Schlüssel in eine versunkene Welt

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Blättern im Fotoalbum: Regelmäßiges Auffrischen von Erinnerungen kann einem Menschen mit Demenz helfen, die wichtigsten Momente seines Lebens in Erinnerung zu behalten und dadurch sein Selbstvertrauen zu stärken.

Schuhe im Kühlschrank? Schlüssel im Zahnbecher? Enkel heißen plötzlich wie die Kinder? Menschen, die an Demenz erkrankt sind, benötigen besondere Pflege und vor allem Menschen, die Halt, Trost und Liebe schenken.

Neues System

Die Phönix-Seniorenresidenz Am Teichberg in Wolfhagen nutzt ein Instrument zur Messung und Verbesserung der Lebensqualität, der an Demenz erkrankten Bewohner: den Clipper. Mit diesem System erarbeitet das Team aus den Bereichen Pflege und Soziale Betreuung gemeinsam Vorlieben, Abneigungen sowie die vertrauten und unvertrauten Dinge des Alltags und setzt sie bewusst für den Betroffenen ein.

Türen zum Gedächtnis wieder öffnen

Clipper ist eine Abkürzung, hinter der übersetzt „Cardiffer Lebensstilverbesserungsprofil für Menschen in der Langzeitpflege“ steht. Es ist das Ergebnis der Wohlfühlforschung. Grundlage dieses Instruments ist das sogenannte Türöffnungskonzept. Dieses beschreibt, dass die Begleitung von Menschen mit Demenz wie die Suche nach einem Schlüssel ist, um in ihre versunkene Welt hineinzugelangen. Phönix-Einrichtungsleiter Axel Dietrich ist überzeugt: „Je mehr Schlüssel oder Türöffner wir haben, desto besser. Denn sie helfen uns, mit der Persönlichkeit des Erkrankten Kontakt zu halten.“

Hierfür wird für jeden Bewohner ein individueller Plan (Clipper-Bogen) erstellt, der beispielsweise frühere Hobbys, Beruf, Familiengeschichte und viele kleine Details aus dem früheren Alltag enthält. Denn bei einer schweren Demenz hängt die Lebensqualität des Betroffenen wesentlich von der ihn begleitenden, pflegenden und betreuenden Person ab. Das Pflege- und Betreuungsteam muss versuchen, die individuellen Wünsche zu verstehen oder zu erahnen. Durch die gesammelten biografischen Daten ist dies möglich.

Individuell fördern

So kann es beispielsweise einen früheren Bäckermeister glücklich machen und seine Erinnerungen mobilisieren, wenn man mit ihm backt – auch wenn er selbst nicht darum gebeten hat. Und plötzlich fängt er an zu erzählen, wird munter und entdeckt seine vergessenen Fähigkeiten. „Wir haben schon tolle und für den Bewohner starke Momente in dieser individuellen Erinnerungsarbeit erlebt“, berichtet der Einrichtungsleiter.

Mit dem erstellten Clipper-Bogen kann das Pflege- und Betreuungsteam die Bewohner ganz individuell betreuen und sie durch vielleicht lange vergessene Leidenschaften glücklich machen.

„Wir wenden den Clipper schon seit einigen Jahren an und sind überzeugt, dass der Aufwand sich lohnt und sei es nur für ein kleines Lächeln“, sagt der Wolfhager Einrichtungsleiter. (nh)

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