Todmüde auch wenn die Sonne lacht

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Frühjahrsmüdigkeit: Mit Nordic Walking gehen Michaela Otto (links) und Silke Itter aus Wabern dagegen an.

Endlich ist es draußen warm, die Sonne scheint, die Tage sind länger. Doch viele Menschen können den Frühling nicht genießen, sie fühlen sich schlapp und müde.

Das sind typische Kennzeichen der Frühjahrsmüdigkeit, weiß Allgemeinmediziner Thorsten Schnorr aus Gudensberg. „Die Patienten klagen über Müdigkeit und Abgeschlagenheit“, berichtete er aus der Praxis.

Die tatsächlichen Auslöser der Frühjahrmüdigkeit seien nicht endgültig erforscht, erklärte der Facharzt. Wahrscheinlich hinge aber die Frühjahrsmüdigkeit mit der Hormonumstellung des Körpers von Winter auf Sommer zusammen.

Werden die Tage länger und wärmer, produzieren Darm- und Nervenzellen mehr Serotonin, das als Nervenbotenstoff Wohlbefinden, Antrieb und Schlaf beeinflusst. Gleichzeitig wird das Schlafhormon Melatonin, das der Körper nachts ausschüttet, durch die längeren Sonnenstunden tagsüber vermehrt abgebaut. Während der Zeitumstellung geraten die beiden Hormone zum Teil völlig aus dem Gleichgewicht, und das kann richtig müde machen. Außerdem produziert der Körper mit dem Klimawechsel vermehrt stimmungsaufhellende Endorphine sowie die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron. Das Frühlingswetter beeinflusse auch den Kreislauf, durch die Wärme weiteten sich die Blutgefäße, dadurch sinke der Blutdruck, erklärte der Experte. Dazu käme die unbewusste Umstellung von Ernährungs- und Schlafgewohnheiten.

Kurzer Mittagsschlaf hilft

Um die Symptome abzumildern, empfiehlt der Allgemeinmediziner, die Schlafenszeit dem Lauf der Sonne anzupassen, also früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen, damit die Schlafhormone wieder ins Gleichgewicht kommen. Auch ein kurzer Mittagsschlaf kann erholsam sein. Viel Bewegung an der frischen Luft und Wechselduschen kurbeln den Kreislauf an. Mehrere kleine Mahlzeiten mit viel Obst und Gemüse helfen bei der Ernährungsumstellung. „Der Körper braucht Zeit und viel Vitamine und Spurenelemente“, erklärte Schnorr. Frühjahrsmüdigkeit ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen für die Anpassung des Körpers an die Klimaveränderung. Dauern die Symptome länger als vier bis sechs Wochen an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Von Bettina Mangold

Zur Person

Thorsten Schnorr, geboren 1971 in Bonn, wuchs in Freiburg im Breisgau auf. Er studierte Humanmedizin in Freiburg und Hamburg und ist seit 2007 niedergelassen als Facharzt für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung für Notfallmedizin in einer allgemeinmedizinischen Gemeinschaftspraxis mit Dr. Achim Wunsch, GangolfFlorack-Genotte und Susanne Schachtrupp in Gudensberg. Außerdem bildet er sich weiter für den Erwerb der Zusatzbezeichnung Sportmedizin. Zu seinen Hobbys zählen Sport und Motorradfahren. Schnorr wohnt in Kassel. (yma)

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