Sportunfälle: Von der Piste in den OP-Saal

Knieoperation. Dr. Rolf Raetzer (rechts) operiert mit seinem Team in der Orthopädischen Praxisklinik Baunatal einen Patienten mit einem Kreuzbandriss. Bei dem minimal-invasiven Eingriff kommt der Chirurg mit kleinen Schnitten aus. Dabei wird das gerissene Kreuzband durch einen Teil einer anderen Sehne, meist aus der Oberschenkelinnenseite ersetzt.

Kassel. Es ist schnell passiert: Ski verkantet, Bein verdreht oder Schneebuckel übersehen, und der Spaß auf der Piste nimmt ein schmerzliches Ende. Viele Wintersportler kommen derzeit mit Gehstützen oder Gipsverbänden von ihrem Ausflug in die Berge zurück.

Und auf solche Verletzungen spezialisierte Chirurgen machen Sonderschichten in den Operationssälen. Dr. Rolf Raetzer von der Orthopädischen Gemeinschaftspraxis Baunatal beispielsweise steht in diesen Winterwochen auch samstags am OP-Tisch.

Meist sind es Kreuzbandverletzungen am Knie, die beim Skifahren passiert sind. Aber auch Handbrüche bei Snowboard-Fahrern, Schultergelenksverletzungen und Schlüsselbeinbrüche durch Stürze sind keine Seltenheit.

Viele der Anrufer bei unserer Telefonsprechstunde in dieser Woche berichteten dem Experten aber auch über folgenreiche Stürze auf eisglatten Straßen.

Hier einige Beispiele von Fragen und Antworten:

Anfang Januar habe ich mir bei einem Skiunfall das Kreuzband und das Innenband am Knie gerissen. Der Operationstermin ist aber erst sechs Wochen später angesetzt. Ist das nicht zu spät?

Dr. Rolf Raetzer: Nein, in der Regel wartet man tatsächlich etwa sechs Wochen nach dem Unfallereignis ab, damit das Knie zwischenzeitlich abschwellen und ausheilen kann. So ist der Operationsstress für das Knie nicht so groß und die Gefahr von Verwachsungen geringer. Man kann auch sofort am Unfalltag operieren. Ich empfehle aber, die Heimreise nach Deutschland anzutreten und sich in die Hände des Operateurs seines Vertrauens zu begeben. Die Innenbandverletzung wird durch eine Schiene (Orthese) behandelt. Hier braucht es keine zusätzliche Operation. Die Orthese sollte sollte sechs Wochen Tag und Nacht getragen werden.

Vor Weihnachten bin ich auf der Straße auf Glatteis ausgerutscht und habe mir dabei das Schambein gebrochen. Ich laufe immer noch an Krücken und leide noch unter Schmerzen. Ist das normal?

Raetzer: Es ist leider so, dass Schmerzen noch bis zur zwölften Woche nach dem Unfall anhalten können. Wenn es bei dem Bruch keine großen Verschiebungen gegeben hat, heilen die Knochen wieder von allein zusammen. Dann werden Sie sich auch wieder voll belasten können und ohne Gehstützen auskommen. Erfahrungsgemäß ist davon auszugehen, dass die Zeit der Teilbelastung etwa sechs Wochen beträgt.

Nächste Woche wird mein Kreuzbandriss operiert. Ich habe gehört, dabei wird eine Sehne aus dem Bein entnommen. Braucht man die denn nicht?

Raetzer: In 60 Prozent der Fälle wird für die Kreuzbandplastik zwei Sehnen aus der Oberschenkelinnenseite entnommen. Je nach Operationsmethode benötigt man eine oder zwei Sehnen, die dann entsprechend auf eine Transplantatlänge von neun bis zehn Zentimeter präpariert werden. Natürlich braucht unser Körper diese Sehnen, aber die messbare Instabilität für den Patienten ist vertretbar, sodass diese Sehnen von den meisten Operateuren favorisiert werden

In 30 bis 40 Prozent der Fälle entnehmen Operateure noch die Kniescheibensehne (Patellasehne). Diese Sehnenentnahme birgt aber den Nachteil, dass es hier nach der Operation oft zu anhaltenden Schmerzen beim Treppensteigen, Hinknien und Aufrichten aus der Hocke kommt, da man einen Knochenblock aus der Kniescheibenspitze und des Schienbeinkopfes nehmen muss.

Ich habe vor einigen Jahren eine Knieprothese bekommen. Jetzt habe ich Probleme, weil beim Beugen die Kniescheibe nach außen wandert. Was kann man tun?

Raetzer: Es kann leider mal passieren, dass die Kniescheibe nach der OP eine Außenführung bekommt. Vor allem beim Treppensteigen verspürt man deshalb oft Schmerzen. Gegebenenfalls und wenn der Leidensdruck sehr groß ist, könnte man durch einen kleinen Weichteileingriff versuchen, eine bessere Zentrierung der Kniescheibe in die Mitte zu erreichen.

Ich bin 61 Jahre alt und habe vor allem abends häufig Knieschmerzen. Laut MRT-Untersuchung (Magnet-Resonanz-Tomographie) habe ich eine zunehmende Knorpelabnutzung und einen Innenmeniskusriss. Was soll ich tun?

Raetzer: Zunächst einmal wird versucht, durch konservative Behandlungen die Schmerzsituation zu verbessern. Dazu gehört als erstes Krankengymnastik und zweitens eine physikalische Therapie wie Ultraschall und Iontophorese. An dritter und vierter Stelle könnten Hyaloronsäureinjektionen in das Knie und ein Training der Beinmuskulatur stehen. Erst wenn nach einem viertel oder halben Jahr keine Besserung durch diese konservativen Maßnahmen zu erzielen ist und der Patient über permanente Schmerzen im betroffenen Knie klagt, empfehlen wir die Operation.

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