Studenten und Senioren gemeinsam im Seniorenstift

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Jörg Magull

Göttingen. In der Universitätsstadt Göttingen wird der Wohnraum für Studenten immer knapper. Bereits jetzt stehen 1000 Bewerber auf der Warteliste des Studentenwerks für einen Wohnheimplatz.

Diese Zahl wird sich im demnächst beginnenden Wintersemester deutlich erhöhen: „Wegen der doppelten Abiturjahrgänge und des Wegfalls der Wehrpflicht werden wir voraussichtlich 1000 Erstsemester mehr haben als vor einem Jahr“, sagt der Geschäftsführer des Göttinger Studentenwerks, Jörg Magull. Um der Wohnungsnot entgegenzuwirken, startet das Studentenwerk jetzt ein niedersachsenweit einmaliges Pilotprojekt: Unter dem Motto „Wohnen für Hilfe“ vermittelt es Studenten eine komfortable Unterkunft in einem Senioren-Wohnstift. Für die preisgünstige Wohnung müssen die Studenten dort monatlich bis zu 30 Arbeitsstunden ableisten.

Kooperation mit Wohnstift

Ähnliche Projekte gibt es bereits in einigen anderen Universitätsstädten, unter anderem in Freiburg, Heidelberg und Marburg, allerdings mit einem Unterschied: Dort wohnen die Studenten meist in den Privathäusern von Senioren, Pflegebedürftigen oder Familien, wo sie dann im Haushalt oder Garten mithelfen. Das Göttinger Studentenwerk kooperiert dagegen mit einem professionellen Partner, dem GDA Wohnstift im Göttinger Stadtteil Geismar. Die Senioreneinrichtung verfügt über 578 Appartements. Das Durchschnittsalter der Mieter liegt bei 84 Jahren. „Unsere älteste Bewohnerin ist 110“, berichtet der Direktor des Wohnstifts, Klaus Brandl.

Klaus Brandl

In dem Wohnstift verbringen auch mehrere Professoren ihren Lebensabend. Jetzt ziehen erstmals Bewohner ein, die noch ganz am Anfang ihrer akademischen Karriere stehen. „Wir bringen damit unterschiedliche Generationen und Kulturen zusammen“, sagt Magull. „Von dieser Wohnpartnerschaft profitieren beide Seiten gleichermaßen.“

Die Miete für die 26 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung mit Einbauküche und Bad beträgt 160 Euro. Zum Vergleich: Wer in einem Studentenwohnheim wohnt, zahlt für ein 10 Quadratmeter großes Zimmer mit Gemeinschaftsdusche und Gemeinschaftsküche 130 Euro.

Keine Pflegeleistungen

Im Gegenzug für die billige Miete müssen die Studenten sich nützlich machen, indem sie beispielsweise Hausmeistertätigkeiten und Fahrdienste übernehmen oder Senioren beim Einkaufen begleiten. Zwei Tätigkeitsbereiche sind dabei allerdings tabu: Die Studenten übernehmen keine Pflegeleistungen und kümmern sich auch nicht um finanzielle Angelegenheiten der Bewohner.

Zunächst will das Wohnstift zwei Appartements an Studenten vermieten. „Wenn das gut läuft, werden wir das Projekt ausdehnen“, sagt Wohnstiftdirektor Brandl. Die Nachfrage ist jedenfalls da: Kaum hatte das Studentenwerk das Projekt im Internet vorgestellt, gab es bereits die ersten Bewerbungen.

(pid)

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