Mädchen sind häufiger betroffen

Skoliose: Das hilft, wenn der Rücken krumm ist und schmerzt

Die Wirbelsäule ist verdreht und führt zu Fehlstellungen: Menschen, die unter Skoliose leiden, haben einen krummen Rücken. Starke Verformungen führen auch zu starken Schmerzen.

Es ist nicht einfach nur ein krummer Rücken: Skoliose. Die oft schmerzhafte Fehlbildung der Wirbelsäule lässt sich therapieren. 

Bei einer Fehlstellung der Wirbelsäule verändert sich deren natürliche Krümmung. Sie führt mitunter zu frühen Abnutzungserscheinungen, zur Überbelastung der Muskulatur und Wirbelgelenke, oft zu einer Verkürzung des Rumpfes, zu einem unübersehbaren Rundrücken, Lungen- und Herzproblemen. „Ein Grund kann Skoliose sein“, sagt Dr. Gerd Rauch - eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule mit Verdrehung der Wirbelkörper.

Spezialist, wenn es um Skoliose geht: Dr. Gerd Rauch ist Orthopäde in Kassel.

Der Kasseler Orthopäde war einer der Ärzte, die im Hermann-Schafft-Haus in der Reihe „Gesundheit im Gespräch“ über das Thema „Ein krummer Rücken – kein Entzücken. Fehlstellungen der Wirbelsäule“ aufklärten.

Ursachen der Skoliose

Etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden an Skoliose, vom geringsten Grad bis zur Schwerstform. „Die Ursachen sind unterschiedlich und in fast 80 bis 90 Prozent der Fälle unbekannt“, erläutert Rauch. Ursächlich können auch angeborene Fehlbildungen der Wirbel, Erkrankungen der Muskel und Wirbel, des Bindegewebes und Stoffwechsels sein.

Mädchen leiden häufiger unter Skoliose als Jungen

Meist bilde sich die Skoliose im Wachstum. „Mädchen sind häufiger betroffen“, sagt Rauch. Je früher sie erkannt wird, umso besser sind die Chancen auf Besserung. Deshalb haben laut Rauch die schulärztlichen Untersuchungen große Bedeutung: „Ein bis drei Prozent der Wirbelsäulenbefunde sind auffällig.“

Welche Behandlung bei Skoliose notwendig ist, hängt unter anderem vom Grad der Verkrümmung ab. Dr. Rafael Sambale, Leiter der Wirbelsäulenorthopädie der Vitos Orthopädische Klinik Kassel, spricht von einem „abgestuften Behandlungskonzept“. 

Skoliose: Korsett und Operation

Je nach Grad der Verkrümmung kommen laut Dr. Sambale zunächst konservative Therapien, Physiotherapie (bis 20 Grad) und eine korrigierende Korsettversorgung (20 bis 40 Grad), zum Einsatz. „Ab einer Verkrümmung von 50 Grad wird operativ behandelt“, sagt Sambale weiter. Das Prinzip des Eingriffs ist die Versteifung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts, „um eine verbesserte Stellung der Wirbelsäule zu erreichen“. Die betroffenen Abschnitte werden mit Metallstäben fixiert und Knochenmaterial verbunden, sodass sie mit den Wirbeln verwachsen.

Hat schon viele Fälle von Skoliose behandelt: Dr. Rafael Sambale ist Leiter der Wirbelsäulenorthopädie der Vitos Orthopädische Klinik in Kassel.

Julie Hofmeister aus Kassel, die vor zwei Jahren die Diagnose Skoliose erhielt, trägt ein Korsett: „18 bis 20 Stunden am Tag.“ Vor allem nachts sei das Tragen wichtig, sagt die 15-Jährige, die für die Skoliose Selbsthilfegruppe Kassel zu Gast war. Denn nachts entspannen sich Körper und Muskulatur - so kann das Korsett am besten wirken.

Das Korsett selbst ist ein medizinisches Hilfsmittel. Es hat nichts mit den Modellen zu tun, die man vielleicht aus der Welt der Mode kennt - es ist auch nicht aus Stoff. In der Regel kommt das Korsett von einem Orthesenhersteller und wird genau auf den Patienten, der es trägt, angepasst. Die Vorlage für das Korsett ist oftmals ein Gipsabdruck des Rumpfes. Mit dem Korsett kann man in der Regel auch Sport treiben, da es aus leichtem Kunststoff ist. Inzwischen gibt es auch Modelle, die mit dem 3D-Drucker hergestellt werden können.

Osteoporose erhöht Risiko für Skoliose

Auch Osteoporose (Knochenschwund) kann Ursache für einen krummen Rücken sein. Typisch für diese Skeletterkrankung ist ein Rundrücken. Laut Rauch sind in Deutschland zwischen sechs und sieben Millionen Menschen betroffen, mehr Frauen als Männer. „Die Gefahr, bei einem Sturz einen Bruch zu erleiden, ist groß“, sagt er.

Der Hauptgrund für Osteoporose, die mittels Knochendichtemessung erkannt wird: Nach den Wechseljahren mangelt es Frauen am Hormon Östrogen, das die Knochen schützt. Bei Männern kann Testosteronmangel dazu führen. Weitere Risikofaktoren im Zusammenhang mit Osteoporose: 

Medikamente, die die Knochendichte verbessern, spielen laut Rauch in der Therapie eine Rolle, ebenso Bewegung und Ernährung. Beides ist auch eine wichtige Säule der Prävention. Starke Knochen brauchen Kalzium: „1000 Milligramm pro Tag“, sagt er. Lieferanten seien beispielsweise Milch, Käse, Joghurt und Mineralwasser mit mindestens 150 Milligramm pro Flasche. Fleisch und Kaffee hingegen seien Kalziumräuber.

Die Videos stammen nicht von hna.de, sondern von der Video-Plattform Glomex.

Auch wichtig zu wissen: Ist der Vitamin-D-Spiegel im Körper zu niedrig, kann nicht genügend Kalzium in den Knochen eingelagert werden. Häufige Ursache ist zu wenig Sonnenlicht. Behoben werden kann dies durch mehr Zeit im Freien oder künstliche Zufuhr.

Dynamisches Sitzen beugt schiefer Haltung und Rückenschmerzen vor

Ein krummer und schiefer Rücken kann viele Ursachen haben: Nicht nur Skoliose oder Osteoporose führen dazu, auch zu wenig Bewegung. „Im Durchschnitt sitzt jeder Deutsche etwa siebeneinhalb Stunden an einem Werktag, zehn Prozent der Deutschen bewegen sich täglich weniger als zehn Minuten“, sagt der Kasseler Orthopäde Dr. Gerd Rauch. Die Folgen: neben einem kranken Rücken auch Übergewicht und hoher Blutdruck

Rauch empfiehlt ausreichend Bewegung im Alltag. Neben Sport zählt dazu auch ein häufiger Wechsel zwischen Sitzen und Stehen. Zudem rät er zu dynamischem Sitzen. Das bedeutet, die Sitzhaltung regelmäßig zu verändern und somit dem monotonen Verharren und Erstarren beim Sitzen konsequent entgegen zu wirken. So kann man beispielsweise kurz nach vorne geneigt sitzen, anschließend aufrecht, dann wieder zurückgelehnt. Auch die Beine sollten unterschiedlich belastet und zwischenzeitlich ausgestreckt werden.

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