Krankhafte Lust

Wie Sexsüchtige unter dem Zwang nach Befriedigung leiden

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Sex ist ein wichtiger Teil einer erfüllten Partnerschaft. Doch wird Sexualität zwanghaft, gerät das Leben aus den Fugen.

Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Für manche Menschen wird Sex jedoch zum Zwang. Doch es gibt Wege aus der Sexsucht.

Man sagt, es sei die schönste Nebensache der Welt: Die Rede ist von Sex. Sex macht nicht nur Spaß, sondern tut auch der Seele gut. Er ist Ausdruck tiefer Verbundenheit mit dem Partner, er entspannt, sorgt für innere Ausgeglichenheit und Zufriedenheit und trägt zu einer erfüllten Partnerschaft bei.

Doch für manche Menschen kann Sex auch zum Problem werden, zum Zwang. Und dies kann mitunter schwerwiegende Folgen sowohl für das Privat-, als auch das Berufsleben der Betroffenen haben. 

Mehr Männer als Frauen betroffen 

Wie viele Sexsüchtige es in Deutschland gibt, darüber gibt es keine genauen Zahlen. Tatsache ist, dass mehr Männer betroffen sind als Frauen. Wer unter Sexsucht leidet, hat im Grunde permanent das Verlangen nach sexueller Befriedigung – was in der Partnerschaft nicht selten zu Problemen führt.

Um ihrem Verlangen nachzukommen, konsumieren Sexsüchtige häufig mehrere Stunden am Tag Pornos, befriedigen sich oft selbst und wechseln häufig ihre Partner. Da sie dauernd auf der Suche nach dem nächsten Kick sind, vernachlässigen sie ihren Job und ihr Privatleben. Alles dreht sich nur noch um die eine Sache – das Leben gerät völlig außer Kontrolle. Dies kann so weit gehen, dass sich Sexsüchtige immer mehr ihrem sozialen Umfeld entziehen, was mit der Zeit in die Vereinsamung und Isolation führt. 

Sex soll negative Emotionen verdrängen 

Betrachtet man die Symptomatik, liegt ein Vergleich mit anderen Suchterkrankungen wie Alkohol- oder Drogensucht nahe: Weil in ihrem eigenen Leben etwas fehlt, weil sie Kummer und Stress haben, sich missverstanden und alleine fühlen, versuchen die Betroffenen zwanghaft, die Leere in sich zu kompensieren. Wie der Alkohol bei der Trinksucht, dient der Sex als Belohnung, er soll die innere Traurigkeit verdrängen, Misserfolge im Beruf für einen Moment vergessen lassen.

Der Sex ist keine intime, erfüllende Handlung mehr, sondern ein Ventil für aufgestaute Probleme. Oft würden die Betroffenen gar keine andere Möglichkeit mehr kennen, mit Konflikten umzugehen, sagen Experten, viele hätten darüber hinaus Probleme damit, echte Intimität und Nähe zuzulassen. Doch wie bei allen Suchterkrankungen sind die schönen Momente nur von kurzer Dauer. Kaum ist das Verlangen befriedigt, kehrt der Zwang nach dem nächsten Kick wieder. 

Die Ursachen sind individuell verschieden 

Weshalb manche Menschen sexsüchtig werden, kann nach Meinung von Sexualmedizinern ganz unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal beruht ein exzessives Sexualverhalten auf einem falsch erlernten Bild von Sexualität, wie es im Internet, im Fernsehen oder in der Werbung propagiert wird, wo Sex jederzeit verfügbar und allgegenwärtig ist.

Aber auch biopsychologische Faktoren könnten eine Rolle bei der Entstehung der Sucht spielen. So haben manche Menschen einen stärkeren Sexualtrieb und sind somit suchtgefährdeter als andere, sagen Experten. 

Keine körperliche Abhängigkeit 

Doch auch wenn sich durchaus Parallelen zu anderen Suchterkrankungen ziehen lassen, definieren Sexualmediziner dieses problematische Verhalten dennoch nicht als Sucht im klassischen Sinne, sondern als Zwangs- oder Impulskontrollstörung und sprechen deswegen auch nicht von „Sexsucht“, sondern von „Hypersexualität“. Im Gegensatz zu sogenannten substanzgebundenen Suchterkrankungen führe Sex nämlich nicht zu körperlichen Entzugserscheinungen und mache deshalb auch nicht abhängig. 

Wie sehr hat einen das Verlangen im Griff? 

Doch woran erkennt man, ob man süchtig ist nach Sex oder ob man einfach nur ein lebendiges Liebesleben pflegt? Eine eindeutige Antwort gibt es darauf nicht. Jedoch müsse nicht gleich eine Störung vorliegen, nur, weil man häufig Lust auf Sex hat, sagen Experten. Ausschlaggebend sei vielmehr, ob man noch das Gefühl habe, sein Verlangen kontrollieren zu können oder ob es wegen des eigenen Sexualverhaltens eventuell bereits zu Problemen im sozialen Umfeld gekommen ist, die man jedoch in Kauf nimmt. 

Eine Verhaltenstherapie kann helfen 

Wer erkennt, dass ihm die Kontrolle über sein Sexualleben entgleitet, sollte sich in jedem Fall professionelle Hilfe suchen. Bei einer Verhaltenstherapie lernen die Betroffenen, ihre zwanghaften Impulse besser zu steuern. Sie erarbeiten sich alternative Wege, um mit Problemen und Stresssituationen umzugehen und lernen auch, dass Sex kein Mittel ist, um negative Gefühle zu verdrängen. Ziel der Therapie ist es, dass die Betroffenen den eigentlichen Wert von Sexualität wiedererkennen und sie als intime und schöne zwischenmenschliche Erfahrung erleben.

Von Franziska Grosswald

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