Schluss mit dem Jojo-Effekt: So bleiben Sie schlank

Die Wochen des Verzichts sind vorbei. Und nach der Fastenzeit freuen sich viele über einige Kilogramm weniger. Doch Vorsicht: Wer in die alten Ess-Gewohnheiten zurückfällt, wiegt rasch mehr als zuvor. Ernährungsexperten erklären, wie man das verhindert:

Sieben lange Wochen blieben viele standhaft, sagten Ernährungssünden wie Alkohol und Süßigkeiten den Kampf an. Doch prompt müssen sie jetzt Osterbraten und Schokoeier schwer büßen: Der Zeiger der Waage wandert wieder steil nach oben.

Dass die Zahl der Kilos nach einer Fastenkur so rasch wieder wächst, hat mehrere Gründe. Zum einen braucht jedes Kilo Körpergewicht auch Energie, um versorgt zu werden. Purzeln die Pfunde, verringert sich auch der Energiebedarf – und zwar etwa um 30 Kalorien pro abgenommenem Kilo. Zudem bedient sich der Körper beim Abnehmen nicht nur an den Fettpolstern, sondern leider auch an den Muskeln. „Die gehören aber zu den Hauptenergieverbrauchern des Körpers“, sagt Professorin Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam- Rehbrücke (DIfE) – selbst wenn man sich nicht bewegt.

Der Hauptschuldige für die erneuten Pfunde ist aber der Jojo-Effekt, der keine Erfindung von Fastenversagern ist, die ihre Speckröllchen rechtfertigen wollen. Bekommt der Körper über längere Zeit zu wenig Energie, startet er ein Sparprogramm. Was dabei genau passiert, ist im Einzelnen noch nicht erforscht. Doch fest steht: Der Grundumsatz sinkt. Der Körper braucht also weniger Energie, um die notwendigen Funktionen aufrechtzuerhalten. „Manche Prozesse laufen effizienter ab“, sagt Klaus, die am DIfE die Arbeitsgruppe „Physiologie des Energiestoffwechsels“ leitet. Dass der Körper seinen Verbrauch herunterfährt, können Experten auch messen, mit einem sogenannten Spirometer. Es kann anhand des ausgeatmeten Kohlendioxids den Energieverbrauch errechnen – und genauso, dass er beim Abnehmen sinkt.

Probleme beginnen nach der Diät

Zum Problem wird das erst nach der Fastenkur: Auch wenn der Körper wieder mehr Energie bekommt, schaltet er das Sparprogramm nicht ab. Er benötigt weiterhin weniger Kalorien – und das manchmal noch lange danach. So haben Experten zum Beispiel den Grundumsatz von Menschen untersucht, die Jahre zuvor über längere Zeit gehungert hatten. Noch immer war ihr Grundumsatz nicht auf dem alten Niveau. Wer also à la Hollywood mal fünfzehn Kilo zunimmt, um sie gleich wieder abzuspecken, muss damit rechnen, danach weniger Energie zu benötigen als zuvor – bei demselben Körpergewicht.

Ein Patentrezept gegen den Jojo-Effekt gibt es nicht. Doch hat sich gezeigt, dass sich das Gewicht mit eiweißreicher Kost, etwa Fleisch, Fisch oder fettarmen Milchprodukten, besser halten lässt. Das ist das Ergebnis der Diogenes-Studie, an der das DIfE beteiligt war. Auch grüner Tee hilft nachweislich, weniger Fett zuzulegen. Doch wirkt er scheinbar bei Asiaten besser. „Wahrscheinlich ist der Grund, dass wir hierzulande viel Kaffee trinken“, vermutet Klaus. Das Koffein kurbelt den Stoffwechsel an und überlagert die Wirkung des Tees.

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Wie stark der Körper seinen Grundumsatz herunterregelt, ist sehr unterschiedlich – wie vieles beim Energiestoffwechsel. „Es gibt eine unglaubliche Schwankungsbreite“, sagt Ina Bergheim, Ernährungsexpertin an der Universität Hohenheim. Dennoch gibt es einige Konstanten, wenn man seinem Körper eine Fastenkur verordnet. Zum Beispiel, dass in den ersten Fastentagen die Pfunde rasch purzeln. „Das ist nur Wasser“, heißt es oft. Tatsächlich hat es einen großen Anteil am rapiden Gewichtsverlust. Für magere Zeiten hat der Körper nämlich verschiedene Energiereserven.

Als Erstes greift er auf den gespeicherten Zucker zurück. Er hortet ihn als Glykogen rasch verfügbar in Leber und Muskeln. Etwa 450 Gramm hat ein Mensch davon vorrätig. An jedem Gramm aber ist das Fünffache an Wasser gebunden. Kein Wunder also, dass an den ersten Tagen das Fett zu schmelzen scheint. In Wirklichkeit verliert der Körper aber kaum ein Gramm davon.

Auch füllt der Körper seine Glykogenspeicher rasch wieder auf – und lagert erneut Wasser ein. „Fünf Pfund weniger, in zwei Tagen!“ Auf solche Diät-Versprechen sollte man nicht hören. „Vielleicht, wenn man spontan in ein Abendkleid passen will“, sagt Bergheim. Doch sollte man sich nicht wundern, wenn der Reißverschluss wenige Tage später wieder kneift. Ist der Zucker verbraucht, greift der Körper auf die Fettvorräte, aber auch auf das Eiweiß zurück. Das steckt vor allem in den Muskeln. Experten warnen daher vor zu strengem Fasten. Denn auch der Herzmuskel kann schwer geschädigt werden. „Das kann gefährlich werden“, sagt Bergheim. Um solche Nebenwirkungen zu verhindern, raten Experten zu eiweißhaltiger Fastenkost, etwa speziellen Shakes. „Es gibt Eiweißdrinks, die wissenschaftlich untersucht sind“, sagt Bergheim. Gegen den Jojo-Effekt helfen sie freilich nicht.

Nulldiäten sind tabu

Fastet man weiter, beginnt der Hungerstoffwechsel: Vor allem das Gehirn macht sich von Zucker, ohne den es sonst keinen Gedanken fassen kann, unabhängig und lernt, Energie aus anderen Verbindungen zu gewinnen. Denn die Fettsäuren, die der Körper jetzt aus den Zellen löst, kann es nicht verbrennen. Als Alternative dienen sogenannte Ketonkörper, verschiedene Säuren, die in der Leber gebildet werden. Von diesen stammt auch der strenge Mundgeruch, der beim Fasten auftritt. „Ein Geruch wie Nagellackentferner“, beschreibt Bergheim. Doch Vorsicht: Wer unter Gicht leidet, neigt dann zu einem Anfall. Auch Diabetiker oder Nierenkranke sind gefährdet. Für sie kommt nur maßvolles Fasten in Frage. Nulldiäten sind tabu.

Beim Abnehmen schmilzt zuerst vor allem das Bauchfett – eine gute Nachricht. Denn gerade dieses haben Mediziner im Visier, wenn es um die Gefahren von Übergewicht geht. Offenbar sind die Fettzellen, die sich zwischen den Organen ansammeln, wesentlich stoffwechselaktiver als die Fettspeicher an Po oder Oberschenkeln. Sie produzieren Hormone und Stoffe, die Entzündungen fördern. Eine Folge: Übergewichtige erkranken öfter an Arteriosklerose und in der Folge an Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch die Gefahr für Diabetes Typ 2 ist deutlich erhöht. Um zu prüfen, ob man gefährdet ist, gibt es grobe Richtwerte: Bei Frauen geht man ab einem Taillenumfang von 80 Zentimetern von einem erhöhten Risiko aus, bei Männern ab 94 Zentimetern. Deutlich größer wird die Gefahr für Folgeerkrankungen bei Frauen ab einem Taillenumfang von 88 Zentimetern und bei Männern ab 102 Zentimetern. Eine Rolle spielen aber natürlich auch Größe, Körperbau, Muskelmasse – und vor allem, wie viel sich jemand bewegt. Wie viel Bauchfett tatsächlich gespeichert ist, kann man außerdem nur im Magnetresonanztomografen feststellen.

Doch so viel Fett man auch abspeckt: „Die Zahl der Fettzellen verringert man dabei nicht“, sagt Klaus. Eine Studie dazu hat ein internationales Forscherteam 2008 in dem Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht. Demnach sterben zwar ständig Fettzellen ab, doch werden sie durch neue ersetzt. Die Gesamtzahl ist bereits in der Kindheit festgelegt.

Liegen die Fettzellen also nach einer Diät auf der Lauer, um sich gierig wieder vollzusaugen? Das wohl nicht. Zwar gibt es Hinweise, dass der Körper immer wieder ein bestimmtes Gewicht anstrebt. Doch spielen dabei viele Faktoren eine Rolle, wie etwa die Hungerhormone Leptin und Ghrelin. Was die Zahl der Fettzellen für einen dauerhaften Diät-Erfolg bedeutet, ist indes unklar. Fest steht: Einen großen Einfluss, ob jemand lebenslang zu Übergewicht neigt, hat offenbar die Ernährung in der Kindheit. Wer in dieser Zeit mehr Fettzellen bildet, wird das Übergewicht so leicht nicht mehr los. Aus dicken Kindern werden allzu oft adipöse, also krankhaft fettsüchtige Erwachsene. Das heißt aber auch: Hat sich in Jahren Pfund um Pfund angesammelt, ist die Zahl der Fettzellen nicht gestiegen. Dick macht zudem nicht die Zahl der Fettzellen, sondern ihre Füllung. Und die kann auf das 200-Fache anwachsen.

Schlüssel zum Schlanksein gibt es nicht

So kompliziert der Stoffwechsel des Körpers sein mag, das Rezept, um schlank zu bleiben, ist schlicht: Aufgenommene und verbrauchte Energie müssen sich die Waage halten. Der Weg dorthin führt über kalorienreduzierte Ernährung und viel Bewegung. Wundermittel gibt es nicht – auch wenn Ernährungspäpste vorgeben, den Schlüssel zum Schlanksein gefunden zu haben. Ob „Metabolic Balance“ oder „Glyx- Prinzip“, „Trennkost“ oder „Low Carb“. Wunder wirkt nach neuesten Forschungen keine dieser Ernährungsmethoden. Eine Studie zeigt: Ob die Teilnehmer weniger Kohlenhydrate essen oder weniger Eiweiß und Fett – am Ende entscheidet nur die aufgenommene Menge an Kalorien, wie viel Gewicht sie verlieren. „Letztlich kommt es nur darauf an, womit sich auf Dauer leben lässt“, sagt Klaus. Doch kaum etwas lässt sich schwerer ändern als Gewohnheiten. Ihre Kollegin Ina Bergheim rät daher: „Wer nach einer Diät sein Gewicht halten möchte, sollte sich für eine Verhaltenstherapie entscheiden.

Sonja Gibis

Rubriklistenbild: © dpa

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