Seniorinnen mit künstlicher Hüfte wagen Breakdance

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Künstliches Hüftgelenk und Breakdance: Seit einem Jahr lassen sich deutsche Rentnerinnen von jungen Leuten mit Migrationshintergrund in Wolfenbüttel im Breakdance ausbilden - und alle haben ihren Spaß.

Mit Gesundheitssandalen wippen sie den Hiphop-Takt, die Jüngsten sind 67 Jahre alt, die Älteste 80 Jahre - ihr Hobby: Breakdance. Trotz künstlicher Hüften und Knie, einmal in der Woche legen die alten Damen aus Wolfenbüttel los: „Wir sind nicht mehr so schnell und legen viele Pausen ein“, gesteht die 75-jährige Ursula Lattke. Spaß aber haben die Seniorinnen. Trainiert werden sie von Besnik Salihi, einem jungen Breakdance-Lehrern mit Migrationshintergrund.

Das Projekt weckt auch außerhalb der Stadt Interesse: Die Ladies und ihre Trainer wurden bereits mit Auszeichnungen gewürdigt. „Anfangs waren wir alle skeptisch, aber Tanz ist Tanz, egal wie alt man ist“, sagt Besnik Salihi. Der 20-Jährige ist ausgebildeter Streetdance-Lehrer und leitet das Training. Footworks, Freezes, Powermoves oder andere wagemutige Figuren stehen allerdings nicht auf dem Programm der Seniorinnen. „Die Beine kreuzen, nach vorn und nach hinten gehen - damit kann man schon einiges machen“, erläutert Besnik. Er kommt aus dem Kosovo, ist aber im Kreis Wolfenbüttel aufgewachsen. Gemeinsam mit der aus Kirgistan stammenden Christina Beckers, dem Türken Senol Seferi und den Kosovo-Albanern Sezes Kücük und Halil Gashi begeistert er Woche für Woche die Frauen.

Immer dabei ist die 80-jährige Lucie Sonnemann. Sie hat den halben Rücken im Gips und muss einen Rollator benutzen. Doch selbst, wenn sie nicht mehr mit auf der Tanzfläche steht, so sitzt sie doch daneben und klatscht im Takt: „Zuhause habe ich auch eine CD mit der Musik, ich halte mich dann am Tisch fest und mache die Schritte“, sagt die fröhliche Frau. Ingeborg Behrens, 77 Jahre alt, erinnert sich an die ersten Begegnungen mit den Breakdancern: „Wir haben uns langsam aneinander herangetastet.“ Im normalen Alltag hätten die Senioren mit diesen Jugendlichen wenig Berührungspunkte.

Treffpunkt für die Gruppen ist die Freiwilligen Agentur in Wolfenbüttel. Senol musste dort wegen wiederholten Schulschwänzens Arbeitsstunden ableisten. Seinen Breakdance-Freunden vermittelte er dort später Übungsräume. Als dann vor einem Jahr die Gruppenleiterin für Seniorentanz ausfiel, führte Astrid Hunke-Eggeling, Leiterin der Einrichtung, beide Gruppen zusammen: „Das ist viel mehr als Tanz - unterschiedliche Kulturen und Altersgruppen können sich austauschen“, sagt die 52-Jährige. Dafür gab es denn auch schon eine Reihe von Auszeichnungen. Und im November treten die tanzfreudigen Damen mit ihren jugendlichen Trainern sowohl in der ARD als auch im ZDF auf. (dpa)

Von Anita Pöhlig

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