Gefährliche Geschlechtskrankheit

„Super-Tripper“ nach EM: Gelockerte Corona-Regeln begünstigen Krankheit, die unfruchtbar machen kann

Die EM hat die Ausbreitung einer gefährlichen Infektionskrankheit gefördert. Auf dem Foto jubeln Fans den Spielern der italienischen Fußballnationalmannschaft zu, die im offenen Bus ihren EM-Sieg feiert. Italien gewann die Fußball-Europameisterschaft 2021 im Finale, das am 11. Juli im Wembley-Stadion in London stattfand. (Archivbild)
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Die EM hat die Ausbreitung einer gefährlichen Infektionskrankheit gefördert. Auf dem Foto jubeln Fans den Spielern der italienischen Fußballnationalmannschaft zu, die im offenen Bus ihren EM-Sieg feiert. Italien gewann die Fußball-Europameisterschaft 2021 im Finale, das am 11. Juli im Wembley-Stadion in London stattfand. (Archivbild)

Wieder gewonnene Freiheiten nach Corona-Lockdowns bergen auch Probleme. Britische Mediziner warnen eindringlich vor der Ausbreitung von Gonorrhoe.

In Regionen mit niedrigen Corona-Inzidenzen öffnen Clubs, Bars und Pubs – sehr zur Freude von Feierwilligen. Auch in der Horizontalen werden die Menschen wieder aktiver. Eine gesunde Angelegenheit, gäbe es da nicht die Geschlechtskrankheiten. Vor allem Menschen, die häufig den Beischlaf-Partner wechseln, sind gefährdet. Die Post-Corona-Zeit tut ihr Übriges: So sind viele regelrecht ausgehungert und haben entsprechend viel Lust, so die Annahme britischer Experten. Diese warnen dem britischen Portal Daily Star zufolge vor einer Welle von Geschlechtskrankheiten wie Tripper im Sommer.

Dr. Gigi Taguri spricht von einer „Super-Gonorrhoe“, die aktuell um sich greift. Gonorrhoe ist der medizinische Fachbegriff für Tripper, einer sexuell übertragbaren Krankheit, welche durch eine Infektion mit Bakterien (Gonokokken) ausgelöst wird. Bei der „Super-Gonorrhoe“ handelt es sich um eine gefährliche Form der Erkrankung, weil die auslösenden Bakterien eine Antibiotikaresistenz ausgebildet haben. Taguri hat die Befürchtung, dass sich diese gefährliche Geschlechtskrankheit im Rahmen der gelockerten Corona-Maßnahmen noch stärker ausbreiten könnte. In den letzten Jahren wurde die „Super-Gonorrhoe“ immer häufiger diagnostiziert, so die Medizinerin. Die Infektionsraten seien mit der Aufhebung der Restriktionen zwischen den einzelnen Coronavirus-Lockdowns merklich gestiegen, wird sie weiter vom Daily Star zitiert.

Testen lassen auf Geschlechtskrankheiten: Google-Suchanfrage erreichen Höchstwerte

Auch Online-Suchanfragen würden zeigen, dass immer mehr Menschen zumindest den Verdacht hegen, sich mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt zu haben. So ist etwa die Suchanfrage „STI-Tests“ (die Abkürzung STI steht für sexuell übertragbare Infektionen) in den letzten zwölf Monaten um 1.000 Prozent gestiegen, wie der Daily Star berichtet. Das Analyse-Tool Google Trends hätte am 5. Juli einen Höhepunkt der Suchanfrage gezeigt, nachdem England am Wochenende sein letztes EM-Spiel gewonnen hatte, heißt es weiter. „Immer, wenn die Sperrzeitbeschränkungen gelockert wurden, gab es Hinweise darauf, dass die Rate der STI-Infektionen steigt“, so Dr. Gigi Taguri, Leiterin der Medizintechnik bei Lloyds Pharmacy: „Pubs sind ohne Einschränkungen geöffnet, während Clubs und Festivals wieder in Betrieb genommen werden. Es wird ein Paradies für Singles sein, die einen großen Teil der letzten 18 Monate eingesperrt waren“, so Taguri.

Ihre eindringliche Empfehlung: Lassen Sie sich vor dem Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner auf sexuell übertragbare Krankheiten hin testen. Denn Krankheiten wie Tripper können unbehandelt zu schwerwiegenden Problemen führen. Dazu zählen chronische Entzündungen der inneren Geschlechtsorgane mit anhaltenden Schmerzen, Verklebungen der Ei- beziehungsweise Samenleiter und damit Unfruchtbarkeit. (jg)

Weiterlesen: Unfruchtbar durch Endometriose? Wenn Regelschmerzen die Periode unerträglich machen

Sexuell übertragbare Krankheiten im Überblick

Unverkrampft Spaß haben: Niemand denkt beim Sex gerne an Krankheiten - doch das kann manchmal fatale Folgen haben. Foto: Christophe Gateau/dpa/dpa-tmn
Unverkrampft Spaß haben: Niemand denkt beim Sex gerne an Krankheiten - doch das kann manchmal fatale Folgen haben. Foto: Christophe Gateau/dpa/dpa-tmn © Christophe Gateau
Sex soll eigentlich Spaß machen. Doch wer nicht aufpasst, kann sich dabei auch Krankheiten einfangen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Sex soll eigentlich Spaß machen. Doch wer nicht aufpasst, kann sich dabei auch Krankheiten einfangen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn © Jens Kalaene
Armin Schafberger ist Arzt und Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe. Foto: Deutsche AIDS-Hilfe e.V./dpa-tmn
Armin Schafberger ist Arzt und Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe. Foto: Deutsche AIDS-Hilfe e.V./dpa-tmn © Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Prof. Jürgen Rockstroh ist Leiter der Ambulanz für Infektiologie und Immunologie des Universitätsklinikums Bonn. Foto: UKB/dpa-tmn
Prof. Jürgen Rockstroh ist Leiter der Ambulanz für Infektiologie und Immunologie des Universitätsklinikums Bonn. Foto: UKB/dpa-tmn © UKB
Lieber mit Gummi: Kondome sind nach wie vor das beste Mittel gegen sexuell übertragbare Krankheiten. Foto: Schönberger/dpa-tmn
Lieber mit Gummi: Kondome sind nach wie vor das beste Mittel gegen sexuell übertragbare Krankheiten. Foto: Schönberger/dpa-tmn © Sonya Schönberger

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