Wie schädlich sind Kopfbälle beim Fußball für das Gehirn?

Ein Kopfballtor begeistert Spieler wie Fans. Doch freut sich auch das Gehirn des Torschützen? Immerhin sind die auftreffenden Bälle schon mal bis zu 100 Kilometer in der Stunde schnell – und das hat Auswirkungen auf das menschliche Gehirn.

Die Kräfte, die bei einem Kopfball plötzlich auf einen Schädel einwirken, sind enorm hoch. Dr. Dietmar Schäfer, Chefarzt und Neurologie in der Odebornklinik im HELIOS Rehazentrum Bad Berleburg kann aber für gesunde Profi-Fußballer teilweise Entwarnung geben: "Akute Kopfverletzungen beim Fußball sind eher die Folge von Zusammenstößen oder eines Aufpralls auf den Torpfosten. Denn ein anderer Knochen oder das Alu-Profil geben beim Kontakt mit dem Kopf weniger nach als ein Fußball. So wird ein Großteil der Energie schon einmal absorbiert." Der biologische Aufbau des menschlichen Körpers schützt das Gehirn ebenfalls: Das Gehirn ist im Kopf schwimmend gelagert. Die umgebende Wasserschicht dämpft die auftretenden Kräfte.

Drei Faktoren sind jedoch wichtig, um die Gefahr eines Kopfballes richtig einschätzen zu können. Zum einen ist die Krafteinwirkung nur sehr kurz, es sind nur Bruchteile von Sekunden. Zum anderen hat auch die Körperspannung Einfluss auf die Auswirkungen. Hierfür ist eine gut trainierte Nackenmuskulatur entscheidend, über sie verteilt sich die Energie auf den Körper. "Profi-Fußballer köpfen zudem, wenn möglich, mit einem der härtesten Teile des Kopfes: der Stirn", sagt Dr. Schäfer. Wird dagegen die Schläfe getroffen, kann es gefährlich werden. "Von der Ohnmacht bis hin zu schweren Verletzungen ist hier wesentlich mehr Schaden anzurichten. Auch wer während des Spiels bereits eine Gehirnerschütterung erlitten hat, muss extrem vorsichtig sein – das Gehirn ist dann sehr empfindlich. Angeschlagene Spieler gehören deshalb sofort auf die Bank."

An diesen Faktoren wird deutlich, dass sicheres Köpfen vor allem eine Frage des Trainings ist. Amateurkicker sollten Kopfbälle beherrschen und vor allem ihre Nackenmuskulatur trainieren, bevor sie mit vollem Einsatz spielen. Ansonsten ist ein Fußballer bei gelegentlicher Kopfarbeit kaum gefährdet, wenn er mögliche Gehirnerschütterungen nicht ignoriert.

Anders sieht es bei Kindern aus. Ihre Schädelknochen sind noch nicht vollständig entwickelt und daher empfindlicher. Der Deutsche Fußball Bund empfiehlt deshalb, erst mit 13 oder 14 Jahren mit dem Kopfballtraining anzufangen – und dann zunächst mit einem Softball.

Auch wenn man es mit den Kopfbällen nicht übertreiben sollte – über das ein oder andere Kopfballtor während der letzten Europameisterschaft-Spiele freuen sich Mannschaft wie Fans. (nh)

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