Sterbegeldversicherung:Finanzfalle für Senioren

In der dunklen Jahreszeit läuft das Geschäft mit den Sterbegeldversicherungen besonders gut. Speziell ältere Menschen werden derzeit von Versicherungsvermittlern oder per Post vom Versicherer ermuntert, mit einer Police für das eigene Begräbnis vorzusorgen - "um den Kindern nicht auf der Tasche zu liegen", wie gern geworben wird.

Doch die Sterbegeldabsicherung sei völlig überflüssig und nur für die Versicherungen selbst ein gutes Geschäft, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Für Senioren ende das Sparen in der Regel mit Geldverlust, nicht mit Gewinn.

"Finger weg, auch von Gruppentarifen über Vereine, Familienwerke oder Gewerkschaften", rät der Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Eine Geldanlage mit garantierter Minusrendite", winkt auch Kollege Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern ab. Fast alle Lebensversicherer bieten Verträge zur Finanzierung der eigenen Beerdigung an, manchmal in Zusammenarbeit mit Bestattungsunternehmen oder Krankenkassen. Was hat die Sterbegeldversicherung eigentlich zu bieten?

Es wird mehr Geld reingesteckt als rauskommt

Viele ältere Menschen glauben, eine Sterbegeldversicherung sei ein simpler Sparplan, damit die Hinterbliebenen später Geld genug haben, um Sarg, Trauerflor und Bestatter bezahlen zu können. Kaum jemand weiß, dass eine kleine Kapitallebensversicherung dahinter steckt. Die Beiträge von 10, 20 oder auch 40 Euro im Monat scheinen verlockend niedrig zu sein. Wer einzahlt, auf einen Schlag oder regelmäßig über Jahre hinweg, höchstens bis zum Alter von 85 Jahren, dem werden Summen zwischen 2.000 und 10 000 Euro garantiert.

Der Pferdefuß ist: Wer im hohen Alter abschließt, muss unterm Strich teuer dafür bezahlen. Denn je höher das Eintrittsalter ist, desto höher kalkulieren die Versicherer das Sterblichkeitsrisiko. Weil der Großteil der eingezahlten Beiträge für den Risikoschutz des Versicherten draufgeht, wird die Police so gut wie immer zum Verlustgeschäft, hat der BdV berechnet.

"Hohe Abschlusskosten und Verwaltungskosten hauen rein, Überschüsse sind nicht kalkulierbar, wo bleibt da das Geschäft", gibt Boss zu bedenken.

Ältere Kunden zahlen über die Jahre deutlich mehr ein, als im Falle des Todes garantiert herauskommt. Beispiel: Ein 65-Jähriger will ein garantiertes Sterbegeld von 5.000 Euro und zahlt dafür monatlich fast 29 Euro ein. Macht bis zum 85. Lebensjahr gut 6.960 Euro allein an eigenen Beiträgen, rechnet die Stiftung Warentest vor. "Wer so eine Police abschließt, lässt sich über den Tisch ziehen", warnt Wortberg. Nur dann, wenn ein gesunder Versicherter kurz nach Ablauf der Wartezeit stirbt und noch nicht zu viel einbezahlt hat, könne sich eine Sterbegeldversicherung rechnen, betont Larisch.

Kündigung der Versicherung prüfen

Statt Gesundheitsprüfung müssen Kunden bei vielen Anbietern Wartezeiten hinnehmen. Die meisten Gesellschaften verweigern die Auszahlung, wenn der Versicherte in den ersten zwei oder drei Jahren stirbt. Die Angehörigen kriegen dann oft nur das eingezahlte Geld zurück, manchmal noch weniger. Die volle Versicherungssumme gibt es im Todesfall häufig erst ab dem vierten Jahr der Vertragslaufzeit. Sprich: Nach der Wartezeit. Wer eine Sterbegeldversicherung unterschreibt, kann also nicht sicher sein, dass die Erben nicht trotzdem mit Kosten belastet werden, gibt Boss zu bedenken.

Wer für seine Beerdigung sparen will, sollte das lieber auf eigene Faust tun und Versicherungen meiden, sind sich Verbraucherschützer einig. Zum Beispiel, indem monatlich Geld in einen ganz normalen Banksparplan ohne Gebühren, aber mit bestmöglicher Verzinsung gespart wird.

Die Sorge, Angehörigen finanziell zur Last zu fallen, werde von Versicherern genutzt, sagt Larisch. Dabei bekommen Ehepartner von Rentnern zum Beispiel auf Antrag drei volle Monatsrenten im sogenannten Sterbevierteljahr, die für die Beerdigung ausgegeben werden könnten. Reicht der Nachlass nicht fürs Begräbnis, können Kinder die Kosten als außergewöhnliche Belastung steuerlich ansetzen.

Senioren, die erst vor kurzem eine oder gar mehrere Sterbegeldpolicen abgeschlossen haben, sollten darüber nachdenken, möglichst rasch zu kündigen. Verbraucherzentralen berechnen gegen eine kleine Gebühr, ob und wie viel Geld bei einem Notausstieg verloren ginge. "Lieber ein Ende mit Schrecken als eine völlig unrentable Versicherung, in die immer weiter Geld reingesteckt wird", ist Boss überzeugt. (dapd)

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