Zehn neue Pflegebegleiter-Standorte gesucht

Die Landesregierung baut das Freiwilligen-Projekt „Pflegebegleiter“, das in einem Bundesprogramm erprobt worden ist, in Hessen aus. Damit soll die häusliche Pflege gestärkt werden.

„Familiäre Pflege gewinnt durch Bürgerengagement. Deshalb wollen wir erreichen, dass in Hessen ehrenamtliche Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter pflegende Angehörige entlasten“, erklärte Sozialminister Stefan Grüttner.

Mit der Unterstützung der „Koordinationsstelle pflegeBegleitung Hessen“ des Frankfurter Verbandes für Alten- und Behindertenhilfe will das Land dafür Sorge tragen, dass zehn weitere Pflegebegleiterstandorte in Hessen geschaffen werden.

Erfolgreiches Modell: bis zum 15. Oktober bewerben

Bis zum 15. Oktober 2010 können sich Wohlfahrtsverbände, Kommunen, Beratungsstellen, Bildungsträger und Senioreninitiativen als Pflegebegleiter-Standort bei der „Koordinationsstelle pflegeBegleitung Hessen“ bewerben.

In Hessen gibt es zurzeit sechs Pflegebegleiter-Standorte – zwei in Frankfurt, je einer in Marburg, Bebra-Bad Hersfeld, Limburg und Kassel. Sie sind im Rahmen des Bundesprogramms entstanden.

„Das Modell ist erfolgreich. Wir wollen noch mehr Potenziale erschließen“, so der Minister. „Die meisten Menschen wollen zu Hause alt werden. Dies kann oft nur durch das hohe Engagement von Familienangehörigen in der Pflege ermöglicht werden“, betonte Grüttner.

Versorgung zu Hause ist vorherrschend

Sorgearbeit, wie sie heute in der häuslichen Pflege praktiziert werde, sei ein Segen für die Menschen, die gepflegt werden. Die häusliche Pflege stelle aber oftmals eine erhebliche körperliche und seelische Belastung für die Angehörigen dar. „Hier gibt es viel Leidensdruck.“

Drei Viertel (74,6 Prozent) aller Pflegebedürftigen in Hessen würden zu Hause versorgt, davon die große Mehrheit (72,8 Prozent) ausschließlich durch Angehörige. Nur in gut jedem vierten Fall sei einer der 1003 Pflegedienste, die es in Hessen gibt, unterstützend mit im Boot. Nur in jedem zehnten Fall würden Angebote der Kurzzeitpflege oder Tagespflege genutzt.

Was die Zukunft bringt

Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen und der demografischen Entwicklung werde der Einsatz von Angehörigen in der Pflege zudem in Zukunft nicht mehr selbstverständlich und im bisherigen Maß zu Verfügung stehen.

„Wenn wir die häusliche Pflege als Betreuungsform in der Breite erhalten wollen, brauchen wir neue, zusätzliche Unterstützungsstrukturen. Eine davon ist das Zusammenwirken von pflegenden Angehörigen, professioneller Pflege und ehrenamtlichen Pflegebegleitern.

Ehrenamtliche sind dabei ein wichtiges ergänzendes Element“, verdeutlichte der Sozialminister. Das Projekt „10 neue Pflegebegleitung-Standorte“ hat eine Laufzeit von drei Jahren. In 2010 wird es mit Landesmitteln in Höhe von 107.000 Euro gefördert. Auch in 2011 und 2012 sollen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Hintergrund des Projektes

Künftigen Pflegebegleitern wird eine kostenlose Qualifizierung angeboten. Die Pflegebegleiterstandorte sind eingebunden in das Netzwerk der Pflegebegleiter in Hessen und in Deutschland und erhalten eine Förderung von 4.000 Euro für Koordinationsarbeit und Qualifizierungsmaßnahmen.

Die zukünftigen Standorte sollten über zwei Projektmitarbeiterinnen oder -mitarbeiter verfügen. Es sollte die Bereitschaft bestehen, sich am Projektverbund zu beteiligen und am landesweiten Qualifizierungsprogramm für Pflegebegleiter teilzunehmen. Auch die Werbung von Freiwilligen, als eine wichtige Aufgabe, muss vom künftigen Pflegebegleiterstandort übernommen werden.

Weitere Informationen

Interessierte Stellen können sich direkt bei der „Koordinationsstelle pflegeBegleitung Hessen“ bewerben. Unter www.hsm.hessen.de(Familie/Senioren) stehen die genauen Fördermodalitäten des Trägervereines zum Herunterladen bereit. (Hessisches Sozialministerium)

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