Teil 4: Entwicklung neuer Behandlungsstrategien

Karen Karsh ist Sängerin, Liedermacherin und Pianistin aus Denver. Ihr Tagesablauf ist straff organisiert - zu straff, um sich von schlaflosen Nächten und vernebelten Tagen ausbremsen zu lassen, wie sie meint. Die von Geburt an blinde 59-Jährige ist Vorsitzende des American Council for the Blind von Colorado.

Karen Karsh ist Sängerin, Liedermacherin und Pianistin aus Denver. Ihr Tagesablauf ist straff organisiert - zu straff, um sich von schlaflosen Nächten und vernebelten Tagen ausbremsen zu lassen, wie sie meint. Die von Geburt an blinde 59-Jährige ist Vorsitzende des American Council for the Blind von Colorado.

„Bei mir wurde N24HSWD zwar nicht offiziell diagnostiziert“, so Karsh, „aber ich habe die Symptome wie im Lehrbuch.“

„Es gibt Zeiten, da schlafe ich normal und dann wieder wache ich häufig auf“, berichtete sie. „Wenn ich tagsüber erschöpft bin, kann ich nicht einfach die Zähne zusammen beißen. Dann muss ich mich ein Weilchen hinlegen.“

„Mir kommt es so vor, als ob diese Probleme mit zunehmendem Alter schlimmer werden.“

Bereits mit 15 Jahren war Karsh Profi-Musikerin; sie trat mit dem Colorado Symphony Orchestra auf und hat Aufnahmen für ABC Dunhill Records gemacht. Auf ihrer Website http://www.karenkarsh.com/ kann man sich Ausschnitte aus ihrer neuesten CD anhören.

Karen war 30 Jahre lang als Artist-in-Residence für das öffentliche Schulsystem von Denver tätig, wo sie die Kunst des Liedermachens unterrichtete.

Dank ihres Redetalents zog sie außerdem einen Job als Fernsehreporterin an Land. Sie entwickelte das wöchentliche Format „Unsung Heroes“ [etwa: „Stille Helden“] für den Sender KUSA-9News, Denver, und moderierte es dreieinhalb Jahre lang. Das Programm wurde 1992 mit dem Gannett Broadcastings's Innovation of the Year-Preis ausgezeichnet.

Karsh ist verheiratet und hat einen 25 Jahre alten Sohn. Ihre Verpflichtungen in Beruf, Ehrenamt und Familie bringen es mit sich, dass ihre Nächte häufig kurz sind.

Wenn sich der Schlaf absolut nicht einstellen will, nimmt sie manchmal eine Schlaftablette, um den Kreislauf zu durchbrechen. „Nacht für Nacht wach zu liegen ist hart“, erklärte sie. Ihr Arzt zerstreute ihre Bedenken, dass die gelegentliche Einnahme von Schlaftabletten zu einer Abhängigkeit führen könnte.

Sie versuchte es einige Male mit Melatonin, fand es jedoch nicht hilfreich. Sie räumte allerdings ein, dass sie es nicht systematisch einnahm und auch nicht wusste, welches der beste Zeitpunkt für eine Einnahme war.

Die laufende Forschung zielt darauf ab herauszufinden, welche blinden Menschen am wahrscheinlichsten von Melatonin profitieren, wie hoch die am besten geeignete Dosis ist, wann im Tagesverlauf es eingenommen werden sollte, um den Rhythmus erfolgreich zu stabilisieren und ob mit akuten oder langfristigen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Seit 2008 läuft eine fünfjährige Studie, die vom National Eye Institut (NEI) gefördert wird. Im Rahmen dieser Studie versucht man derzeit die Variabilität der körpereigenen Rhythmen von Blinden zu beschreiben und die Wirksamkeit von Melatonin-Dosierungen zwischen 0,025 mg und 20 mg zur Synchronisierung der inneren Uhr mit dem 24-Stunden-Tag zu beurteilen. Die Forscher hoffen, 200 Teilnehmer für die Studie gewinnen zu können. Weitere Informationen können unter http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00686907 abgerufen werden.

„Die jüngsten Arbeiten lassen vermuten, dass niedrigere Melatonin-Dosierungen den Rhythmus an den 24-Stunden-Tag genauso gut oder sogar besser ankoppeln als höhere Dosierungen“, so Jonathan Emens von der Oregon Health and Science University und einer der Prüfärzte des NEI. Er ist der Ansicht, dass geringere Dosen, etwa 0,3 mg oder 0,5 mg, ein diskreteres Signal an den Körper senden als höhere Dosen.

In den USA darf Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat keine Zulassung für die Verwendung von Melatonin zur Behandlung von gesundheitlichen Problemen erteilt, und auch der Verkauf unterliegt keinerlei Bestimmungen. Einige andere Länder, darunter Großbritannien, die meisten europäischen Länder, Kanada, Australien und Neuseeland, haben Vorschriften zur Verwendung von Melatonin genau wie für andere Hormonpräparate erlassen. Dort ist es verschreibungspflichtig.

„In der medizinischen Fachliteratur sind keine Hinweise auf maßgebliche Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung zu finden“, heißt es in den 2007 veröffentlichten Richtlinien der American Academy of Sleep Medicine zur klinischen Beurteilung und Behandlung von Schlafstörungen, die durch den zirkadianen Rhythmus verursacht werden. Weiter heißt es: „Es liegen ausreichend Belege für den Nutzen vor, während die Risiken offenbar gering sind.“

Zu den häufigsten genannten Nebenwirkungen von Melatonin gehören Kopfschmerzen, Übelkeit, ungewöhnlich lebhafte Träume und Abgeschlagenheit während des Tages.

Von Lynne Lamberg

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