Parkinson-Therapie: Sprechübungen am Monitor

Bayreuth - Parkinson-Patienten müssen in Spezialkliniken von Fachärzten und Therapeuten versorgt werden. Telemedizin könnte helfen, auch Betroffene aus ländlichen Gebieten entsprechend zu therapieren.

Im Fichtelgebirge ist das Wetter schlecht. Nein, freiwillig gehe da niemand vor die Tür, sagt Jiri Pastera und lächelt. Trotzdem kann der an Parkinson erkrankte Mann aus Nagel (Landkreis Wunsiedel) seine Sprachtherapie absolvieren. Denn Therapeutin Bettina Hoffmann lächelt ihm auf einem Bildschirm entgegen. Via Internet sind sie miteinander verbunden. Nach Erkenntnissen der klinischen Linguistin ist das Bayreuther Bezirkskrankenhaus die erste Klinik in Deutschland, die auf diese Weise Sprachtherapie direkt ins Wohnzimmer der Patienten bringt.

Gerade in den ländlichen Regionen ist das Therapeutennetz sehr dünn gestrickt. Es gibt kaum öffentliche Verkehrsmittel, viele Patienten haben keinen Führerschein mehr. Mit Kameras, Mikrofonen, Bildschirmen und Lautsprecher gebe es die Möglichkeit, eine „wohnortnahe und bedarfsgerechte“ Therapie sicherzustellen, sagt Professor Matthias Keidel, Chefarzt der Klinik für Neurologie.

Nach Worten von Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) hat Bayern bislang mehr als elf Millionen Euro in die Förderung der Telemedizin investiert: „Bayern ist damit seit Jahren in der Telemedizin führend.“ Der Bereich sei „ein wichtiger Teil einer innovativen Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum“.

Gruppentherapien übers Internet

Patienten, die nicht mehr mobil sind, könne man durch die Teletherapie aufwendige Wege in eine Praxis ersparen, betont Mediziner Keidel. Telemedizin, also beispielsweise die Übermittlung von Daten und Befunden via Internet, sei schon weit verbreitet. Hier gehe man aber noch einen Schritt weiter: Patient und Therapeut interagieren direkt miteinander. In naher Zukunft seien vielleicht sogar Gruppentherapien übers Internet möglich. Auch in der Fachwelt gebe es neue Chancen, medizinische und therapeutische Erkenntnisse könnten problemlos über Ländergrenzen hinweg ausgetauscht werden. Keidel ist ein von den Möglichkeiten der Teletherapie und -medizin begeisterter Experte: „Sie sehen, meine Augen glänzen“, sagt er, wenn er über das Thema spricht.

Auch die Augen von Jiri Pastera glänzen. Engagiert übt er mit Bettina Hoffmann nach dem bereits in den USA etablierten Lee-Silverman-Verfahren (LSVT), um seine durch die Krankheit beeinträchtigte Sprachfähigkeit zu verbessern. Bei dieser Teletherapie-Studie arbeitet Hoffmann mit der Uni Erlangen zusammen. Nach einer Therapiephase direkt in der Klinik sieht das Konzept vier Wochen lang wöchentlich vier Einheiten vor - müsste der Patient dazu immer wieder zu Hoffmann ins Krankenhaus kommen, wäre das gerade auf dem Land ein enormer Aufwand. „Die Sprache bei Parkinson verändert sich schleichend. Die Stimme wird leiser, undeutlicher, monotoner“, erläutert Hoffmann. Verbesserungen erreiche man nur über eine hohe Intensität der Therapie. „Ein intensiver Block bringt mehr als eine tröpfchenweise Therapie.“

Die häufigsten Rücken-Irrtümer

Rückenschmerzen kennt fast jeder, sie haben sich mittlerweile zu einer Volkskrankheit entwickelt. So existieren auch diverse Mythen über den Rücken. Hier die häufigsten Rücken-Irrtümer.
Rückenschmerzen kennt fast jeder, sie haben sich mittlerweile zu einer Volkskrankheit entwickelt. So existieren auch diverse Mythen über den Rücken. Hier die häufigsten Rücken-Irrtümer. © Bayer Health Care
Falsch: Harte Matratzen sind besser: Studien zeigen, dass bei Rückenschmerzen mittelharte Schlafunterlagen besser sind. Auf harten Matratzen verspannt sich der Rücken, was die Beschwerden verstärkt. Die Unterlage muss sich an die natürliche Krümmung der Wirbelsäule anpassen.
Falsch: Harte Matratzen sind besser: Studien zeigen, dass bei Rückenschmerzen mittelharte Schlafunterlagen besser sind. Auf harten Matratzen verspannt sich der Rücken, was die Beschwerden verstärkt. Die Unterlage muss sich an die natürliche Krümmung der Wirbelsäule anpassen. © Bayer Health Care
Die 4 häufigsten Rücken-Irrtümer
Richtig: Beim Matratzenkauf kommt es auf das Körpergewicht an und darauf, ob Sie allein oder zu zweit schlafen. Als Faustregel gilt: Geringes Gewicht – weichere Matratze, größeres Gewicht – härtere Matratze. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten. © dpa
Die 4 häufigsten Rücken-Irrtümer
Falsch: Wer schwer hebt, ruiniert sich das Kreuz Schwere Lasten sind nicht automatisch rückenschädlich. Entscheidend ist die richtige Trage- und Hebetechnik. Am Arbeitsplatz können zudem Hilfsmittel wie Tragegurte oder Tischwagen eine gute Unterstützung sein. © dpa
Hocken Rücken Schmerzen
Richtig: rückenschonende Methode zum Anheben ist die Kniebeuge: in die Hocke gehen, den Rücken gerade halten und... © DAK
Bandscheibe Wirbelkörper
...den Gegenstand mit der Muskelkraft aus den Oberschenkeln und dem Gesäß hochstemmen. Die Arme sollten Sie möglichst nah am Körper halten. Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen und Drehungen. © dpa
Die 4 häufigsten Rücken-Irrtümer
Falsch: Wer zu viel sitzt, bekommt automatisch Rückenschmerzen. Richtig: Nur weil jemand viel sitzt bekommt er nicht automatisch Rückenbeschwerden. © dpa
Bandscheibe Wirbelkörper
Schreibtisch-Menschen brauchen lediglich körperlichen Ausgleich und Bewegungspausen, die Sitzposition sollte so oft wie möglich verändert werden. Keilkissen oder ergonomisch geformte Stühle mit beweglicher Rückenlehne unterstützen außerdem den Rücken. Verzichten Sie mal auf das Auto und fahren Sie stattdessen mit dem Fahrrad ins Büro. Oder steigen Sie eine Station früher aus der U-Bahn und gehen Sie die letzten Meter zu Fuß. © DAK
Bandscheibe Wirbelkörper
Falsch: Ein Rücken mit Schmerzen muss geschont werden. © DAK
Die 4 häufigsten Rücken-Irrtümer
Richtig: Bewegung ist die beste Medizin – auch wenn’s im Rücken zieht. Bei einem Bandscheibenvorfall gilt: Je schneller man körperlich wieder aktiv wird, desto besser. Zunächst hilft sanfte Bewegung im Wechsel mit Entspannung. Schon ein kurzer Spaziergang hält den Rücken flexibel. © dpa
Bandscheibe Wirbelkörper
Die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern dienen als Stoßdämpfer. Verrutschen sie, können sie auf die Nerven drücken und Schmerzen auslösen. © DAK

Wie wichtig die Sprache ist, sehe sie aber bei jedem ihrer Patienten. Wer nicht mehr richtig sprechen kann, gerate schnell in die soziale Isolation. Er telefoniere nicht mehr, gehe nicht mehr einkaufen.

Die Patienten von Bettina Hoffmann bekommen einen Koffer mit der notwendigen technischen Ausstattung ins Haus. Furcht vor der Technik müsse niemand haben, beruhigt sie. Keidel findet das Equipment sehr bedienerfreundlich: Enwickle man die Bereiche Telemedizin und Teletherapie konsequent weiter, werde die Bedienung bald so einfach wie die eines TV-Geräts sein.

dpa/lby

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