschaftler keine signifikanten kognitiven Einbußen feststellen. Anders stellte es sich bei Personen dar, die wie die meisten Arbeitnehmer erst mit 64 oder 65 Jahren in Rente gingen: Sie bauten infolge der Verrentung geistig rascher ab. Sie verloren 20 Prozent ihrer geistigen Fitness, je länger sie mit der Verrentung warteten.

Für die Wissenschaftler könnte dieser Unterschied damit zusammenhängen, dass Menschen, die früher in den Ruhestand gingen und ihn herbeisehnten, privat aktiver sind und meistens auch Hobbys nachgehen. Diese Lebensumstände fördern möglicherweise auch die geistige Fitness und sie erleiden deshalb hier keine Einbußen. Ihre Berufe dürften im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern weniger herausfordernd und wenig interessant gewesen sein. Bei den meisten Menschen hat der Ruhestand jedoch negative Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten. Sie altern geistig schneller, da ihr Beruf vermutlich für mehr geistige Beanspruchung sorgte. Ob grundsätzlich ein Risiko für Altersdemenz oder Alzheimer vorliegt, kann ein einfacher kognitiver Gedächtnistest zeigen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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