Anleitung für Mediziner

Wie Ärzte Long-Covid und Post-Covid unterscheiden

Wieder beim Arzt: Post-Covid-Patienten kämpfen noch lange nach einer Corona-Infektion mit Beschwerden.
+
Wieder beim Arzt: Post-Covid-Patienten kämpfen noch lange nach einer Corona-Infektion mit Beschwerden.

Etwa zehn Prozent aller Corona-Patienten sollen von Post-Covid betroffen sein. Ein neuer Leitfaden soll behandelnden Medizinern wichtige Hilfestellung geben.

Ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten gibt es nach einer Infektion mit dem Coronavirus immer mehr Berichte über anhaltende Beschwerden. Das geht aus der neuen Leitlinie „S1-Leitlinie Post-Covid/Long-Covid“ hervor. Diese ist seit 12. Juli 2021 gültig und wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. veröffentlicht. Darin enthalten ist zum einen die Definition des neuen Krankheitsbildes Post-Covid. Zum anderen gibt die Leitlinie Ärzten und Ärztinnen Handlungsempfehlungen in Hinblick auf Diagnose und Therapie. „Die Leitlinie versteht sich als klinisch-praktischer Leitfaden für die Diagnose und Therapie einer Post-Covid- oder Long-Covid-Erkrankung“, zitiert das Ärzteblatt Michael Pfeifer, Pastpräsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die bei der Erstellung der Leitlinie mitgewirkt hat.

Bei dem Post-Covid- und Long-Covid-Syndrom handelt es sich nicht um dasselbe Krankheitsbild. Wer am Post-Covid-Syndrom leidet, ist länger als zwölf Wochen nach der Ansteckung mit dem Coronavirus noch krank. Jede/r zehnte Corona-Patient/in soll dem Bayerischen Rundfunk (BR) zufolge an Post-Covid erkranken. Das Long-Covid-Syndrom dagegen ist schneller wieder überstanden. Folgende Kriterien sprechen für Long-Covid:

  • Vier bis zwölf Wochen nach einer Corona-Infektion fühlen sich Betroffene immer noch krank.
  • Vier bis zwölf Wochen nach der Erkrankung tauchen neue Symptome auf.
Wenn Patienten/Patientinnen noch lange nach einer Corona-Infektion über Beschwerden klagen, sprechen Mediziner/innen von Post-Covid.

Post-Covid: Leitlinie als Hilfestellung für behandelnde Ärzte/Ärztinnen

Die neue Corona-Leitlinie, die in Zusammenarbeit von 14 Fachgesellschaften, Expertengremien und Patientenverbänden erstellt worden ist, soll in erster Linie eines: „sehr praktische Anleitungen geben, für Therapie und für Praxis“, zitiert der BR Professor Rembert Koczulla, Professor für Pneumologische Rehabilitation in Marburg, der an der Leitlinie mitgearbeitet hat. Wichtig sei diese vor allem deshalb, um durch systematisches Vorgehen in der Behandlung von Post- und Long-Covid das Risiko chronischer Krankheitsverläufe zu verhindern. Knapp zehn Prozent der Patienten/Patientinnen seien von einem chronischen Corona-Verlauf betroffen, zitiert der BR Professor Michael Pfeifer, Präsident der DGP.

Erste Schritte in der Versorgung von Post-Covid-Patienten/Patientinnen

In einem ersten Schritt wird der/die behandelnde Arzt/Ärztin bei Verdacht auf Post-Covid immer ein ausführliches Anamnesegespräch führen. Auch ein Fragebogen kann laut Leitlinie zum Einsatz kommen. „Für eine spezifische Therapie gibt es bislang noch keine wissenschaftlich belastbaren Belege.“, heißt es weiter. Entsprechend orientiert sich die Therapie an den Symptomen der Patienten. Bei Riechstörungen verspricht sogenanntes Riechtraining der Leitlinie zufolge Linderung. Bei Symptomen, die das Nervensystem betreffen, empfiehlt die Leitlinie „physio-, und ergotherapeutische, neuropsychologische sowie sozialpädagogische Unterstützung (ambulante Heilmittel). Ggf. sollte eine ambulante oder stationäre Neurorehabilitation (auch bei kognitiven Störungen) initiiert werden“, heißt es weiter. (jg)

Zur Leitlinie „S1-Leitlinie Post-COVID/Long-COVID“

Quellen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/

Weiterlesen: Plötzlich Diabetiker wegen Corona: So kann sich Covid-19 auf die Bauchspeicheldrüse auswirken

Wie man mit erblich bedingten Krankheiten umgeht

Besteht eine familiäre Vorbelastung, werden die Kosten für einen genetischen Test bei Erbkrankheiten von Krankenkassen übernommen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
Besteht eine familiäre Vorbelastung, werden die Kosten für einen genetischen Test bei Erbkrankheiten von Krankenkassen übernommen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn © Klaus-Dietmar Gabbert
Oft spielen auch Umwelteinflüsse und die Lebensführung eine wichtige Rolle. Foto: Angelika Warmuth/dpa-tmn
Oft spielen auch Umwelteinflüsse und die Lebensführung eine wichtige Rolle. Foto: Angelika Warmuth/dpa-tmn © Angelika Warmuth
Tritt eine bestimmte Krebsform in zwei aufeinanderfolgenden Generationen auf, besteht ein hohes familiäres Risiko. Foto: Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild
Tritt eine bestimmte Krebsform in zwei aufeinanderfolgenden Generationen auf, besteht ein hohes familiäres Risiko. Foto: Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild © Jan-Peter Kasper
Prof. André Fischer arbeitet am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Göttingen. Foto: Frank Stefan Kimmel/UMG/dpa-tmn
Prof. André Fischer arbeitet am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Göttingen. Foto: Frank Stefan Kimmel/UMG/dpa-tmn © Frank Stefan Kimmel
Prof. Peter Lichter ist Leiter der Abteilung Molekulare Genetik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ/dpa-tmn
Prof. Peter Lichter ist Leiter der Abteilung Molekulare Genetik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ/dpa-tmn © Tobias Schwerdt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.