Kopf außer Kontrolle: Die richtige Migränetherapie

Pochend, hämmernd oder bohrend – Kopfschmerzen gibt es in vielfältigen Formen. Als besonders belastend gilt Migräne, zu deren Hauptsymptomen immer wiederkehrende Kopfschmerzattacken zählen, die meist einseitig und pulsierend auftreten.

„Oftmals begleiten weitere Beschwerden wie Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit sowie Sehstörungen einen Migräneanfall“, weiß Neurochirurg Dr. med. Munther Sabarini.  Alleine in Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) rund 2 Millionen Männer und etwa 3,7 Millionen Frauen unter regelmäßigen Attacken. „Obwohl die Möglichkeit einer vollständigen Heilung bisher nicht besteht, gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die, individuell auf den Betroffenen abgestimmt, den Krankheitsverlauf eindämmen“, erklärt Dr. Sabarini.

Körper aus dem Gleichgewicht

In der Regel lässt sich ein Migräneanfall in vier Phasen einteilen. In der ersten, der Vorbotenphase, kommt es vermehrt zu Gereiztheit und Stimmungsschwankungen. Als weitere Symptome gelten Müdigkeit, Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel, Konzentrationsstörungen und ein Gefühl der Gleichgültigkeit.

Bei etwa 10 Prozent der Migräniker tritt im weiteren Verlauf die sogenannte Auraphase auf. Während dieses Stadiums klagen Betroffene besonders über neurologische Symptome wie Wahrnehmungsstörungen oder Lähmungserscheinungen. „Typische, meist krampfartige einseitige Kopfschmerzen begleiten die gesamte Migräneattacke und nehmen mit der Zeit an Intensität zu“, weiß Dr. Sabarini. „Durchschnittlich dauert ein Anfall zwischen 4 und 72 Stunden. Im Laufe der Rückbildungsphase klingen die Symptome dann langsam wieder ab.“ Betroffene fühlen sich oftmals müde und abgespannt, sodass bis zur vollständigen Erholung weitere 12 bis 24 Stunden vergehen.

Ruhe nach dem Sturm

Kommt es zu einer Migräneattacke, hilft in erster Linie absolute Ruhe. In einem abgedunkelten Raum ohne laute Geräusche entspannen Betroffene am besten. Um Beschwerden zu lindern, schaffen häufig auch kalte Kompressen und Entspannungsübungen Abhilfe. Bei leichten Schmerzen sorgen teilweise schon freiverkäufliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol für Linderung. Dr. Sabarini warnt jedoch vor langfristiger Einnahme: „Auch wenn die Arzneien nicht verschreibungspflichtig sind, führen sie bei übermäßiger Dosierung schnell in die Abhängigkeit.“

Bei stärkeren Anfällen verschreiben Ärzte meist sogenannte Triptane, welche die Nervenbotenstoffe hemmen. Im Falle einer chronischen Migräne scheitern diese Maßnahmen allerdings. Seit Kurzem steht mit der Peripheren Neurostimulation (PNS) jedoch eine Therapie zur Verfügung, die langfristig für Linderung sorgt. „Bei diesem Verfahren implantieren wir am Hinterkopf des Patienten ein Mikro-Elektroden-System, das Impulse an die Nerven im Nacken sendet und so die Schmerzweiterleitung zum Gehirn hemmt“, erklärt der Experte. „Dadurch nimmt nicht nur die Anzahl der Anfälle ab, sondern auch der Härtegrad des Kopfschmerzes.“ Patienten kehren schon kurz nach dem Eingriff, der auf Antrag auch von den Krankenkassen übernommen wird, mit neu gewonnener Lebensqualität in ihren Alltag zurück. (nh)

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