Große Last auf kleinen Schultern

Schmerzen am Rückgrat treten meist im hohen Alter auf. Doch auch das Kreuz von Kindern ist nicht vor Belastungen gefeit. Rund 60 Prozent aller unter 18-Jährigen leiden bereits an Haltungsschwächen. Besonders in der Schulzeit kommen viele Risikofaktoren auf den kleinen Rücken zu.

„Lange Sitzphasen, mangelnde Bewegung und schwere Tornister wirken sich negativ auf die Wirbelsäule aus, wodurch es zu nachhaltigen Schäden kommen kann“, warnt der Neurochirurg  Munther Sabarini. Denn: Laut aktuellen Erkenntnissen des Europäischen Orthopädiekongresses EFORT besitzen Menschen, die schon in jungen Jahren Kreuzbeschwerden aufwiesen, auch als Erwachsener ein erhöhtes Rückenschmerzrisiko. Mit ausreichend sportlicher Betätigung sowie ergonomischem Schreibtischplatz und Schulranzen lässt sich das Risiko allerdings gezielt senken. Der Experte gibt Eltern Tipps, was sie im Alltag ihrer Schützlinge beachten müssen.

Kippeln erlaubt – Zappelphilippe schonen ihre Bandscheiben

Bereits ab dem vierten Lebensjahr beinhalten unsere Bandscheiben keine eigenen Blutgefäße mehr. Von da an bekommen sie Nährstoffe über benachbartes Gewebe geliefert. Doch nur bei regelmäßiger Be- und Entlastung, etwa durch abwechselndes Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen, kann dieser Nährstoffaustausch stattfinden. Erschreckend, aber wahr: Grundschüler verbringen bis zu neun Stunden täglich in sitzender Position – auf der Schulbank sowie zu Hause amSchreibtisch, beim Fernsehen oder Computerspielen.

Experten empfehlen Eltern daher, ihr Kind zu sportlicher Aktivität zu animieren und zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule oder zu Freunden zu bringen. „Lässt sich eine längere sitzende Tätigkeit, beispielsweise während der Schulzeit, nicht vermeiden, sollte wenigstens die Sitzposition mehrmals variieren, um eine einseitige Belastung zu verhindern“, betont Sabarini. Oft gegebener Rat, still zu sitzen, ist somit fehl am Platz. 

Fokus auf dem Schreibtischplatz

Oftmals stehen Schulranzen im Verdacht, Hauptursache für Schmerzen im kleinen Kreuz zu sein. Dabei beträgt die Tragezeit von Tornistern am Tag lediglich wenige Minuten. Am Schreibtisch verbringen die ABC-Schützen hingegen mehrere Stunden am Tag, auch nach der Schulzeit für die Erledigung anfallender Hausaufgaben. Bei der Arbeitsplatzausstattung gilt es daher, einige rückenschonende Tipps zu beachten. „Schreibtischstühle sollten sich etwa einfach in der Höhe verstellen lassen und eine bewegliche Sitzfläche aufweisen“, erklärt Munther Sabarini.

Dennoch kann ein eng anliegender und gepolsterter Schulranzen eine rückengesunde Schulzeit unterstützen. „Inklusive Inhalt sollte dieser nicht mehr als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts wiegen“, bemerkt der Rückenexperte. Schmerzen auf den Grund gehen Nicht immer dürfen Eltern und Experten die Ursache von Rückenproblemen jedoch im Bewegungsmangel suchen. „Auch unsere kleinsten Patienten haben ein Recht auf eine sorgfältige Diagnostik“, macht Sabarini klar.

Leiden Kinder an Schmerzen im Rückgrat, gilt es zu beobachten, ob diese sie zu speziellen Zeiten am Tag plagen oder bei bestimmten Tätigkeiten auftreten. Je regelmäßiger und stärker die Probleme auftauchen, desto schneller sollten Eltern mit ihren Schützlingen einen Arzt aufsuchen. „Gründe können dann etwa in Entzündungen oder angeborenen Fehlbildungen der Wirbelsäule liegen, die der Rückenspezialist mit entsprechenden Therapien behandelt“, verdeutlicht der Experte abschließend. (www.avicenna-klinik.de/nh)

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