Steinmeier kämpft für Organspende

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Frank-Walter Steinmeier hat letztes Jahr seiner Frau eine Niere gespendet und setzt sich für die Organspende ein.

München - Frank-Walter Steinmeier hat seiner kranken Frau im vergangenen Jahr eine Niere gespendet. Jetzt fordert er mehr Sensibilität beim Thema Organspende.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier verlangt eine Änderung des Transplantationsgesetzes. Er mahnte jedoch auf dem Chirurgenkongress in München, keinen Druck auf die Bevölkerung auszuüben, da das Thema sehr sensibel sei.

Die Nierenspende des SPD-Fraktionschefs an seine Frau im vergangenen Jahr hatte zu einer Debatte über die Neuregelung der Organtransplantation beigetragen, die im Sommer auch im Bundestag weitergeführt wird. Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Kongresses am Mittwochabend sprach er zu dem Thema “Lebendspende als Ausweg aus der Organknappheit“. Dabei ging er auch auf neue Vorschläge wie der Widerspruchslösung ein. Bei einer Widerspruchslösung würden alle Deutschen nach dem Hirntod zu Organspendern werden - es sei denn, sie haben zuvor ausdrücklich widersprochen.

Vorbilder sind Länder wie Österreich und Spanien, wo es immer genügend Spenderorgane gibt. Anwesende Mediziner verlangten, dass den Menschen Druck gemacht werden müsse, damit es noch in diesem Jahr eine rasche Entscheidung geben könne. Doch trotz des Erfolgs der Widerspruchslösung in Österreich und Spanien kann sich Steinmeier nicht vorstellen, dass es in absehbarer Zeit eine Lösung für das Problem gebe. Dafür müsse es mehr Informationen und Ansprechpartner geben. “Ich sehe für die Widerspruchslösung keine Mehrheit in Deutschland.“

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Steinmeier begrüßt diese mögliche Neuregelung des Widerspruches zwar, hält die Umsetzung allerdings für sehr schwierig, weil es an Aufklärung zum Thema Hirntod fehle. Er forderte mehr Sensibilität in der Debatte. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan warten und drei Patienten am Tag sterben, müsse in Deutschland jedoch dringend etwas geschehen. “Jeder Mensch sollte einmal in seinem Leben gefragt werden, ob er bereit zur Organspende sei“, sagte der 55-Jährige. Er betonte, dass man eine solche Entscheidung nicht den Angehörigen überlassen solle, da der Druck zu groß wäre. Diese Entscheidung könne zum Beispiel in einem persönlichen Dokument vermerkt werden. Allerdings einigten sich Mediziner und Steinmeier darauf, dass jeder seine Entscheidung auch wieder rückgängig machen könne. Auf keinen Fall dürfe man zu viel Druck auf die Menschen ausüben. “So erfreut wir alle darüber sind, dass die Diskussion über Organspende in den Gang gekommen ist - wir haben seitdem auch wieder spürbar eine Debatte über den Hirntod. Das Unwohlsein sucht sich eine Überschrift“. Es müsse eine Aufklärung erfolgen, damit die Leute überzeugt werden.

Er appellierte zudem an die Mediziner, auch die Lebendspende mit zu berücksichtigen und die Politik mit dieser schwierigen Problematik nicht alleine zu lassen. Der Bundestag will noch in diesem Jahr über eine Reform der Transplantationsgesetze verhandeln. Für Steinmeier ist das Thema Organ- aber besonders die Lebendspende “in vielerlei Hinsicht eine Herzenssache“.

Vor kurzem zeigte sich der 55-Jährige erstmals wieder gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender in der Öffentlichkeit, nachdem er ihr im vergangenen Jahr eine Niere gespendet hatte. Die Operation sei erfolgreich verlaufen und beiden gehe es wieder gut. Mit der Bekanntmachung, dass er seiner Frau eine Niere spenden würde, hat Frank-Walter Steinmeier nicht nur Anerkennung aus der Bevölkerung bekommen, sondern auch eine höhere Spendenbereitschaft als zuvor ausgelöst.

Im Jahr 2010 nahm die Zahl der Organspenden im Vergleich zum Vorjahr zu. In Regionen wie Hessen und Rheinland-Pfalz wurde nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation sogar Zuwächse von 45 Prozent registriert. Seit Anfang des Jahres sind die Zahlen eher wieder rückläufig.

dpa

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