Kleines Organ mit großer Wirkung

Die Schilddrüse produziert Hormone, die zentrale Funktionen im Körper beeinflussen. Gerät diese Hormonfabrik ins Wanken, kann der ganze Körper durcheinander kommen. In Deutschland hat jeder Dritte Probleme mit der Schilddrüse – häufig, ohne es zu wissen.

Die Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes und hat die Form eines Schmetterlings. In dieser Drüse entstehen die beiden lebenswichtigen Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die von dort aus ins Blut gelangen. Um die Hormone herzustellen, benötigt die Schilddrüse Eiweiß und Jod; das Jod muss über die Nahrung aufgenommen werden, da der menschliche Körper es nicht selbst herstellen kann.

Die Schilddrüsenhormone steuern zahlreiche Vorgänge im Körper: Über ihre zentrale Wirkung im Gehirn beeinflussen sie etwa Stoffwechsel, Kreislauf, Sauerstoffverbrauch, Wachstum und Psyche. „Wenn die Schilddrüse erkrankt, gerät der ganze Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht“, erklärt Dr. Michael Imhof, Facharzt für Endokrine und Abdominale Chirurgie.

Ursachen und Behandlungsmethoden

Schilddrüsenerkrankungen kommen recht häufig vor. Erzeugt die Drüse etwa zu viele oder zu wenige Hormone, spricht man von einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) können etwa vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen oder Nervosität sein. Hingegen kommt es bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) häufig zu Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit oder Depressionen. Die Ursachen für eine Schilddrüsenüber- oder unterfunktion können vielfältig sein.

Eine Unterfunktion ist in der Regel nicht angeboren, sondern wird etwa durch eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) verursacht. Am häufigsten tritt die chronisch verlaufende Hashimoto-Thyreoiditis auf, bei der bestimmte Zellen des Immunsystems – die Lymphozyten – in die Schilddrüse eindringen und sie zerstören. Eine Überfunktion geht oft mit der Autoimmunkrankheit Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit) oder einer Schilddrüsenautonomie, bei der unkontrolliert Hormone produziert werden, einher.

Sichtbarer Hinweis auf eine mögliche Schilddrüsenerkrankung: ein Kropf am Hals. „Bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden, da nur er eine verlässliche Diagnose vornehmen kann“, rät Dr. Imhof allen Betroffenen. Heutzutage können Schilddrüsenerkrankungen gut behandelt werden. Dabei hängt die Therapie vom jeweiligen Krankheitsbild ab. Kann die Schilddrüse etwa aufgrund von Jodmangel nicht genügend Hormone herstellen, werden spezielle Hormontabletten mit synthetischem Thyroxin eingesetzt, die individuell eingestellt werden.

Zur Behandlung von Erkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow und Schilddrüsenautonomie kann auch ein operativer Eingriff in Frage kommen. Jährlich werden rund 100 000 Menschen an der Schilddrüse operiert; die meisten davon sind Frauen. „Bei Schilddrüsenoperationen werden mittlerweile oft minimalinvasive Techniken – also operative Eingriffe ohne größere Schnitte – eingesetzt“, erklärt Dr. Imhof. „Besonders schonend ist die ABBA-Methode (Axillo-Bilateral- Breast-Approach): Da sie ohne Schnitt am Hals auskommt, bleiben nach der Operation keine Narben zurück.“

Erkrankungen vorbeugen

Da Schilddrüsenerkrankungen erblich bedingt sein können, kann eine Vorsorgeuntersuchung sinnvoll sein, wenn in der Familie schon Krankheitsfälle bekannt sind. „Um einer jodmangelbedingten Erkrankung der Schilddrüse vorzubeugen, sollte auf eine ausreichende Versorgung mit diesem Spurenelement geachtet werden“, betont Dr. Imhof. Der tägliche Bedarf an Jod hängt von verschiedenen Faktoren, etwa dem Alter, ab. Bei Jugendlichen und Erwachsenen liegt die empfohlene Menge bei 180 bis 200 Mikrogramm pro Tag. Jodlieferant Nummer eins in Deutschland ist Jodsalz. Doch auch in vielen anderen Lebensmitteln kommt Jod vor – von Salzwasserfischen und anderen Meerestieren bis hin zu Milch und Milchprodukten. (Atos Klinik/nh)

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