Neuer Seniorenrat in Witzenhausen (mit Kommentar)

Die Mitglieder der Senioren-Arbeitsgruppe im Publikum konnten zu später Stunde frohlocken. Denn am Ende einer Debatte im Stadtparlament hatte sich die SPD mit Unterstützung von Bündnis 90/Die Grünen mit ihrer Forderung durchgesetzt, dem neuen Seniorenrat Rede- und Antragsrecht in den Ausschüssen einzuräumen.

Dafür hatten sich insbesondere die SPD-Sprecher Harald Ludwig und Otto Baumann eingesetzt. Wer Senioren zur Mitarbeit motivieren wolle, müsse ihnen auch Rechte gewähren. Baumann sagte, man dürfe keine Angst davor haben, mehr Demokratie zu wagen und spielte damit auf einen Ausspruch des früheren SPD-Vorsitzenden Willy Brandt an.

Die CDU war mit der Gewährung des Antragsrechts nicht glücklich. Der Seniorenrat könne Wünsche und Forderungen über die Fraktionen einbringen. Folge man dem Beispiel, müsse man auch dem Jugendrat Antrags- und Rederecht einräumen, so CDU-Sprecher Andreas Gerstenberg.Gleichwohl begrüßten die Christdemokraten, wie auch Grüne und FWG, das Projekt der Seniorenbeteiligung.

Fast einstimmig verabschiedete das Parlament die Satzung des Seniorenrates, der in einer Seniorenvollversammlung gewählt werden soll. Das Gremium ist an das Lokale Bündnis für Familie angebunden und wird über einen Etat von 4000 Euro verfügen. Zunächst waren nur tausend Euro vorgesehen.

• Der Seniorenrat vertritt die Interessen der rund 3500 Einwohner im Alter ab 60 Jahren. Das ist ein Viertel der Bevölkerung. Der Anteil der Senioren wird sich bis zum Jahr 2032 auf ein Drittel erhöhen.

• Der Seniorenrat wirkt bei kommunalen Planungen und bei der Schaffung von altersgerechtem Wohnraum mit. Er soll gehört werden, wenn es um die Preis- bzw. Tarifgestaltung von öffentlichen Einrichtungen und Leistungen geht.

• Der Seniorenbeirat legt der Stadtverordnetenversammlung einmal pro Jahr einen Tätigkeitsbericht vor. Gewählt werden soll das Gremium auf drei Jahre.

Gebildet wird der Seniorenrat durch eine offene Versammlung, die im Laufe des Monats November stattfinden soll. Denn schon ab 1. November gilt die am Dienstagabend vom Parlament verabschiedete Satzung. (wke)

Kommentar: Werner Keller über den neuen Seniorenrat

Der neu eingerichtete Seniorenrat soll bei einer offenen Versammlung gewählt werden. Theoretisch könnten 3500 Einwohner zur Wahl gehen - denn so viele sind über 60 Jahre alt.

So viele werden sicher nicht kommen, sondern eine überschaubare Gruppe Interessierter. Einen Urnengang nach dem Vorbild der Kommunalwahl aufzuziehen, das wäre ein riesiger Verwaltungsaufwand geworden.

Deshalb ist die Wahl per Versammlung der praktikablere Weg: Wer nicht kommt, ist selber schuld und darf hinterher nicht meckern. Eine Ausweiskontrolle am Eingang ist nicht beabsichtigt, heißt es im Rathaus.

Mit dem Seniorenrat beschreitet Witzenhausen Neuland, in Eschwege gibt es ein Seniorenforum mit anderer Aufgabenstellung. Man muss mal etwas wagen, um Herausforderungen der Zukunft anzugehen. Wie sagte der Stadtverordnete Otto Baumann: Demografischer Wandel? Falsch. Demografische Katastrophe sei richtiger. wke@hna.de

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