Tiere helfen Menschen in „Lamahausen“

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Der erste Mensch-Tier-Begegnungshof in der Rhön bietet Familien, Kindern und Alten Tiere zum Anfassen und Beobachten. Lamas, Hunde, Ziegen und Hühner sollen medizinische Therapien unterstützen und kranken Menschen helfen, Vertrauen aufzubauen und sich zu öffnen.

Familien wandern mit weiß-braunen Lamas umher, Kinder führen Buren-Ziegen an der Leine, Senioren im Rollstuhl streicheln schneeweiße Zwergseidenhühner, die auf ihrem Schoß sitzen. Die Weide wird mal zum Hindernis-Parcours, mal zum Abenteuerspielplatz. Die Tiere in Hilders-Rupsroth (Landkreis Fulda) gehören zum sogenannten Mensch-Tier-Begegnungshof „Lamahausen“ des Vereins „Tiere helfen Menschen“. Es ist nach Vereinsangaben der erste in der Rhön. Kinder und Erwachsene können dort Tiere beobachten, mit ihnen Spaß haben und sich sogar von ihnen helfen lassen.

Die Idee zu dem Hof hatten die Journalistin und Marketing-Expertin Karin Grygier und die Religionspädagogin Schwester Debora Schneider vor rund vier Jahren. Schneider sah als Geschäftsführerin einer sozialen Einrichtung die positiven Auswirkungen der Begegnung von schwerkranken, behinderten, depressiven und verhaltensauffälligen Menschen mit ihrem Hund. „Patienten, die wegen ihrer Erkrankung zu keinen normalen Kontakten mit ihrer Außenwelt fähig waren, öffneten sich auf einmal“, sagt Grygier. Mit dem Ziel, kranken Menschen zu helfen, bauten sie den Verein in Aschaffenburg auf. Aus baurechtlichen Gründen zog er in diesem Sommer aus Unterfranken in die hessische Rhön. Mitte Oktober wurde der Hof, auf dem inzwischen 36 Tiere leben, wiedereröffnet.

Unter dem Titel „Abenteuer und Pädagogik“ bieten Grygier, die als Vorsitzende den Verein leitet, und zehn ehrenamtliche und geschulte Mitarbeiter erlebnis- und tierpädagogische Programme für Jung und Alt an. Kinder, Demenzerkranke und Behinderte dürfen die Tiere streicheln, mit ihnen auf dem 3,3 Hektar großen Areal spazieren gehen oder einen Parcours mit Hindernissen und Sinnesstationen bewältigen.

Erwachsene und Familien können mit den acht Lamas, vier Hunden und vier Ziegen in der Rhön wandern. Je nach Alter der Besucher und Gruppengröße werden Elemente wie Lamakrimi, Märchen und Wissenswertes über Lebensraum und Sozialverhalten der Tiere sowie zur Flora und Fauna der als Biosphärenreservat Rhön bekannten Region einbezogen.

„Ziel ist es, die Beziehung von Menschen zu Tieren und der Natur zu fördern“, sagt die 46-Jährige. Besucher können das Verhalten der Tiere verstehen lernen und mit ihnen in Kontakt treten. Der Hof sei damit eine Alternative zum Zoo-Besuch. Die Tiere sind handzahm.

Die Besucher profitieren von der angenehmen Atmosphäre. „Es gibt traumatisierte Frauen, die wollen nicht reden“, berichtet Grygier. Bei Tieren aber tauten sie wieder auf. Ähnliches sei bei sprachbehinderten oder psychisch belasteten Kindern oder Menschen mit Kommunikationsstörungen zu beobachten. „Für schüchterne oder autistische Kinder beispielsweise ist es ein großes Erfolgserlebnis, wenn sie sehen, dass sie ein großes Lama führen können und es auf sie hört.“ Die Beschäftigung mit den Vierbeinern stärke das Selbstvertrauen und das Empathie-Vermögen und fördere die Motorik. Demenzkranke würden bei den Tieren wieder Regungen zeigen.

Ähnliche Konzepte wie in „Lamahausen“ verfolgen unter anderem der Hollerhof in Felsberg (Schwalm-Eder-Kreis), der mit Pferden arbeitet, und der Hof Schnuppstrupp in Haunetal (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), ein Hof mit Lamas, Pferden, Schweinen und Meerschweinchen.

Dass der Umgang von Patienten mit Tieren Therapie-Erfolge verspricht, bestätigt Klaus Fitting-Dahlmann, Leiter des Forschungsprojekts Tiere in Pädagogik integrieren (TiPi) an der Universität Köln. Er forscht zur tiergestützten Therapie und Pädagogik. „Der unterstützte und begleitete Umgang mit Tieren kann sehr hilfreich für Menschen sein“, sagt der Sozialpädagoge. Effekte sein eindeutig zu beobachten, wenngleich sie schwer durch „harte empirische Fakten nachzuweisen“ seien, etwa beim Einsatz von Lamas. Studien gebe es nur wenige dazu. Doch gerade Lamas wirkten durch ihr ruhiges und freundliches Wesen ausgleichend, entspannend und motivierend. Dennoch können Tiere keine Therapie ersetzen. Vielmehr könnten sie ein therapeutisch-pädagogisches Konzept unterstützen, das auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sein müsse. (dpa)

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