Spurensuche am Gerüst

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Genaue Diagnose: Wenn die Ursache gefunden ist, lassen sich Rückenbeschwerden meist mit physikalischer Therapie gut behandeln.

Erkrankungen der Wirbelsäule sind meist die Ursache für Rückenleiden. Linderung verschaffen konservative Bewegungs- und Schmerzmitteltherapien. Sollte eine Operation unumgänglich sein, sollte diese mittels minimal-invasiver Eingriffe vorgenommen werden.

PD Dr. Stefan Lakemeier, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie an der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, hat unsere Leser in der HNA-Telefonsprechstunde zu Wirbelsäulenerkrankungen beraten.

Ich bin weiblich, 78 Jahre alt und hatte im Jahr 2014 einen Bandscheibenvorfall. Seitdem leide ich unter Schmerzen, die im linken Bein von der Pobacke bis in die Fußspitzen ausstrahlen. Krankengymnastik und Medikamente haben mir bisher gut geholfen, aber seit einigen Wochen habe ich wieder vermehrt Schmerzen. Was kann ich zusätzlich tun, um die Beschwerden zu lindern? 

 

PD DR. STEFAN LAKEMEIER : Bewegung bleibt bei Rückenproblemen das A und O. Die Übungen sollten so gestaltet sein, dass der Rücken schmerzfrei gestreckt, gebeugt und rotiert wird, um die Wirbelsäule beweglich zu halten. Diese Übungen können Sie auch auf dem Sofa ausführen. Sportarten wie Fahrradfahren, Walken und Schwimmen sind ebenfalls zu empfehlen. Auch Akupunktur hat sich bei chronischen Rückenschmerzen bewährt. Vor allem bei leichten und mittelschweren Fällen stellt sich bei Patienten eine spürbare Linderung ein. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Spritzentherapie. Dabei wird unter bildgebendem Verfahren zunächst eine Betäubung an die betroffenen Stellen gespritzt, um das schmerzauslösende Areal genau zu bestimmen.

Im zweiten Schritt wird gezielt an diese Stelle Cortison gespritzt. Dieses Spritzenprogramm ist auf jeden Patienten individuell zugeschnitten. Für diese Therapie ist eine Überweisung von einem Orthopäden notwendig. Patienten bleiben für zirka drei bis fünf Tage stationär in der Klinik.

Ich bin männlich, 57 Jahre alt und bin vor einem Jahr an der Halswirbelsäule operiert worden. Dabei wurden mir künstliche Bandscheiben eingesetzt. Nach der Operation geht es mir erheblich besser, gegen die Kopf- und Nackenschmerzen nehme ich Schmerzmittel ein. Seit etwa drei Monaten kann ich jedoch den linken Arm nicht mehr heben. Was raten Sie mir?   

LAKEMEIER: Wenn sich in den Aufnahmen der Halswirbelsäule kein krankhafter Befund feststellen lässt, so ist davon auszugehen, dass die Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich muskulär bedingt sind. Diese lassen sich in der Regel mithilfe manueller Therapien gut behandeln. Die Beschwerden mit dem Arm, die Sie beschreiben, sollten durch einen Neurologen abgeklärt werden.

Weiterhin rate ich Ihnen, eine MRT der Schulter vornehmen zu lassen, um abzuklären, ob eventuell ein Problem im Bereich der Rotatorenmanschette vorliegt.

Ich bin weiblich, 34 Jahre alt und habe seit Januar dieses Jahres unerträgliche Schmerzen und kann mich kaum bewegen. Eine Funktionsröntgenaufnahme ergab eine Instabilität im 5. Halswirbel. Zurzeit mache ich Krankengymnastik, die mir aber nicht wirklich Linderung verschafft. Am liebsten würde ich mich operieren lassen, damit die Schmerzen aufhören. Was halten Sie davon?   

LAKEMEIER: Eine Operation sollte immer das letzte Mittel der Wahl sein. Ich empfehle Ihnen eine Spritzentherapie. Bei dieser wird mithilfe einer speziellen Technik ein Betäubungsmittel direkt an die Nervenwurzel gespritzt und führt in der Regel zu einer vorübergehenden Schmerzausschaltung. Mithilfe dieser Therapie lassen sich Nacken- und Armschmerzen gut behandeln.

Eine Versteifungsoperation des 5. Halswirbels sollte nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Da Sie noch sehr jung sind, birgt eine Versteifungsoperation das Risiko eines weiteren Verschleißes ober- und unterhalb der Versteifung. Es besteht also die Gefahr, dass längerfristig die Schmerzen zurückkehren.

Ich bin weiblich, 71 Jahre alt und leide unter einer Spinalkanalverengung. Die Spritzen haben mir gut geholfen, aber die Intervalle sind inzwischen so kurz, dass ich zirka alle drei Monate zum Arzt muss. Zudem verspüre ich ein Kribbeln in den Beinen und manchmal fangen sie auch schon an zu zittern. Mein Orthopäde rät zu einer Operation, wovor ich allerdings Angst habe. Wie schätzen Sie die Lage ein?

LAKEMEIER: Da Sie bereits unter Kribbeln in den Beinen leiden und die Spritzen gut geholfen haben besteht eine gute Möglichkeit der Beschwerdelinderung durch die Weitung des Spinalkanals. In den meisten Fällen erfolgt der Eingriff minimal-invasiv, also durch einen kleinen Schnitt in der Haut. Anschließend wird wieder Platz für den eingeklemmten Nerv geschaffen. Das Ausmaß des Schnittes wird durch eine MRT-Aufnahme festgelegt.

Von Sandra Köhler

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