Keine Angst vor Kortison

Wenn Patienten hören, dass sie eine Kortison-Therapie brauchen, haben sie erst einmal Bedenken. Aus der Vergangenheit sind viele Nebenwirkungen bekannt, doch das war meist der Unwissenheit geschuldet.

Die Therapie war noch neu, das Kortison wurde schlichtweg zu hoch dosiert. Heute kennt man viele Kortikoide, die verschiedene Wirkstärken haben und auch sehr differenziert eingesetzt werden. Damit kann man nun bei hervorragender Wirkung die Schwere und Häufigkeit der Nebenwirkungen minimieren.

Trotzdem sind und bleiben Kortikoide stark wirkende Arzneimittel. Erika Fink, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, klärt Patienten über Kortison auf und gibt Einnahme- und Anwendungstipps.

Was ist Kortison?

Kortison ist eigentlich ein körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Es wirkt unter anderem Entzündungen entgegen, hat aber auch Einfluss auf Kreislauf, Stoffwechsel, Blut und Augen. Aufgrund dieser Effekte ist es vielseitig in der Arzneimitteltherapie anwendbar.

Wo wird Kortison eingesetzt und wie?

Asthma: Als Spray wirkt Kortison besonders gut als Entzündungshemmer und zur Erleichterung der Atmung. Es wirkt direkt am Ort der Entzündung, nämlich in den Bronchien und senkt die Schleimproduktion. Durch die lokale Anwendung sind die Nebenwirkungen geringer als bei der Gabe von Tabletten, die nur noch in sehr schweren Fällen verschrieben werden.

Heuschnupfen: Auch hier ist die lokale Anwendung von Vorteil. Als Spray oder Tropfen wird der Wirkstoff direkt auf die Nasenschleimhaut, in die Augen oder die Bronchien gebracht.

Hautkrankheiten: Neurodermitis, Schuppenflechte, Allergien, Ausschläge oder Ekzeme können mit Salben, Cremes, Gelen und Sprays gut behandelt werden.

Rheuma: Bei Rheuma treten starke Entzündungen in den Gelenken auf. Kortikoide lindern die Entzündungen und damit die Schmerzen. Ebenso wird der Krankheitsverlauf verlangsamt. Die Therapie wird mit Tabletten oder Spritzen durchgeführt.

Richtige Einnahme: „Zwischen sechs und acht Uhr morgens produziert der Körper selbst Kortison. In diesem Zeitraum sollten Patienten auch ihre Kortison-Präparate einnehmen. Dann stören sie den Organismus am wenigsten“, rät Erika Fink. Bei Asthmasprays mit Kortison kommt es immer wieder zu Irritationen der Schleimhäute oder Mundsoor. Daher sollten Patienten nach der Anwendung immer den Mund gut ausspülen und sich in der Apotheke zeigen lassen, wie man richtig inhaliert.

Wer aufgrund seines Rheumas oder Asthmas langfristig Kortison einnimmt, sollte zusätzlich Calcium und Vitamin einnehmen, um Osteoporose vorzubeugen. Ebenso kann ein Säureblocker als Schutz für den Magen sinnvoll sein. Nebenwirkungen „Bei einmaliger oder kurzer Anwendung sind selbst hohe Kortisondosen unproblematisch“, beruhigt Erika Fink.

Je länger die Anwendung aber dauert und je höher die Dosen sind, desto mehr steigt auch die Gefahr für Nebenwirkungen. Bei lokalen Anwendungen treten die Nebenwirkungen nur an den Anwendungsstellen auf, bei Tabletten oder Spritzen am ganzen Körper. Die Haut kann zum Beispiel sehr dünn und pergamentartig werden, rote Äderchen oder akneartige Knötchen bekommen.

Bei Augen- und Nasentropfen können sich Veränderungen an den Schleimhäuten bilden. Bei Tabletteneinnahme oder Spritzen können zum Beispiel Gewichtszunahmen, Osteoporose oder Magenreizungen entstehen. Aufgrund dieser Nebenwirkungen ist es wichtig, dass das richtige Kortison und die korrekte Dosis individuell für den Patienten gefunden werden.

Wer unter Nebenwirkungen leidet, sollte nicht die Therapie abbrechen, sondern seinen Arzt konsultieren. Durch die zusätzliche Gabe von Kortison schränkt der Körper nämlich seine eigene Produktion ein. Wird die Zufuhr plötzlich unterbrochen, kann es zum Teil lebensbedrohlich werden. Daher sollte eine Therapie immer schleichend nach und nach beendet werden. (www.apothekerkammer.de/nh)

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