Gesundheit

Schilddrüse: Überfunktion oder Unterfunktion? Bei welchen Symptomen Sie reagieren sollten

Die Schilddrüse ist eine wichtige Schaltzentrale im Körper. Wie wichtig, merkt man häufig erst, wenn sie nicht mehr richtig arbeitet. Bei einigen Symptomen sollten Sie wachsam sein.

Frankfurt – Dauernde Müdigkeit, ewiges Frieren oder Gewichtszunahme ohne viel zu essen sind Symptome, die viele Erwachsene kennen. Oft allerdings ohne zu wissen, woher es kommt. Eine mögliche Ursache könnte eine Fehlfunktion der Schilddrüse sein. Denn das kleine, schmetterlingsförmige Organ am vorderen Hals kann im Körper für gewaltiges Chaos sorgen. Die Schilddrüse ist eine Hormondrüse, die vor allem die zwei wichtigen Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyranin (T3) produziert. Damit nimmt sie eine wichtige Steuerungsfunktion im Körper ein.

Die Hormone T4 und T3 haben einen entscheidenden Einfluss auf den gesamten Organismus, unter anderem auf die Herzaktivität und den Blutdruck, das Körpergewicht, die Cholesterinwerte, die Verdauung, die Muskelkraft und sogar auf die Psyche. Schüttet die Schilddrüse zu viele oder zu wenige Hormone aus, kann es dementsprechend zu den unterschiedlichsten Problemen kommen.

Die Schilddrüse wird für gewöhnlich per Ultraschall untersucht. Auch Blutwerte werden gemessen.

Schilddrüse: Welche Erkrankungen gibt es?

So komplex wie die Aufgabe der Schilddrüse ist, so vielfältig sind auch die möglichen Erkrankungen, die das Organ betreffen können. Schilddrüsenerkrankungen sind sehr häufig: Etwa jede:r dritte Erwachsene hat im Laufe des Lebens mindestens eine krankhafte Störung der Schilddrüse, wie Professor Dr. Hans Udo Zieren auf der Aufklärungsplattform des Deutschen Schilddrüsenzentrums erklärt. Professor Zieren ist Leiter der chirurgischen Klinik im St. Agatha Krankenhaus in Köln und Gründer der Plattform „Deutsches Schilddrüsenzentrum“.

Grundsätzlich unterscheidet die Medizin bei Schilddrüsenerkrankungen zwischen hormonellen Fehlfunktionen und Veränderungen am Organ selbst. Häufig überschneiden sich die Krankheitsbilder auch. Doch Professor Zieren betont, dass beide voneinander unabhängig sind. Eine normal große und knotenfreie Schilddrüse kann genauso an einer Über- oder Unterfunktion leiden, wie eine äußerlich veränderte Schilddrüse völlig normale Werte im Blut erzeugen kann.

Die häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse:

  • Schilddrüsenunterfunktion: Dem Körper stehen zu wenige Schilddrüsenhormone zur Verfügung
  • Schilddrüsenüberfunktion: Eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen
  • Struma (Kropf): Eine krankhaft vergrößerte Schilddrüse, teilweise mit Knotenbildung
  • Morbus Basedow (Autoimmunerkrankung): Der Körper bildet Antikörper gegen Teile der Schilddrüse – in der Folge kommt es häufig zu einer Struma oder Schilddrüsenüberfunktion
  • Hashimoto-Thyreoiditis: Entzündung der Schilddrüse – tritt häufig im Rahmen von Autoimmunerkrankungen auf und kann zu einer Über- und später Unterfunktion des Organs führen
  • Schilddrüsenkrebs: Vergleichsweise selten – deutlich weniger als ein Prozent aller Schilddrüsenknoten sind bösartig

Schilddrüse: Was sind die häufigsten Ursachen für Fehlfunktionen?

Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann auf verschiedene Ursachen und Krankheiten zurückgeführt werden, wie die Apotheken-Umschau berichtet. Beide Arten von Fehlfunktionen sind nur in seltenen Fällen angeboren. Häufiger sind andere Krankheitsbilder wie Schilddrüsenentzündungen und Autoimmunkrankheiten ursächlich, die das Gewebe schädigen. Die wichtigste und häufigste Ursache ist allerdings der schleichende Jod-Mangel.

Jod-Mangel häufige Ursache von Problemen mit der Schilddrüse

Der wichtigste Baustein für die Produktion der Schilddrüsenhormone ist Jod. In der Folge einer zu hohen Jod-Zufuhr kann es dementsprechend zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen, bei einem Jod-Mangel im Umkehrschluss zu einer Unterfunktion. Grundsätzlich ist Jod-Mangel die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion, oder auch für andere ursächliche Krankheiten. So kann er beispielsweise auch zu einer Schilddrüsenautonomie, also einer Form der Schilddrüsenüberfunktion, führen, bei der nicht mehr die Hirnandrangdrüse die Hormonproduktion im Organ steuert, sondern die Schilddrüse selbst.

Professor Zieren vom Deutschen Schilddrüsenzentrum erklärt, dass die Ernährung bei der richtigen Jod-Zufuhr eine entscheidende Rolle einnimmt. Denn der menschliche Körper kann das Spurenelement nicht selbst produzieren und auch nur begrenzt speichern. Neben Jod sind außerdem Zink und Selen wichtige Mineralstoffe für die Schilddrüse.

Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion

Die Symptome für eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse sind vielfältig. Hinzu kommt, dass sie häufig nicht leicht von Symptomen anderer Krankheitsbilder zu unterscheiden sind. „Typisch Schilddrüse“ gibt es kaum. Dennoch kann es sich bei den folgenden Symptomen lohnen, die Schilddrüse mal durch einen Arzt untersuchen zu lassen:

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Extreme Müdigkeit, übermäßig schnelle ErschöpfungSchlafstörungen
Depressive VerstimmungStimmungsschwankungen bis hin zur Aggressivität
KonzentrationsstörungenNervosität
AntriebsmangelInnere Unruhe
KopfschmerzenErschöpfung und Kraftlosigkeit
Kälteempfindlichkeit, FröstelnVermehrtes Schwitzen
Kühle, trockene HautLeicht feuchte Haut
VerstopfungDurchfall
Zyklusstörungen bei der FrauZyklusstörungen bei der Frau
Stumpfe Haare, HaarausfallHaarausfall
GewichtszunahmeGewichtsverlust
Appetitlosigkeitgesteigerter Appetit
Erhöhte Infektanfälligkeit
Geschwollenes Gesicht, geschwollene Zunge und Augenpartien
Herzrhythmusstörungen
Hoher Blutdruck

Nicht bei jedem, bei dem eine Fehlfunktion der Schilddrüse auftritt, müssen alle Symptome auftreten. Außerdem sind die Symptome nicht immer gleich schwer ausgeprägt. Teilweise sind die Veränderungen an der Schilddrüse auch so gering, dass keine Symptome auftreten. Dann ist in der Regel auch keine Behandlung notwendig.

Jod-Mangel vorbeugen: Diese Lebensmittel helfen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, auf keinen Fall mehr als 500 Mikrogramm Jod am Tag aufzunehmen. Eine normale Ernährung kann diese Menge, so die Einschätzung der Fachleute, allerdings nicht überschreiten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene bis 50 Jahre, circa 200 Mikrogramm Jod pro Tag aufzunehmen. Bei Erwachsenen ab 51 sollten es noch 180 Mikrogramm pro Tag sein und bei Schwangeren sogar 230 Mikrogramm.

Die 200 Mikrogramm pro Tag, die für einen erwachsenen Menschen empfohlen werden, stecken zum Beispiel in 300 Gramm Hering oder 1,6 Kilo Spinat. Das zeigt bereits: Seefische und Meerestiere sind die wichtigsten Jod-Lieferanten. Vorsicht ist dagegen bei Algen und Seetang geboten. Das immer beliebter werdende Superfood enthält teilweise so viel Jod, dass der empfohlene Tagesbedarf schnell überschritten ist.

Nennenswerte Mengen Jod sind außerdem in Milch und Eiern, da kommt es aber auch auf die Fütterung der Tiere an. Beim Gemüse führen grüne Sorten wie Brokkoli und Spinat die Liste an. Spinat ist in Sachen Mineralstoffe und Spurenelemente ein wahrer Alleskönner: Unter anderem ist er ein geeignetes Lebensmittel, um Eisenmangel vorzubeugen*. Neben jodhaltigen Lebensmitteln kann außerdem die Verwendung von jodiertem Speisesalz (Jodsalz) helfen, einem Mangel vorzubeugen.

Jodhaltige Lebensmittel im Überblick

NahrungsmittelJodgehalt auf 100g (Mittelwert in µg)Erforderliche Menge für den Tagesbedarf von 200µg Jod (in g)
Hering66,5300
Krabben34,1600
Milch111820
Hünerei9,72100
Brokkoli 141400
Spinat201600
Quelle: Deutsches Schilddrüsenzentrum
Jod ist ein wichtiger Grundstoff für die Produktion der Schilddrüsenhormone. Neben Fisch ist auch Spinat ein wichtiger Jodlieferant.

Wichtig für die Schilddrüse: Auf jodhaltige Ernährung achten

Insgesamt ist die Jod-Versorgung über Nahrungsmittel in Deutschland noch verbesserungswürdig, wie die Verbraucherzentrale berichtet. Teilweise habe sich die Versorgung sogar verschlechtert. Wenn man bei der Ernährung darauf achtet, regelmäßig jodhaltige Lebensmittel wie Meeresfisch zu essen und bei der Zubereitung regelmäßig Jodsalz zu verwenden, ist eine ausreichende Versorgung trotzdem ohne Nahrungsergänzungsmittel möglich.

Vegetarier:innen und Veganer:innen, die auf tierische Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Milch und Eier verzichten, haben zudem ein noch höheres Risiko für eine Unterversorgung mit Jod. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, in Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin eine zusätzliche Jodzufuhr zu schaffen. (iwe) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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