Silikonkissen: Frauen verängstigt

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Gerissen: Eine Krankenschwester hält in Frankreich ein defektes Silikon-Brustimplantat des Herstellers Poly Implant Prothese (PIP), das einer Patientin von einem plastischen Chirurgen entfernt werden musste.

Viele Frauen, die sich nach einer Krebsoperation oder aus ästhetischen Gründen Brustimplantate einsetzen ließen, sind verunsichert und ängstlich. Allein in Hessen wurden in der vergangenen Woche bislang rund 70 Fälle gemeldet, in denen Frauen möglicherweise gesundheitsgefährdende Silikonkissen erhielten.

In Kassel, so ergab unsere Recherche bei allen infrage kommenden Chirurgen, wurden offenbar keine verdächtigen Brustimplantate der Hersteller PIP und Rofil verwendet.

Täglich jedoch erhält Prof. Dr. Ernst-Magnus Noah, Chefarzt der Klinik für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie am Kasseler Rot-Kreuz-Krankenhaus, Anfragen besorgter Patientinnen. Nach den beunruhigenden Pressemeldungen in den vergangenen Tagen kann er die Aufregung verstehen. So empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte seit dem 6. Januar die vorsorgliche Entfernung aller Brustimplantate der Firmen PIP (Poly Implant Prothese) aus Frankreich und Rofil aus den Niederlanden.

Der Plastische Chirurg rät besorgten Frauen in solchen Fällen, zunächst im Implantat-Pass die Chargen- und Produktionsinfos nachzulesen. „Normalerweise sollte jede Patientin, die ein Implantat erhalten hat, einen Implantatausweis bei ihren medizinischen Unterlagen haben“, sagt Noah. Es komme jedoch auch vor, dass Patientinnen keinen Implantatausweis erhalten haben. Dann sollte man im Zweifelsfall mit dem Operateur oder dem Krankenhaus Kontakt aufnehmen und den Operationsbericht oder eine schriftliche Erklärung anfordern.

Auch das, so weiß Noah, könnte für manche Patientin schwierig sein, denn nicht selten reisen Frauen ins Ausland, zum Beispiel nach Tschechien, um sich die Brust vergrößern zu lassen.

Frauen, die ein PIP- oder Rofil-Implantat tragen oder den Hersteller ihres Implantats nicht kennen, sollten sich an ein Brustzentrum, einen Plastischen Chirurgen oder zunächst an ihren Frauenarzt wenden, empfiehlt Noah, der unter anderem im Vorstand der Vereinigung der Deutschen Ästhetischen Chirurgen aktiv ist. „Alle beteiligten Fachgesellschaften ziehen in dieser Frage an einem Strang“, erläutert der Mediziner.

So werde Frauen mit verdächtigen Implantaten empfohlen, sich zunächst gründlich untersuchen zu lassen. Mithilfe einer Mammografie und Ultraschall, vielleicht auch einer Kernspintomografie (MRT) könne man beurteilen, ob ein Implantat eventuell schon Risse hat. In einem solchen Fall müsse dieses schleunigst entfernt werden, ansonsten sollten potenziell gesundheitsgefährdende Implantate möglichst bald raus.

Von Martina Heise-Thonicke

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