Dem Tinnitus entspannt begegnen

Wichtig ist aus medizinischer Sicht, dass Tinnitus keine eigene Krankheit, sondern häufig ein Symptom anderer Ursachen darstellt. Nahezu sämtliche Erkrankungen des Ohres, insbesondere des Mittel- und Innenohres, können mit Tinnitusbeschwerden einhergehen. Darüber hinaus sind oftmals auch Stressfaktoren, Lärm oder internistische beziehungsweise neurologische Erkrankungen Ursachen dafür.

Der Tinnitus wird laut dem Kasseler HNO-Mediziner Dr. Ulf Kuhlemann hinsichtlich der Schwere und der Krankheitsdauer graduell unterschieden. Die Ausprägung reicht von akut bis chronisch und von keinem Leidensdruck bis hin zu Berufsunfähigkeit. Darüber hinaus können sich zum Tinnitus auch Begleiterscheinungen wie Konzentrationsstörungen und Geräuschüberempfindlichkeit gesellen.

Tinnitusbeschwerden treten häufig auch bei Hörsturz und Gleichgewichtsstörungen auf. Funktionsstörungen des Innenohres werden dabei nach neueren Theorien durch Kompensationsversuche des Gehirns verstärkt. Aufgrund dieser vielfältigen, teilweise stressüberlagerten Faktoren, resultieren auch unterschiedliche therapeutische Ansätze.

Hörsturz ausschließen

„Vor einer sinnvollen Therapie steht jedoch in jedem Fall die gründliche HNO-ärztliche Diagnostik“, sagt Dr. Ulf Kuhlemann. Dazu gehören verschiedene Hör- und Gleichgewichtstests, beispielsweise um einen Hörsturz auszuschließen. Durch eine MRT-Untersuchung kann ein Akustikusneurinom, eine gutartige Geschwulst des Gehörnervs, ausgeschlossen werden. Dieses müsste in einigen Fällen sogar operiert werden.

Je nach individueller Krankheitssituation sollte sich daraufhin eine durchblutungsfördernde Therapie anschließen. Diese kann in Tablettenform oder als Infusionstherapie erfolgen, auch wenn der wissenschaftliche Nachweis für die Wirksamkeit, so Kuhlemann, noch nicht erbracht werden konnte.

„Generell gilt: Je frühzeitiger eine Therapie bei Tinnitus gemacht wird, desto besser sind die Erfolgschancen. Das gilt auch für die Verschlechterung eines bereits chronischen Tinnitus.“

Stress reduzieren

Gleichzeitig sollten Patienten sich in dieser Phase auch möglichst wenig Stress und starker akustischer Belastung aussetzen.

„Nehmen Sie den Tinnitus als ein wohlgemeintes Warnsignal, sich vom Stress zu entschleunigen, achten Sie auf regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf“, empfiehlt Dr. Kuhlemann.

Patienten sollten dem Tinnitus gleichzeitig möglichst wenig Aufmerksamkeit gönnen, damit das Störgeräusch nicht ins Bewusstsein dringt. Neben unterschiedlichsten Entspannungsmethoden und effektivem Stressmanagement seien Tinnitus-Masker (Rauschgeräte) in der Kombination mit Entspannungstechniken als Tinnitusretraining ratsam. Auch die hyperbare Sauerstofftherapie in einer Druckkammer kann im Einzelfall sehr hilfreich sein.

Abschließendes Ziel einer Therapie ist es, den Tinnitus in der Lautstärke so gut wie möglich zu verbessern, Entspannungstechniken zu erlernen, Stressmanagement zu praktizieren und weitergehende HNO-Erkrankungen auszuschließen. Durch eine solche Herangehensweise ist unter Umständen nicht nur eine deutliche Verbesserung der Tinnitusbeschwerden möglich, sondern auch die Gefahr einer erneuten späteren Hörstörung geringer. (nh)

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