Dem Leben Gehör schenken

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Wie bitte? Wer aufgrund einer Hörminderung immer wie- der nachfragen muss, schließt sich selbst von seiner Umge- bung aus. Abhilfe schaffen Hörgeräte, die von außen kaum sichtbar sind.

Früher hat die Waschmaschine doch immer gepiept, wenn die Wäsche fertig war – wenn Geräusche im Alltag nicht mehr wahrgenommen werden, kann eine Hörminderung vorliegen. Es handelt sich dabei um einen schleichenden Prozess, der sich meist erst bemerkbar macht, wenn zum Beispiel bei Gesprächen mit mehreren Personen öfter wegen Verständnisschwierigkeiten nachgefragt werden muss.

Je nach Stadium und Schweregrad können Hörgeräte die Hörminderung ausgleichen und für eine verbesserte Lebensqualität sorgen. Hörgeräteakustikerin Stefanie Gruber von Hess Hören in Kassel hat unsere Leser während der Telefonsprechstunde beraten.

Ich bin weiblich, 68 Jahre alt und habe vor drei Jahren ein Hörgerät bekommen. Aufgrund einer schweren Erkrankung konnte ich das Gerät allerdings lange Zeit nicht nutzen, da ich in dieser Zeit sehr druckempfindlich am Ohr war. Vor ein paar Wochen habe ich das Gerät wieder benutzt, komme aber überhaupt nicht zurecht. Auf Geburtstagen verstehe ich mein Gegenüber kaum, muss ständig nachfragen und höre meine eigene Stimme beim Reden sehr laut. Können Sie mir einen Tipp geben?   

STEFANIE GRUBER: Ich gehe davon aus, dass Ihr Hörvermögen zuletzt vor drei Jahren getestet wurde, als Sie auch das Hörgerät bekommen haben. Daher würde ich Ihnen zu- nächst empfehlen, erneut eine Hörmessung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder beim Hörakustiker vornehmen zu lassen. So kann festgestellt werden, ob sich Ihr Hörvermögen in den vergangenen drei Jahren verändert hat. Da Sie das Gerät über einen längeren Zeitpunkt nicht genutzt haben, ist es ganz normal, dass das Tragen für Sie zunächst ungewohnt ist.

Die eigene Stimme wird mit Hörgerät anders wahrgenommen als ohne Hörhilfe. Dies kann aber mithilfe einer Hörgerätenachanpassung ausgeglichen werden.

Ich bin weiblich, 72 Jahre alt und mir wurde eine Hörhilfe verordnet, da mir eine Hörfähigkeit von 80 Prozent attestiert wurde. Ich selbst stelle keine Einschränkungen fest und habe mir daher noch kein Hörgerät angeschafft. Allerdings leide ich sehr stark unter Tinnitus, der so laut ist, dass ich ihn sogar beim Sprechen höre. Was raten Sie mir?   

GRUBER: Auch wenn Sie selbst nicht das Gefühl haben, dass eine Hörminderung vorliegt, sollten Sie ein Hörgerät ausprobieren. Eine beginnende Schwerhörigkeit kann mithilfe dieser Geräte gut versorgt werden. Je länger Sie jedoch damit warten, umso schwieriger wird es, Ihr Hörvermögen zu verbessern. Gerade im Hinblick auf den Tinnitus rate ich zu einer Geräteversorgung. In vielen Fällen treten die unangenehmen Ohrgeräusche in den Hintergrund, wenn dem Hörpro- blem entgegengewirkt wird. Aufgrund der korrekt wahrgenommen Geräusche des Alltags wird der Tinnitus überdeckt.

Falls eine Anpassung des Hörgerätes allein nicht ausreicht, kann eine Kombination aus Hör- und Tinnitusgerät helfen. Während das Hörgerät dafür sorgt, Alltagsgeräusche wieder korrekt wahrzunehmen, erzeugt das Tinnitusgerät in Ruhephasen ein dezentes Rauschen, das leiser als die Ohrgeräusche ist. Die Wahrnehmung des Tinnitus wird dadurch in den Hintergrund gedrängt.

Ich bin männlich, 82 Jahre alt und habe ein Hörgerät bekommen. Obwohl das Gerät nagelneu ist, komme ich damit im Alltag einfach nicht zurecht. Was empfehlen Sie mir?   

GRUBER: Es ist ganz normal, dass der Gebrauch des Hörgerätes zu Beginn ungewohnt ist und Ihnen noch Schwierigkeiten bereitet. Geräusche, die aufgrund der Hörminderung schleichend vermindert oder gar nicht mehr wahrgenommen wurden, treten nun verstärkt in den Vordergrund. Für Sie könnte ein Hörtraining sinnvoll sein. In vier Terminen beim Hörakustiker lernen Sie, das Bewusstsein für Nebengeräusche im Gehirn zu trainieren, um die Sprache wieder besser zu verstehen.

Während des Hörtrainings bekommen Sie Aufgaben, die Sie in Ihrem Alltag bewältigen und darüber protokollieren. So kann das Hörgerät an Ihre individuellen Bedürfnisse angepasst werden.

Ich bin männlich, 23 Jahre alt und bin Student. Um mir etwas Geld hinzuzuverdienen, arbeite ich am Wochenende als Thekenkraft in einer Diskothek. Da ich jedes Mal nach der Arbeit ein dumpfes Gefühl in den Ohren habe, nutze ich Ohrenstöpsel aus Schaumstoff bei der Arbeit. Aber das hilft kaum, da ich alles nur noch gedämpft höre und somit Schwierigkeiten habe, die Bestellungen der Gäste zu verstehen. Haben Sie einen Tipp für mich?

GRUBER: In Diskotheken und bei Konzerten sind Lautstärken von mehr als 100 Dezibel keine Seltenheit. Das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers in unmittelbarer Nähe. Eine derartige Schallbelastung über einen längeren Zeitraum führt zwangsläufig zu Schädigungen des Ohres. In der Folge kommt es bereits in jungen Jahren zu einer Verminderung des Hörvermögens.

Ich rate Ihnen, bei der Arbeit in der Diskothek einen individuellen Filtergehörschutz zu nutzen. Diese Systeme sind unauffällig klein und von außen kaum zu sehen. Dieser Gehörschutz filtert die laute Musik heraus, Stimmen werden aber weiterhin gut wahrgenommen. Wichtig ist für Sie, dass Sie für ausreichend Ruhephasen sorgen, in denen sich das Ohr regenerieren kann.

Von Sandra Köhler

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