Strahlentherapie kann Krebserkrankungen heilen

Die Diagnosestellung einer Krebserkrankung ist für betroffene Patienten immer mit erheblichen Ängsten verbunden. Die Diagnosestellung einer Krebserkrankung ist für betroffene Patienten immer mit erheblichen Ängsten verbunden.

Immer mehr Tumorpatienten haben eine Aussicht auf Heilung, für andere stehen eine Linderung ihrer tumorbedingten Beschwerden und eine Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund. Die Strahlentherapie ist für die meisten Tumorpatienten entweder als alleinige Behandlung oder als Bestandteil eines Gesamtkonzeptes die Methode der Wahl.

In diesem technischen Fachgebiet der Medizin gibt es eine Reihe moderner Entwicklungen, die Hoffnung machen. Obwohl die Strahlentherapie bei sehr vielen verschiedenen Krebserkrankungen Anwendung findet, meldeten sich zu der HNA-Telefonsprechstunde zu dem Thema nur an Prostatakrebs Erkrankte. Dr. Ralf Keymer vom Fachbereich Strahlentherapie des Medizinischen Versorgungszentrums (ZMV) am Klinikum Kassel beantwortete unermüdlich Fragen betroffener Männer oder ihrer Ehefrauen.

Prostatakrebs ist ja eine häufige Todesursache bei Männern. Bei mir ist jetzt der PSA-Wert angestiegen. Welche Möglichkeit gibt es, einen Prostatakrebs zu bestrahlen und kann man das vorbeugend tun?

Keymer: Die Anzahl an neu festgestellten Prostatakarzinomen ist bei Männern in Abhängigkeit vom Lebensalter hoch. Durch die PSA-Diagnostik werden mehr Diagnosen in Frühstadien gestellt, die man entweder durch operative oder durch Strahlentherapie ausheilen kann. Dabei finden entweder eine Strahlentherapie von außen (perkutane Strahlentherapie) oder auch eine Brachytherapie statt. Bei der Brachytherapie existieren wiederum verschiedene Verfahren (HDR- oder LDR-Brachytherapie). Bei der oft durchgeführten LDR-Brachytherapie werden radioaktive Stäbchen, sogenannte Seeds, direkt in die befallene Prostata eingesetzt. Diese Methode ist für ausgesuchte Patienten mit einer „Niedrigrisikosituation“ zu empfehlen. Vorbeugend bei Verdacht auf Prostatakrebs wird keine Therapie eingeleitet. Erst wenn ein Befall durch eine Probenentnahme der Vorsteherdrüse nachgewiesen ist, kann bestrahlt werden.

Nach einem Tumorbefall wurde mir vor zwei Jahren die gesamte Prostata entfernt. Bis vor kurzem hatte ich Ruhe, jetzt ist der PSA-Wert wieder angestiegen. Was hat das zu bedeuten?

Keymer: Sie haben ein biochemisches Rezidiv. Das kommt gelegentlich vor und kann Ausdruck dafür sein, dass Tumorzellen bei der Operation im Gewebe zurückgeblieben sind und jetzt aktiv werden. Die Strahlentherapie ist ein gutes Mittel, weil sie einem Teil der betroffenen Patienten eine Ausheilung der Erkrankung ermöglicht. Dabei wird eine Strahlendosis auf den gesamten ehemaligen Operationsbereich gegeben, die die verbliebenen mikroskopischen Tumorzellherde zerstören kann. Ob das bei Ihnen Erfolg versprechend möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sollte der PSA-Wert bereits wieder auf einen hohen Wert oder sehr rasch angestiegen sein, muss zunächst eine sorgfältige Untersuchung zum Ausschluss von Metastasen in anderen Körperorganen erfolgen. Eine neue, viel versprechende Möglichkeit ergibt sich mit einem PET-CT, einem hochmodernen nuklearmedizinischen Verfahren, wie es jetzt auch am Klinikum Kassel zur Verfügung steht. Sie sollten auf jeden Fall mit ihrem Facharzt die notwendigen Untersuchungen besprechen und diese bald durchführen lassen. Die Heilungschancen sind umso besser, je niedriger der PSA-Wert bei Einleitung der Strahlentherapie noch ist.

Welche Alternative zur Strahlentherapie gibt es, wenn nach einer Operation der PSA-Wert wieder ansteigt?

Keymer: Als Alternativtherapie bietet sich die Hormonblockadetherapie an. Diese Behandlung hat im Gegensatz zur Strahlentherapie aber keine kurative, also keine heilende Wirkung. Sie unterdrückt die Aktivität der Tumorzellen und ist insbesondere dann angezeigt, wenn der Tumor durch Metastasen im Körper aktiv ist. Ihr Urologe wird sie in dieser Frage beraten.

Mein Mann hat einen Prostatakrebs im Stadium 4. Er hat Metastasen in den Knochen der Lendenwirbelsäule und der Blase. Nach mehreren Chemotherapien geht es ihm immer schlechter. Könnte ihm eine Strahlentherapie helfen?

Keymer: Leider eher nicht. Die Strahlentherapie ist ja eine lokale Behandlung. Wenn der Krebs aber bereits Metastasen gebildet hat, ist er schon über den Blutkreislauf im ganzen Körper unterwegs. Eine Strahlentherapie wäre jedoch dann sinnvoll, wenn die Knochenmetastasen entweder erhebliche Schmerzen verursachen, wenn die Gefahr bestünde, dass die Metastasen im Wirbelbereich ins Rückenmark einbrechen könnten oder eine erhöhte Bruchgefahr des befallenen Knochen existiert. Letztendlich sollte der behandelnde Onkologe das nach Rücksprache mit dem Strahlentherapeuten entscheiden. Man muss dabei auch immer den Allgemeinzustand des Patienten berücksichtigen, denn auch die Strahlentherapie ist anstrengend.

Ich habe eine HDR-Brachytherapie hinter mir und habe jetzt Erektionsstörungen. Werden die sich wieder legen?

Keymer: Erektionsstörungen sind eine problematische Nebenwirkung bei jeder Form der Strahlentherapie an der Prostata. Sie kann sich wieder bessern, was nach Brachytherapie aber durchschnittlich zwei Jahre dauert. Es kommt auch ein bisschen auf das Alter an des betroffenen Patienten an.

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