Ein Schlüssel zur Gesundheit

Meist bemerkt man es selbst, wenn der Schlaf nicht mehr so funktioniert wie früher: Ein- und Durchschlafstörungen sind ein häufiges Symptom. Auch genervte Bettpartner können Hinweise geben, beispielsweise wenn Schnarchen in der Lautstärke eines Presslufthammers und Atempausen auftreten.

Wie ein Kartenhaus

Nicht selten aber spielt sich das Drama um den gestörten Schlaf im Verborgenen ab: Dann wird nicht lauthals geschnarcht, sondern nur leise und unregelmäßig flach geatmet.

In jedem Fall fühlt man sich aber entweder schon direkt nach dem Verlassen des Bettes wie erschlagen oder schleppt sich mit eiserner Willenskraft durch den Arbeitstag, kämpft gegen den Sekundenschlaf, um dann spätestens zum Feierabend wie das sprichwörtliche Kartenhaus zusammenzufallen. Möglicherweise schon vorhandene Erkrankungen geben weitere wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer schlafmedizinisch bedeutsamen Erkrankung. Hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Zuckerstoffwechselstörungen bis hin zum Diabetes mellitus, diätresistentes Übergewicht, depressiv-ängstlich gefärbte Erschöpfungszustände sind häufige Folgen von Störungen und Erkrankungen des Schlaf-Wach-Systems und sollten immer Anlass für eine schlafmedizinische Untersuchung sein. Die Grundlagenforschung der letzten Jahre zeigt eindeutige Zusammenhänge auf, die ein Vorsorgepotenzial von 40 bis 50 Prozent für die genannten Erkrankungen bedeuten, sofern schlafmedizinische Erkrankungen frühzeitig erkannt und therapiert werden.

Erstes und wichtigstes Symptom ist immer die chronische Müdigkeit tagsüber. Bei entsprechendem Verdacht erfolgt die Abklärung im Schlaflabor mittels standardisierter Fragebögen, weitere Untersuchungen bei Spezialisten für Herz- und Lungen- oder Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen können erforderlich sein. Besteht der Verdacht auf Schlafatmungsstörungen und Schnarchen wird dem Patienten ein kleines Untersuchungsgerät mit nachhause gegeben. Ist dann die Diagnose schon klar, erfolgt die dem jeweiligen Ausprägungsgrad der Schlafatmungsstörung entsprechende Therapie.

Zeigt diese Voruntersuchung jedoch aufgrund ihrer technischen Limitierung nur einen geringen oder gar keinen Befund, wird bei entsprechenden Hinweisen aus der Krankengeschichte des Patienten eine wesentlich genauere Untersuchung des Nachtschlafs im Schlaflabor angeschlossen. Um die Treffgenauigkeit dieser aufwändigen polysomnographischen Diagnostik zu erhöhen (es handelt sich um eine sechs- bis achtstündige Mehrkanalableitung des Schlafs) wird im Schlaflabor häufig noch zur Absicherung ein pupillographischer Vigilanztest vorgeschaltet. Dieser ermöglicht es mit hoher Treffsicherheit, kritische Wachheitsdefizite zu objektivieren. „Früher“, so Dr. Gabriele Reichert, „wurden Patienten, wenn das Ergebnis der Schlaf-Voruntersuchung keine schwerwiegenden Befunde zeigte, mit der Empfehlung ihr Körpergewicht zu reduzieren nach Hause geschickt.“ Nicht selten sind die Patienten hieran kläglich gescheitert, zumal nächtlicher Erstickungsstress infolge von Schlafatmungsstörungen eine nahezu unüberwindbare Stoffwechselbremse darstellt. Mit den verfeinerten Methoden der polysomnographischen Untersuchung des Schlafs werden jedoch zunehmend hochgradige Störungen des Schlafs aufgedeckt, die ansonsten übersehen wurden. Bei konsequenter Einhaltung dieser Diagnosestrategie kann die Schlafstörung gemindert werden und eine passgenaue, wirksame Therapie – auch ambulant – ist möglich. (nh)

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